Sonntag, 6. März 2016

DANKO JONES / DEAD LORD / 77
(19.11.2016 SUBSTAGE KARLSRUHE)

Ich hab ne Weile überlegt, ob ich zu dieser Show überhaupt was schreiben soll. Doch ich war dort und der Abend verdient einen Blog, wennauch nur einen kurzen. Auf dieses Konzert freute ich mich schon lange. Hauptsächlich wegen der beiden Vorbands hätte es eigentlich ein genialer Abend werden müssen. Dem war aber nicht so. Unterm Strich waren die Spanier um SEVENTY SEVEN bzw 77 noch die geilste Band des Abends. Die sahen ungefähr so aus wie AC/DC in ihren Anfängen, klangen auch ähnlich rotzig und dreckig geil. Ne klasse Band, deren Schlagzeuger phänomenal ist: das Bürschchen ist grad mal 3-4 Kilo schwerer als die Drumsticks, die er meisterhaft über die Felle prügelt. Ehrlich, ich hab selten so einen schmächtigen Menschen gesehen, die Figur eines 13 jährigen Reckturners, vielleicht ist er ja sogar so extrem jung, jedenfalls am Schlagzeug ein absolutes Psycho-Biest!!!
Auf die nächste Band war ich eigentlich am schärfsten und nach dem Konzert wohl auch am meisten enttäuscht: DEAD LORD!!
Die rockigen Stoner-Schweden haben ja erst zwei Platten draußen, die letzte der beiden ist jedenfalls endlos geil, doch KEINE Band der Welt kann auch nur einen Fuss auf die Bühne bringen, wenn sie mit so einem beschissenem Sound klar kommen muss. Ich weiß nicht, ob es wie so oft am Substage lag oder am bandeigenen Mischer: das klang, als hätte mir einer mit ner Käsepistole die Gehörgänge vollgepumpt. Der Gesang war kaum zu hören, die Gitarre verschmolz komplett mit dem Bass und das Schlagzeug klapperte viel zu laut durch die Halle. Das verdarb mir wirklich alles! Daran konnte dann auch DANKO JONES nichts ändern. Ich weiß nicht, woran es liegt: ob ich mit einer falschen Erwartungshaltung an diese Band gehe oder es mir einfach zu langweilig ist. Obwohl ich um die Qualität dieser Band weiß, konnte ich mich noch nie für sie begeistern. Aber es war okay, die Stimmung war gut und der Sound war dann auch wieder weitaus besser als bei DEAD LORD. Aber auch der bessere Klang und die euphorischere Stimmung konnten mir den Käsebrei nicht mehr aus den Ohren drücken. Schade, da hatte ich mir echt mehr erhofft. Auf alle Fälle sind alle drei Combos keine Schlechten!
Dickliche Grüsse gibts für LarsoVegano,Papst Arminius,Jimmy Floyd und die Jensens!

Donnerstag, 3. März 2016

ARCHITECTS OF CHAOZ FEAT. PAUL DI'ANNO
(16.12.2015 SOUNDCHECK ONE WALDBRONN)

Dies hier wird kein herkömmlicher Konzert-Bericht, soviel kann ich schonmal vorweg nehmen.
Was ich an diesem Abend erleben musste war eine astreine Vorführung, wie man seinen eigenen Legendenstatus erfolgreich bis aufs letzte Quäntchen demontiert.
Die Jungs vom Soundcheck hatten eigentlich mal wieder einen guten Coup gelandet. Paul Di'Anno, legendärer Sänger der ersten beiden Maiden-Alben, hat sich zwar in den letzten Jahren nicht unbedingt immer und überall mit Ruhm bekleckert, war aber dennoch (zumindest bis zu diesem Abend), ein Garant für eine kultige Show mit massig alten Maiden-Songs.
Im Schlepptau hatte Paul seine "neue" Band, die ARCHITECTS OF CHAOZ, eine Band, mit der Paulchen schon früher unterwegs war, damals aber nur Maiden- und Di'Anno-Stücke spielte. Irgendwann kamen alle zusammen auf den Trichter,zusammen doch mal ne eigene Platte mit neuen Songs zu starten und das sollte dann auch unter einem richtigen Band-Namen stattfinden.
Es hatten ne gute Menge Leute den Weg ans Ende der Zivilisation (aka Waldbronn) gefunden. Im Soundcheck drin kam einem schnell das Gerücht zu Ohren, dass Di'Anno aufgrund seiner langjährigen Knieprobleme nicht mal mehr laufen und nur noch im Rollstuhl sitzen könne. Ich dachte mir, das kann sich ja wohl nur um einen unlustigen Witz handeln, doch es sollte die bittere Wahrheit sein. Insiderinfos zu Folge kann es sich der feine Herr wohl nie leisten, eine anständige OP zu zahlen, denn sobald er mal ein paar Mäuse zusammen hat, haut er diese für Suff und Drogen wieder raus. Hat zwar was vom Rock'n'Roll-Lifestyle, aber wenn man dabei immer wieder seine eigenen Leute verprellt und dadurch zunehmend cholerisch und launisch rüber kommt, dann hat man es sich halt irgendwann mit allen und jedem verscherzt, Legende hin oder her. Als dann diese bemitleidenswerte Gestalt die aus Bierbänken provisorisch aufgebaute Rampe hinauf geschoben wurde, war mir die Stimmung schon komplett verhagelt. Obwohl er diverse Flüche und Beleidigungen raus haute, schien er doch ganz gut drauf zu sein. Die Band fing an und hatte sogar nen ordentlichen Sound. Gesanglich hat Di'Anno die geringsten Probleme, seine Stimme ist markant und einzigartig wie in den guten alten Zeiten, aber über diesen Rollstuhl wollte und konnte ich nicht hinweg kommen.Dazu kam noch ein weiterer erheblicher Stimmungsdrossler: von den 70-80 anwesenden Fans MUSSTE sich anscheinend jeder zweite eine KETTE RAUCHEN. Nicht mal eine Sekunde dachte einer dieser Egomanen an die Nichtraucher, die gehörig unter dieser Scheisse zu leiden hatten. Da ich hier besonders empfindlich bin, konnte ich das echt nicht lange aushalten. Kumpan Armin sah das alles ähnlich, und so traten wir frühzeitig den Heimweg an, ohne im übrigen auch nur einen Maiden-Song gehört zu haben. Die Band spielte bis dahin nur AOC-Songs, die sind zwar okay, aber hauen dich auch net grad vom Sockel.
Draußen vor dem Laden standen noch zwei der SPITFIRE-Jungs (gute aufstrebende Metal-Band aus Karlsruhe)was sich als Glücksfall heraus stellen sollte, denn so konnten wir beide noch zwei der heiß begehrten KNOCK'EM DOWN-Tickets eintüten, ein Underground-Metal Festival (u.a.organisiert von SPITFIRE) welches im Januar 2016 zum ersten Mal stattfinden würde und aufgrund seines kultigen Lineups ruckzuck ausverkauft war.
Somit hatte der Abend doch noch was gutes. Ich weiß nicht, ob Paul Di'Anno nochmal die Kurve bekommt und sein Leben in den Griff kriegt.Ich würde es ihm von ganzem Herzen wünschen. An diesem Abend war das aber definitv noch nicht der Fall, sonst hätte er wohl kaum nach dem Konzert Backstage alle möglichen Leute um Drogen angebettelt! Schade um diese Legende, die sich, wie oben schon erwähnt, Stück für Stück selbst demontiert. Grüsse gehen raus an Musik-Papst Armin, Jürgen+Semira samt der PF-Crew (die leider auch fast qualmen mussten) und auch an die Spitfire-Jungs, im besonderen an Drummer Manu, der, wie sich heraus stellte, auch treuer Anhänger der Blau-Weissen ist!

Mittwoch, 3. Februar 2016

DEEP PURPLE / RIVAL SONS
(01.12.2015 ZENITH STRASBOURG)

Es gibt einige Größen der Musikgeschichte, die ich niemals mehr sehen werde, obwohl ich bei der ein oder anderen sogar mehrmals die Gelegenheit dazu hatte. Und immer und immer wieder kam irgend sone Kacke dazwischen. Dergleichen war es bei den Mannen um DEEP PURPLE: die waren sicher schon 3-4 Mal irgendwo vor meiner Nase, aber als ich im Frühjahr 2015 laß, dass diese Legende der Legenden nach Strasbourg kommen sollte, gab es für mich kein Halten oder Zögern mehr. Mit sicherer Hand führte ich meine Ticket-Harpune und schoss mir frühzeitig eine Karte, die zu keiner Zeit eine Chance hatte, zu entkommen. Später im Jahr gesellten sich noch der Zweier-Bob (muhahaha, ich lach mich welk!) aus Zell sowie Armin und sein Kumpan Markus dazu.
Da ich ja ne Woche zuvor bei den "Scorps" noch unter dem Sicherheitswahn der Bullen und Ordnungskräfte leiden musste und EUROPE leider fast ganz verpasste, schob ich etwas die Pünktlichkeits-Panik und steckte alle anderen damit an. Aber es sollte an diesem Abend ganz anders sein, überhaupt keine Staus, keine Schlangen, kein wirklicher Andrang. In der Halle angekommen traf mich die Ernüchterung wie ein Aufwärtshaken! Die Halle, obwohl sie gegenüber den Scorpions sogar noch verkleinert wurde, war fast leer. Ich war fix und alle! Was war den da los? Sollten DEEP PURPLE wirklich viel weniger Resonanz bekommen? Aber irgendwie relativierte sich alles, die Leute kamen nach und nach rein, die Halle füllte sich und alles war einfach nur relaxter als ne Woche zuvor.
Als die RIVAL SONS auf die Bühne kamen war es dann doch gut voll und die Kalifornier legten mit einem bombastischen Sound und eingängigem und bluesigen Rock schön einen vor. Ne klasse Band die während ihrer Show lediglich zuviele Schmunzetten einstreute. Das drückte irgendwann auf die Stimmung, aber nichtsdestotrotz ne Spitzenband!
Aber die Hardrocker, wegen der alle da waren, ließ nicht lange auf sich warten. DEEP PURPLE kamen völlig bodenständig und unaffektiert auf die Bühne. Gillan, Paice und Glover sind sozusagen der historische Stamm der Band, wenn auch nur Paice ein wirkliches Gründungsmitglied ist. Aber diese drei genannten Helden gehören zu DEN Bausteinen, die aus der Band die Kultband formten.
Gillan hat mittlerweile kurze graue Haare, ne kleine Plauze und stand da in schwarzem Shirt und schwarzen Hosen. Kein Flitter, kein Glitter, keine Bändchen oder Kettchen. Da sollte sich olle Klaus Meine mal ein Beispiel nehmen der auf der Bühne aussah, wie das Kind von Wolle Petry's Handgelenk und einer abgehalfterten Leder-Domina!
Gillan hatte bei den ersten Tönen etwas zu kämpfen, kam aber mit jeder Strophe besser rein und bewies vielen Kritikern, dass er noch der Herr seiner Stimmbänder ist. Jedenfalls hatte er sichtlichen Spaß, kein Wunder: er musste ja nicht wie früher befürchten, dass ihm der Bühnenrüpel Blackmore ne Bierpulle an den Schädel wirft, denn der macht ja seit einiger Zeit lieber sein Solo-Ding und versucht mit seiner Schalmei die Gespenster der europäischen Burgen anzulocken.
Es waren soviele Purple-Hits an dem Abend, der Sound war genial, die Herrschaften hatten nen Mords-Spass der sich auch schnell auf die ca. 5000 Leute übertrug. Der Opener "Highway Star" trieb mir schon die Tränen in die Augen. Ich genoss jede Sekunde von den Hit-Granaten wie "Hard Lovin Man", "Strange Kind of Women", "Lazy", natürlich "Demons Eye", das epische "Perfekt Strangers" oder "Space Truckin". Es war Dauer-Ständer-Zeit! Vor der Zugabe gabs noch "Rauch auf der Pfütze", was ich jetzt net unbedingt gebraucht hätte, aber gehört halt dazu. Die Zugaben waren "Hush" und der Burner "Black Night". A propos "Burner". Einer ihrer besten Songs, nämlich "BURN" blieb leider aus. Ebenso spielten sie kein Lied meiner Lieblins-Scheibe "House of the blue light". Da war ich mal kurz traurig, hielt aber nicht lange an. Und dass sie "Child in time" nicht mehr spielen ist ja hinlänglich bekannt. Für diese hohen Töne braucht man entweder Gillan's Stimmbänder von 1981 oder man hat sich neulich die Nüsse abschnibbeln lassen.
Es war ein unvergessliches Konzert, bei dem ich diese große Band endlich (noch)einmal sehen durfte. Es beamte mich zwar nicht völlig vom Stern (dazu fehlten zu viele Hits und auf der Bühne etwas mehr Feuer), aber das kann man einer Band schonmal verzeihen, die seit fast 50 Jahren die Welt berockt und damals mit ihrem Orgelsound (Gott hab Jon Lord selig) neue Rockdimensionen erschlossen hat und wegbereitend für viele Prog-Bands war, die da noch folgen sollten. DEEP PURPLE IN ROCK !!!
Grüsse gehen an den Zweier-Bob aus Cell on Hammercreek nebst Schwiegervaddi, Armin (der tatsächlich dachte, dass auf der BURN-Platte schon Coverdale singt ..ts ts ts, der Anfänger!) und Kumpan Nr.2 aka Markus.

Dienstag, 19. Januar 2016

SCORPIONS / EUROPE
(26.11.2015 ZENITH STRASBOURG)

Seit Ewigkeiten wollte ich schon EUROPE sehen, eine absolut geile Hardrock-Band, die man damals, zu ihren Glanzzeiten, keinesfalls mögen durfte, anderenfalls wären einem ein Zacken aus der knallharten Metal-Krone gefallen, wenn man solche "Wimps" unterstützt hätte. Doch heute ist alles anders, ich bin reif und weiß, was mir gefällt. Egal hinter wieviel Haarspray oder Makeup sich eine Band versteckt bzw. versteckt hat.
Und im Gegensatz zu vielen anderen Bands dieser Zeit und dieses Genres schaffen es EUROPE auch heute noch, erstklassige Alben abzuliefern. Also musste ich da jetzt endlich mal hin. Ursprünglich sollte mein Weg mich ins schweizerische Pratteln führen (wo sich übrigens verwunderlicherweise die Creme de la Creme der Metal und Rock-Szene die Klinke in die Hand gibt), doch das bekam ich dann zeitlich nicht hin. Dort hätten EUROPE Freitags alleine gespielt. Da das aber wie gesagt nicht klappte, hatte ich Donnerstags die Alternative, ins weitaus nähere Strasbourg zu fahren. An diesem Konzert war aber ein Haken, ein Haken in Form eines Skorpions-Stachels! Denn bei dieser Show war EUROPE nur Support und zwar für keine geringeren als die deutsche Hardrock-Legende SCORPIONS. Der Haken bestand nicht unbedingt darin, dass ich nicht der allergrößte Fan der Hannoveraner bin, sondern dass es durch die Jungs um Klaus Meine weitaus teurer sein sollte als die Show in der Schweiz. Gegen Strasbourg hätte eigentlich auch noch ein weiterer und ziemlich bedenklicher Aspekt gesprochen: zwei Wochen vorher geschahen die Terror-Anschläge von Paris. Deshalb wusste ich nicht, was mich dort ertwarten würde, geschweige denn ob das Konzert überhaupt stattfinden würde. Aber ich wäre nicht ich, wenn mich sowas von einem Konzert abhalten würde. Das Zenith gab bekannt, dass alle Konzerte stattfänden, man solle nur etwas längere Wartezeiten einplanen.
Ohne den Opfern von Paris gegenüber pietätlos zu sein spekulierte ich darauf, vor Ort noch ne günstige Karte zu bekommen, denn die Panikmache war sicher so groß, dass da sicher der ein oder andere lieber zu Hause bleiben würde und somit vielleicht noch n schmales Ticket abzugreifen sei.
Natürlich ging ich dieses Projekt mal wieder alleine an. Als ich nach ziemlich langem Anfahrtsstau an der Halle ankam, wurde man von schwer bewaffneten Polizisten empfangen, die jedes Auto samt Insassen inspizierten. Das war im übrigen der Grund für den Rückstau, der bis auf die Autobahn reichte! Als ich durch die Kontrolle durch war und die Karre auf dem großen Parkplatz abgestellt hatte, staunte ich nicht schlecht, als ich sah, dass die Warteschlange der Halle bis auf den Parkplatz reichte!! Das waren sicher 500 Meter bis zum Zenith! Ich bildete mir ein, schlauer als der Rest zu seine und schlich mich an der Schlange vorbei, denn meistens gibt es an anderen Eingänge kürzere Schlangen, denn die meisten Menschen sind in dieser Hinsicht wie dämliche Schafe: an der ersten Schlange, die man sieht, stellt man sich hörig an ohne auch nur irgend etwas am Ablauf in Frage zu stellen. Nun, sehr viel schlauer war ich dann aber auch nicht, es gab zwar tatsächlich an anderen Eingängen kürzere Schlangen, aber diesen waren auch noch 200-300 Meter lang. Es war unglaublich. Und ich hatte ja noch nicht mal ne Karte. Doch plötzlich war ich wieder schlau, denn meine Prognose bewahrheitete sich und ich hatte schnurstracks für nen Fuffi ein Ticket geschossen. Normaler Preis waren stabile 75 Mäuse! Ich stellte mich an der vermeintlich kürzesten Schlange an.
Schnell war klar: das wir zäh. Die Leute bewegten sich mit der Geschwindigkeit von tropfendem Baumharz. Als ich noch etwa 50 Meter vor mir hatte, hörte ich aus dem Halleninneren bereits Musik. Ich betete, dass da noch nicht EUROPE seien, schliesslich standen ja auch noch sicher 1000 Leute auf dem Vorplatz, da fängt man ja normalerweise etwas später ab. Weitere 30 Minuten Später war in denn endlich drin. Der Saal war zum Bersten voll und, ja natürlich, EUROPE waren schon voll im Gange. Ich sah noch ganze drei Songs (und einen halb) und prügelte in Gedanken vor lauter Wut einige nach Schweiß stinkenden Elsässer durch die Gegend(und davon gibts ne Menge!).
Nach Europe, welche mich selbst mit diesen dreieinhalb Liedern komplett überzeugten, wurde die Bühne umgebaut und alles für die SCORPIONS vorbereitet. Es waren sicher 10-12.000 Leute da (eher mehr). Man kann ja über die Deutschen sagen was man will, aber was diese Band an Musikgeschichte geschrieben hat, ist schon aller Ehren wert. Und damit meine ich nicht mal das ausgeleierte "Wind of change". Wenn man sich eingängig mit Rockmusik befasst, stößt man immer wieder und immer wieder auf zwei Namen: Michael Schenker und Uli Jon Roth. Beide sind ja nicht mehr Teil der Band, aber speziell der erstgenannte war wohl einer der einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte. Allein dafür muss man die Band schon würdigen, auch wenn sie bis heute nur noch einen kleinen Teil des Mythos erhalten konnte. Und ganz nebenbei, 50 Jahre Bandgeschichte sind halt auch ne Nummer, die man erstmal schaffen muss. Lange Rede, die Show ging los. Der Sound war bombastisch und schnell war klar, dass an diesem Abend die Band zwei Gesichter zeigen sollte: das "Wind of Change"-Gesicht (weswegen leider der Großteil da war) und das "Blackout"-Gesicht. Zweiteres sollten einen schlichtweg UMPUSTEN !! Da kippten schon einigen "Radiohörern" die Kinnladen runter, denn manche Klassiker rockten teuflisch hart ab. Musikalisch sind die älteren Herrschaften natürlich sehr gut und perfekt eingespielt, wenn auch speziell die Künste von Rudolf Schenker nicht an die seines Bruders heran kommen. Auch der amerikanische Schlagzeuger James Kottak schwingt die Stöckchen nicht schlecht, aber die Show, die der abzieht, ging mir voll auf den Senkel. Das minutenlange Drumsolo namens "Kottak-Attack", bei der das gesamte Drumkit unter die Hallendecke gehieft wurde, hatte seinen dramaturgischen Höhepunkt, indem Kottak in 20 Meter höhe ungesichert auf den Trommeln stand und (natürlich) die französiche Flagge schwenkte. Nichts gegen Anteilnahme, aber sowas ist einfach nur "Fishing for Compliments".
Egal, die Show war klasse, alte und neue Hits, alles was ich hören wollte, einiges was ich hören musste, und Zugabe war das zwar schwülstige, aber dennoch immergrüne "Still loving you". Dabei verdünnisierte ich mich dann um einigermaßen gut aus dem riesigen Parkplatz-Komplex heraus zukommen. Ich war mir sicher, dass sie alle Hits runtergeleiert hatten. Doch beim späteren checken der Setliste musste ich leider feststellen, dass ich noch "Rock you like a hurricane" verpasst hatte. Den Knaller hätt ich gern noch gesehen.
Auch wenn die SCORPIONS nicht mehr lange unterwegs sein werden (sind ja erst seit 5 Jahren auf der dritten Abschiedstour und haben seit Bandauflösung bereits 4 neue Alben raus gebracht), bin ich froh, sie einmal richtig gesehen zu haben. Das reicht aber auch, es sei denn es gibt mal ne Reunion mit Michael Schenker und/oder Uli Jon Roth!!!

Montag, 18. Januar 2016

ASD
(16.11.2015 SUBSTAGE KARLSRUHE)

Wie im vorherigen Blog ja geschrieben war ich ja an dem Abend bei olle Joan Armatrading. Der Plan war von vornherein nach der Tollhaus-Show noch rüber ins Substage zu schlendern und mir den Rest von ASD reinzuziehen. Ich war ja noch nie ein Fan des deutschen HipHop, aber wenn schon mal zwei so Hochkaräter vor der Türe stehen, dann schaut man doch mal vorbei.
Und was ich da zu sehen bekam war im wahrsten Sinne der Protagonisten DE LUXE!
Es waren so um die 300-400 Leute da, eigentlich nicht übermäßig viel, dafür aber ne gute Szene-Dichte und tausend Mal emotionaler als jede dreimal so große Teenie-Meute von hirnlosen KIZ,Cro oder Casper-Fans, oder was sich sonst heutzutage noch "Rap" nennt. Ich war sofort gebannt, denn die Skillz der beiden (wer es nicht weiß, ASD bestehen aus Afrob und Sammy Deluxe) waren erste Klasse! Endlich mal wieder wirklicher Rap mit ansteckendem Flow, guten und vor allem in den Rhythmus passenden Texten und authentischer und geballter HipHop-Mentalität. Wenn man mal die deutschen Lyrics ausblendete, hätte man teilweise glatt meinen können, man würde da grad einem der großen Ami-Acts aus den 90ern zuhören. Turbogeil, auch wenn ich nur noch ca. 45 Minuten des Konzertes sah.
Und endlich ... ENDLICH sah ich auf nem Rap-Konzert mal wieder Leute umher hüpfen und einander anmoshen. Dieser Ausklang des Abends hatte es weiß Gott in sich und bewegte meine Sichtweise auf (gestandene!) deutsche Rapper um ein gehöriges Stück in Richtung Respekt.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

JOAN ARMATRADING
(16.11.2015 TOLLHAUS KARLSRUHE)

Wer sich regelmäßig meinen Blog antut, der kann sich vielleicht an den Beitrag erinnern, in dem ich beschreibe, wie die Dramaturgie mancher Szenen in Filmen oder Serien durch den passenden Song regelrecht explodiert.
Und bei einer dieser dort beschriebenen Szenen aus Miami Vice sprengte ein Song (Dark Truth) meine Sinne, gesungen von einer gewissen Joan Armatrading . Offengestanden hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie von dieser Dame gehört. Nachdem ich also erleuchtet war, wollte es das Schicksal, dass eben jene Künstlerin zufälligerweise einige Monate später ins Tollhaus kommen sollte. Da musste ich natürlich hin.
Leider schreckten mich zwei Dinge im Vorfeld ab. Der stolze Preis von 35 Mäusen und die Tatsache, dass das Tollhaus an diesem abend komplett bestuhlt sein sollte. Na ja, sone Soul/Blues-Diva kann man durchaus auch mal im sitzen erleben, aber man weiß halt schon vorher: an so nem Abend bleibt die Luzie eher ungetanzt!
Dennoch wollte ich hin, ich spekulierte auf ne günstige Schwarmarkt-Karte was auch hervorragend klappte. Schnell hatte ich ein Ticket für 25 Steinchen eingetütet. Also nix wie ning, Vorband bzw. Vorsänger war ein blass-rosa Typ namens Ben Holland, so ne windige Fahhrad-Speiche, die sich hinter der Stange eines Verkehrsschildes verstecken könnte und sich höchstens 2 mal im Jahr die Haare abkauen lässt. Aber konnte das Jungchen singen!!! Wirkliches Hitpotential, klang etwas wie Bob Dylan und manchmal hörte man sogar etwas die folkige Seite vom Boss heraus. Auf alle Fälle ein SingerSongwriter, der sich etwas von der schlitzpissenden Masse absetzt auch wenn er so wie alle ausschaut.
Joan Armatrading kam danach mit ihrer E-Gitarre völlig unspektakulär in unspektakulärem Outfit auf eine unspektakulär aufgemachte Bühne. Man hätte fast annehmen können, sie wollte einen eher unspektakulären Auftritt inszinieren!
Doch entgegen aller Vorzeichen sollte die Show dann visuell doch eher unspektakulär werden. Joan spielte ihre Songs, von denen ich herzlich wenig kannte (obwohl ich miitlerweile natürlich einiges Material gesichtet habe).Einige Lieder waren wirklich atmosphärisch, manche ziemlich rockig, eigentlich war von allem was dabei, sei es Blues, Soul oder Rock dabei. Das wirklich beeindruckende aber war eine Dia-Show in der Mitte des Konzertes, in der Joan Armatrading auf die Stationen und Highlights ihrer Karriere einging.
SCHEISS DIE WAND AN !!! Was hat die denn alles erlebt bzw. mit wem hat die schon die Bühne geteilt!!
Ich weiß nicht mehr alle, aber da waren so Namen wie Eric Clapton, Elton John, Paul McCartney oder Bob Dylan dabei. In Südafrika traf sie Nelson Mandela und spielte bei einem Anti-Apartheid-Konzert vor 200.000 Menschen.
Die Liste war weitaus länger und beeinhaltet noch ne Menge anderer großer Namen und Ereignisse. Eigentlich ist Joan Armatrading ein Weltstar, den hier irgendwie kaum einer kennt. Klar, das Tollhaus war voll, aber eben hauptsächlich mit Insidern (und mir). Aber trotz des imposanten Lebens dieser Frau und den eigentlich guten Songs sprang der Funke bei mir nicht über. Es war kurzweilig aber nicht umhauend.Zuviele Songs fand ich eher mittelmäßig.Auch ihre eher einfachen Gitarren-Soli, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurden, beeindruckten mich nur wenig, sehe ich doch Woche für Woche die virtuosesten Klampf-Künstler der Welt. Mag auch sein, dass ich den ganzen Abend auf dieses eine Lied wartete, weswegen ich hier war. Doch dieser Wunsch sollte unerfüllt bleiben. Der Song "Dark Truth", der mir von Konserve schon durch Mark und Bein geht, wird mir wohl live niemals mehr vergönnt sein. Unterm Strich war ich aber doch froh dort gewesen zu sein, denn diese Frau ist eine "grande Dame" der Musikgeschichte, auch wenn sie den meisten Menschen (nebst mir, zumindest bis vor einem halben Jahr) gänzlich unbekannt ist.

Dienstag, 8. Dezember 2015

TEN YEARS AFTER
(30.10.2015 REITHALLE RASTATT)

Um Gottes Willen, als ich laß, dass TEN YEARS AFTER ausgerechnet nach Rastatt kommen sollten, dachte ich offen gestanden zunächst nichts Gutes. Ne zwar kultige, aber doch etwas abgehalfterte Truppe in der musikalisch nur noch durch Orte wie Dudenhofen oder Reitzenhain getoppten Provinz. Das konnte ja was werden. Aber endlich einmal wurde ich lügen gestraft. Es sollte in allen Belangen der HAMMER werden. Mit dabei wie immer Musikkenner Armin (der ab und an seine Jacke mit hochgestrupften Ärmeln trägt, deshalb werd ich ihn ab und an auch einfach mal Sonny (Crocket) nennen!).
Der erste positive Schock: die Reithalle ist ein ganz cooler Laden.
Der zweite noch viel positivere Schock: Die Halle war mit fast 600 Leute VOLL !!!
Das hätte ich nun wirklich in den kühnsten Träumen nicht erwartet. Vorband sah ich wegen der "langen" Anreise leider nicht ;-). TEN YEARS AFTER sind ja vier Mann, zwei davon (Ric Lee/Drums und Chick Churchill/Keys) waren schon zu Woodstock-Zeiten aktiv!! Unglaublich, dass die heute noch auf der Bühne stehen und dazu noch abartig rocken. Am Bass ist mittlerweile auch ein Großer Name: Colin Hodgkinson der schon für die "Weisseschlange" die Saiten zupfte. Der sieht zwar aus wie der Vollstrecker von Donnerlippchen und kann nur noch gebückt spielen, aber den Groove kann er niemals mehr auf die Bühne gebracht haben als heute.
Abgerundet wird das Lineup von einem Jungspunt namens Marcus Bonfanti, der erst seit 2014 mit dabei ist und Gitarre und Stimmbänder bedient. Und ich übertreibe jetzt nicht, aber was dieser Junge leistet, kann man nur mit einem Wort beschreiben: GENIAL!
Ein über alle Maßen talentierter Frontmann, Gitarrist und Sänger, der die Songs mit so großer Leichtigkeit performte, dass er dabei getrost seinen Kopf schütteln konnte und oft minutenlang nicht auf die Gitarre schauen musste, nicht einmal bei den durchaus hochwertigen Soli. Ich weiß, ich neige oft zu Übertreibungen, aber DAS war wirklich fantastisch. Keiner der Anwesenden konnte zappelfrei stehen bleiben, irgendwas zuckte bei jedem.
Hier eine kleine Kostprobe aus meiner (Handy)Feder, in der Mitte des Videos sieht man übrigens Armin so richtig abhotten! Wenn man übrigens in manchen Songs den Orgelsound von Chick Churchill hört, dann kann man schon erahnen, wo olle Jon Lord damals seine Inspiration her nahm, das Ganze bei den Purples einzusetzen.
Das Konzert war einmalig gut und macht mächtig Lust auf mehr, und wenn man die älteren Herren da rocken sah, kann man auch davon ausgehen, daß die sicher nochmal irgendwo auftauchen werden ... hoffentlich!!
Wenn ja, dann sollte das für ALLE Musikfans nicht EIN sondern DER Pflichttermin sein! Jedenfalls ist von der Legende TEN YEARS AFTER noch ne Menge übrig und der fehlende Rest wurde mehr als adäquat ersetzt!
Beste Grüße an Sonny Crocket (der heute nicht mehr so viel Schaumfestiger braucht als zu den glorreichen Vice-Zeiten!)