Freitag, 29. Juni 2018

RAM / PORTRAIT / TRIAL / ROADKILL

Dank Mo's Plattenladen gab es endlich mal wieder ein Underground-Metal-Konzert in Karlsruhe. Dabei sein war sozusagen unumgängliche Pflicht, denn gerade die beiden Hauptbands RAM und PORTRAIT sind zwei rattenscharfe Schweden-Acts, die bereits klasse Alben gemacht haben und das Flair des Oldschool-Metal der 70er und 80er erfolgreich in die heutige Zeit transportieren.
Zu ROADKILL und TRIAL kann ich nix sagen, kenn deren Musik nicht und kam erst in die Hackerei, als die Jungs schon am abschminken waren.
Die Hackerei war zwar gut gefüllt, aber nicht so wie ich es mir gewünscht hätte. Auch waren herzlich wenig Fans der "jungen wilden Garde" am Start. Schade, ein paar mehr
langmähnige und moshwillige Nachwuchs-Kutten (die es zweifellos immernoch oder wieder gibt) hätten der Show sicher gut getan. Schade dafür!
Na ja, so konnte man sich voll auf die Musik konzentrieren, was im Falle von PORTRAIT gar nicht mal so gut war. Von denen hatte ich mehr erwartet. der Sänger verfehlte häufiger wie oft die hohen Töne und war dazu offenbar etwas überheblich. Immer wieder wollte er die Leute zum mitsingen seiner Texte animieren, denn er ging anscheinend davon aus, dass diese jeder Anwesende drauf haben müsse. Als das ein ums andere Mal in die (Spandex-)Hose ging, reagierte er mit Unverständnis. Dennoch versuchte er es immer und immer wieder, was, wenig überraschend, auch beim gefühlt zehnten Versuch immer noch nicht klappen wollte.
Der Rest der Band hatten vielleicht auch nicht den besten Tag erwischt, die gesammte Show klang hektisch und die auf der Platte ziemlich eingängigen Songs kamen live
kaum so rüber. Unterm Strich war die PORTAIT Show wahrscheinlich nicht ganz so schlecht, wie ich es hier darstelle, ich schildere nur das, was subjektiv bei mir hängen blieb. Bin mir aber auch sicher, dass sie es besser können, denn eine schlechte Band ist das keinesfalls!!!
RAM stießen an dem Abend in ein ganz anderes Horn. Der Band merkte man, dass sie eine Einheit war. Die Burschen lieferten genau das ab, was so verwöhnte Pinsel
wie ich hören wollen: HEAVY METAL wie er sein muss. Sägende Riffs, kreischende Sänger, stampfende Drums. Oftmals fühlt man sich bei RAM an die frühen Maiden erinnert,
einfach gute Musik im fast richtigen Rahmen. Leider nur fast, denn die Hackerei ist zwar genau der richtige Rauch-Bunker für so ein Konzert, aber es gehören halt auch
ein paar wild umher moshende Läusematten dazu, die zumindest die ersten 3-4 Reihen mit Leben füllen. Die gab es an diesem Abend leider kaum, was einem dann irgendwann
einfach fehlt, egal wie gut die Band abliefert. So ging es zumindest mir.
Aber nochmal: das alles ist Jammern auf hohem Niveau. Der Abend war keineswegs so schlecht, wie er sich hier anhört. Es war ein gutes Konzert von mindestens zwei
geilen Bands in einem geilen Laden mit geilen Leuten. Besser könnte es fast imemr sein, muss es aber gar nicht.Perfektion ist gerade im Heavy Metal eh ziemlich unsexy!
Ein dickes Danke an MO, der die Show an einem kalten Februar-Donnerstag machte, ohne das damit verbundene Risiko zu scheuen.
Grüße bekommen die, an deren Anwesenheit ich mich noch erinnern kann. Der Rest muss leider leer ausgehen.
Best Wishes gehen an meine Homies Lars Attacks und Rough-Boy-Raffke und natürlich an MO, dem ich hoffentlich ein paar Eingebungen für ein paar
neue Vinyl-Releases gab. (TYRANT!!!)

Freitag, 22. Juni 2018

BEGINNER
(10.11.2016, MAIMARKTHALLE MANNHEIM)

Jap, ist definitv schon npaar Tage her. Aber tatsächlich ist dieser verspätete Blog nicht (nur allein) meiner Faulheit geschuldet, sondern auch dem Zustand, dass ich mir die
Show der BEGINNER wirklich und wahrhaftig dreimal gegeben habe. Zuletzt im Mai in Karlsruhe, davor, 2017 in Bochum.
Ursprünglich hatte ich eine Art vergleichenden Blog geplant, aber bei genauerer Betrachtung wäre das Zeit- und Wort-Verschwendung gewesen. Somit erzähle ich nur kurz etwas
über das meiner Meinung nach beste Konzert dieser Trilogie: Mannheim!
Deutscher Rap, ja das ist so ne Sache, da konnte ich noch sie so arg viel mit anfangen, aber BEGINNER sind halt schon ganz coole Typen, die definitv ihren Anteil daran hatten,
dass sich hierzulande eine durchaus respektable HipHop-Bewegung entwickelt hat.
2016 wurde eine große Comeback-Tour angekündigt, natürlich auch mit neuer Platte im Gepäck. Und die hörte selbst ich rauf und runter. Ist alles drauf, von Gängster-Proll bis Oldschool, auch paar
leisere Töne, echt ne gute Scheibe deren Name "Advanced Chemistry" HipHop-Insidern sofort ins Auge springen musste. Dass die BEGINNER ihr Album nach den Heidelberger
(Mit-)Gründervätern des Deutschrap benannt haben, hatten bei der Veröffentlichung sicher dreiviertel der Fans gar nicht gewusst.
Na ja, ist auch nicht weiter verwunderlich, denn mit HipHop-Publikum hat der Großteil der Beginner-Fans ohnenhin nichts mehr zu tun, das sind zu 90% Mainstream-Radio-Hörer.
Aber nur durch solche Leute bekommt man Masse und so kam es, dass an diesem Abend über 12.000(!) Leute in die Maimarkthalle pilgerten. Laut Eißfeldt die größte BEGINNER-Show aller Zeiten!
Es lag bei dieser Location natürlich nahe, dass Torch und Toni L.(die beiden noch aktiven Masterminds von Advanced Chemistry)vom schönen Heidelberg doch mal kurz
in das Dreckloch Mannheim rüber kommen könnten, um den BEGINNERN einen Besuch abzustatten um sich für die Adelung zu bedanken, dass ihr Name das neue Beginner-Album ziert.
Dementsprechende Gerüchte gab es jedenfalls.
Support des Abends war MEGALOH, offengestanden kannte ich bisher nur den Namen des Burschen, normal sind sone Support Rapper eher auf verlorenem Posten. Meistens bekommen die nur ein paar Meter Bühne, stehen vor einem riesigen schwarzen Vorhang und rappen sich oftmlas vergebens nen Wolf ohne wirklich Anerkennung zu bekommen.
MEGALOH aber nutzte die Chance, ich muss gestehen, ich hatte vorher ein komplett anderes Bild von dem. Ich fand den richtig gut, fette Beats und im Gegensatz zu vielen Rappern heutzutage
hat der einen echt ansteckenden Flow. Muss ich mir mal näher anschauen ...
BEGINNER begannen mit ihrer Proll-Hymne "Ahnma", der Sound war bombastisch, die Leute gröhlten und jaulten was das Zeug hielt, Eißfeldt und Denyo, als wären sie Zeit ihres Lebensbr> auf solch großen Bühnen gestanden, pissten Eiswürfel, so cool gingen die nach vorne. Und eines wurde zumindest mir schnell klar: die beiden gehören nicht umsonst zu den größten
Acts Deutschlands, das sind einfach gute Rapper, die den Scheiss auch wirklich Leben und ... natürlich auch die damit verbundene Kohle gerne einstreichen(wer täte das nicht).
Aber verkauft haben sie sich zu keinem Zeitpunkt(sieht man mal von so Aussetzern wie "Schelle" ab, was rein gar nichts mit HipHop zu tun hat und nichts als Fischerei der Massen ist).
Die mächtigen Bässe drückten einem die Songs ohne Gnade in die Gehörgänge, altes und neues Zeugs, ich muss sagen, soviel Power hatte ich nicht erwartet.
Doch wirklich eskalieren sollte es, als circa nach einer Stunde dann tatsächlich ADVANCED CHEMISTRY angekündigt wurden und dann mit ihrem Hit "Wir waren mal Stars" die Halle zum explodieren
brachten. Ich hab die Typen ja früher schon öfter gesehen, immer vor so 100-200 Leuten, doch der Auftritt dieser Urgesteine ließ es mir eiskalt den Rücken runter laufen.
Das war der Hammer und natürlich auch fast ein Heimspiel für Torch und Toni L.
Die Stimmung in der Halle flaute dann auch nicht mehr wirklich ab, außer die BEGINNER streuten mal kurz was ruhigeres rein. Die Show war wirklich DeLuxe und im
Nachhinein (wie oben schon erwähnt) auch das Beste der drei Konzerte; was auch daran liegen mag, dass sich einiges, was während des ersten Konzertes spontan schien,
sich später als kalkulierte Methodik entpuppe und man dadurch einfach nicht mehr so geflasht war.
Der Abend hat wirklich Spaß gemacht, ich will mir aber gar nicht vorstellen, wie so ein Konzert ausarten würde, wenn man das in einem kleinen Club vor 400-500 richtigen
HipHop-Fans machen würde, die komplett am Rad drehen. Aber die Zeiten sind BEGINNER-technisch wohl vorbei.

Donnerstag, 21. Juni 2018

RYAN McGARVEY
(12.05.2018, LÖWENSAAL BADEN-BADEN)

Das wird ja immer besser.
Erst Danny Bryant, dann Aynsley Lister und dann auch noch RYAN McGARVEY !!
Tatsächlich kann man diese Reihefolge auch mit meiner aufsteigenden Beliebtheitsskala gleichsetzen, denn von den dreien ist mir McGARVEY der Herz-Allerliebste.
Schon sehr früh stand fest, dass mich rein gar nichts davon abhalten konnte, zu diesem Konzert zu gehen.
Nicht mal mein KSC!
Denn an dem Tag sollte das letzte (reguläre)Ligaspiel gegen Jena stattfinden, und da das ein Heimspiel war, konnte ich die Show felsensicher einplanen.
Ich sah ja im Löwen grad knapp zwei Monate zuvor auch Aynsley Lister(letzter Blog), deshalb konnte ich die beiden Shows ganz gut miteinander vergleichen.
Die beiden Typen sind ja vom Musikstil und vom Auftreten schon ähnlich, eigentlich, aber dann doch wieder gar nicht.
Denn genau DAS, was mir bei Lister fehlte, lieferte McGARVEY freihaus und in rauher Menge.
Ungeschliffene Rock-Attitude und Gitarrenpassagen, die einen vom Planenten fegten. Im Gegensatz zu Lister ist McGARVEY eben noch weitaus kantiger und introvertierter.
Er verkörpert viel mehr dieses einsame Rock'n'Roll-Outlaw-Image und ist trotz eingängigsten Bluesrocks um Meilen weiter weg vom glatt geschliffenen Mainstream.
Ähnlich wie Lister verlor auch er nur wenig Worte ans Publikum, aber bei ihm passte das zum Gesamtpaket und wirkte keinesfalls schüchtern. Er versank einfach in seinen
Songs und lad jeden der circa 150 Zuhörer aufs herzlichste ein, mit ihm mit zu kommen. Und viele, wenn nicht sogar alle nahmen diese Einladung an.
Einziger Wermutstropfen des Abends, denn ich bis heute nicht wirklich verstehen kann, ist die Zuschauerzahl. Während bei Lister noch sicher 200-250 Fans den Sall füllten
waren es bei McGarvey leider nur 150, bestensfalls gescgätzte 180 Leute. Der Stimmung allerdings machte das üebrhaupt nichts, denn der Saal wurde mit einem Vorhang etwas verkleinert,
so daß es im Publikum eng und schwitzig genug war. Besonders positiv zu erwähnen ist der hervorragende Sound, der die kleine Halle bis ins letzte Eckchen voll und ganz ausfüllte,
ne gute und kernige Lautstärke hatte und sozusagen das i-Tüpfelchen auf einer perfekten Show war. Ich war restlos bedient und kann auch nur jedem, der auf guten, handgemachten
und ehrlichen Bluesrock steht, empfehlen, sich mal ein Konzert des aus New-Mexico stammenden Musikers aunzuschauen, es wird keiner enttäuscht sein!
Zum Schluss noch ein Tuben-Schmankerl des Abends:

Montag, 18. Juni 2018

AYNSLEY LISTER
(24.02.2018, LÖWENSAAL BADEN-BADEN)

Was für ein Luxus, mal wieder eine internationale Bluesrock-Größe und das wieder sozusagen direkt um die Ecke, im Bluesclub Baden-Baden.
Ich kann gar nicht genug Worte des Lobes finden für das, was die Macher des Bluesclubs da auf die Beine stellen. Klar, ihre Möglichkeiten sind begrenzt, einen Bonamassa
werden sie niemals auf ihre Bühne bekommen können, aber die kleineren Underground-Versionen von ihm schon. Eine davon ist AYNSLEY LISTER. Ein Gitarrist der Spitzenklasse, ein smarter Typ der obendrein auch noch singen kann. In Insider-Kreisen längst kein Geheimtipp mehr. Und obwohl der erst 40 Jahre alte Engländer gerade voll am durchstarten ist, konnten ihn die Herren vom Bluesclub auf ihre Bühne holen. Kein Wunder (oder für Baden-Baden eigentlich doch ein Riesen-Wunder) war der Laden voll. Sicher 200-250 Leuten wollten sich den Burschen ansehen und keiner dürfte es bereut haben. Allerdings wurde schon zu Beginn schnell klar: Lister ist vieles, aber keine Rampen-Sau. Er wirklte eher schüchtern und zurückhaltend, aber vielleicht ich grad das seine Masche. Seine Songs erreichten die Zuhörer von der ersten Sekunde an. Es war gut, aber nicht so gut, dass ich selbst in Ekstase geraten sollte. Daran hinderten mich einige Kleinigkeiten. Für ein Bluesrock-Konzert war mir der Sound und das auftreten zu glatt und zu weich. Das Ganze hatte ganz viel Mainstream und kaum Rotz und Dreck. Lister wirkte wie ein überschliffener Diamant, immernoch noch ein Edelstein von feinster Qualität, aber es wurde zu viele Kanten weggeschliffen, Kanten, die für einen Hochkaräter aber wichtig sind, oder besser gesagt, Kanten, die ich persönlich für solch eine Hochkaräter wichtig finde. Und noch etwas fehlte mir: obgleich Aynsley Lister ein herausragender Gittarist ist, verlor er sich selbst zu selten in seinen Soli. Solche Musik lebt vom virtuosem und oftmals auch zügellosem Spiel, bei denen sich der Solist ein ums andere Mal ins Gitarren-Nirvana abschiesst und dabei einen Strudel verursacht, in den der Zuhörer hinein gezogen wird, ob er das nun will oder nicht! Genau DAS fehlte mir an diesem Abend etwas. Und dennoch war das Konzert mehr als nur gut, es war fantastisch, einen so tollen Künstler auf einer derart kleinen Bühne erleben zu können. Wer weiß, in diesem Genre starten die meisten Musiker ja erst im gehobeneren Alter richtig durch, vielleicht wird Lister (ähnlich wie Bonamassa) irgendwann auch die großen Hallen füllen. Falls das so kommen sollte, bin ich natürlich umso glücklicher, dieses Konzert in diesem Rahmen erlebt zu haben.