Freitag, 7. Mai 2010

ARTHUR ROTMIL

Hillsborough 1989

Ich bin mir ziemlich sicher, daß nicht mehr viele diesen Namen kennen werden.
Wahrscheinlich ist er nur noch altgedienten Fussball-Fans und Nostalgikern ein Begriff.
Arthur Rotmil war ein englischer Sport-Journalist, der in erster Linie dafür bekannt wurde,
daß er am Ende der Bundesliga-Übertragungen im Radio die englischen Liga-Ergebnisse übers Telefon durchsagte. Ich selbst durfte das noch am eigenen Leib erfahren, seit ich Mitte der 80er Jahre regelmäßig zum KSC ging und auf der Heimfahrt nach den Heimspielen dies der abschliessende Höhepunkt des Spieltages war. Das Ganze ging dermaßen unspektakulär und unaufgemotzt über die Bühne, daß man sich das beim heutigen Technik-Stand überhaupt nicht mehr vorstellen kann.
Da kam dann ein Volker Kottkamp, ein Rudi Michel oder ein Hans-Reinhard Scheu (um nur einige Wenige zu nennen), die einfach ein Telefon in die Hand nahmen und diesen Burschen direkt in London an die Zwiebel holten. Die Verbindung war immer denkbar schlecht, aber das tat der Sache keinen Abruch. Im Gegenteil: Das immense Rauschen gepaart mit dem sympathisch angefuckten Cockney-Akzent, den Rotmil in seinem gebrochenen Deutsch hatte, machten aus dieser ganzen Sache damals, aber erst recht heutzutage reinsten Kult.
Es waren ja nicht nur die Fussball-Ergebnisse, die hier vermittelt wurden, es war in gewisser Weise auch das Flair der Insel und dessen Fussballs. Man hörte ruhmreiche und altehrwürdig klingende Namen wie Arsenal London oder Crystal Palace, Wolverhampton Wanderers oder Nottingham Forest. Und ein Jeder fussball-begeisterte Hörer träumte dabei, selbst einmal diese von Tradition und Stolz umgebenen Fussball-Tempel zu sehen und die Atmosphäre darin aufzusaugen.
Es war damals eine Zeit, in der es noch keine überschwemmte Medienlandschaft mit Sky, Premiere oder Liga-Total gab, in der es noch keine Handys oder iPhones gab, in der noch nicht alles von der Kommerzialisierung und von Funktionären erstickt wurde.
Damals gab es noch Werte und Strukturen, besonders für einen jungen Fan wie mich. Es gab in erster Linie den KSC, und auf der von Staus geprägten Heimfahrt wurde eben noch die Nachbetrachtung des Spieltages sowie der Ergebnis-Dienst von olle Arthur gehört, zu Hause gab es dann noch die Sportschau oder später das Aktuelle. Mehr gab es nicht! Es war eben vieles noch schlichter und einfacher, aber auch unbeschwerter. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit!
Aber alles war auch in dieser Welt nicht Eitel Wonne. Ich weiß es noch genau, als wir am 15.04.1989 nach Hause fuhren. Wir hatten mittags gerade gegen die Eintracht aus Frankfurt mit 1:3 verloren (was auch sonst) und mein Bruder und ich waren bereits auf der Autobahn.
An diesem Tag sollte das englische Cup-Final im Hillsborough-Stadion von Sheffield stattfinden.
Im Endspiel standen der FC Liverpool und Nottingham Forest. Was damals geschah, dürfte sogar noch den Jüngeren einigermaßen präsent sein. Bei einer Zuschauerpanik kamen tragischerweise 89 Fans ums Leben. Als Arthur Rotmil angerufen wurde, um von diesem Spiel zu berichten, war er fassungslos und berichtete von einigen schwer verletzten Fans. Zu diesem Zeitpunkt nahm man an, daß das Unglück wie auch vor 4 Jahren im Heysel Stadion von gewalttätigen Auschreitungen verursacht wurde.
Erst später an diesem Tag klärte sich diese Tragödie auf.
Auch mein Bruder und ich waren schockiert und hörten die gesamte Heimfahrt über die Sendung um noch weitere Infos zu bekommen. Doch mit jeder Meldung, die von Rotmil kam, waren es mehr Verletzte und dann wurde sogar von Toten gesprochen. Auch deren Anzahl stieg von Minute zu Minute. Am Ende des Tages war klar, daß diese Katastrophe, die letzten Endes nur Fussball-Begeisterung in Verbindung mit schlechter Organisation als Grund hatte, 89 Liverpool-Fans das Leben genommen hatte.
Doch wieder zurück zu unserem Protagonisten. Rund um die EM 1996 in England hatte man noch diverse Berichte von Rotmil lesen können. Da ich aber ansonsten über diesen Menschen keinerlei andere Informationen habe und selbst beim SWR nicht mehr heraus bekommen konnte, kann ich auch nicht mal sagen, ob der gute Mann überhaupt noch lebt.
Daß man so gut wie nirgendwo etwas über ihn nachlesen kann, ist gerade in der heutigen Zeit, die speziell in Deustchland von Kommerz, Mediengeilheit und Profitsucht geprägt ist, ungemein schade, denn Arthur Rotmil ist eigentlich auch ein wennauch kleiner Teil der deutschen Fussball-Geschichte.
Aber die Würdigung und den Respekt gegenüber alten Werten und Traditionen vermisst man in den heutigen Zeit immer mehr.
Und deshalb verkünde ich hier und heute ein HOCH auf Arthur Rotmil.

PS: da ich kein einziges Bild von diesem ehrwürdigen Menschen finden konnte, habe ich oben zwangsläufig als kleines Mahnmal ein Bild der Katastrophe von Sheffield eingefügt, dies ist allerdings noch eines der Harmloseren und zeigt nicht annähernd das Grauen diesen schlimmen Tages!

Kommentare:

  1. Ich habe mich sehr über Ihren Kommentar bezüglich des englischen Reporters Arthur Rotmil gefreut und stimme in Ihr HOCH gerne mit ein!!!
    Ich dachte, die Erinnerung an Arthur Rotmil wäre völlig verlorengegangen - es freut ich, daß Sie in Ihnen noch lebendig ist.

    Viele Grüße aus Pirmasens
    Dr.Andreas Müller

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  2. Hallo. Ich bin auf deinen Blog gestoßen, als ich nach Informationen über meinen Großvater Arthur Rotmil suchte. Ich habe einen Blogeintrag gesehen, den du über ihn geschrieben hast, als er über die Hillsborough-Katastrophe berichtet hat. Das ist ironisch, weil ich jetzt eigentlich Liverpooler Unterstützer bin! Ich würde gerne mit dir mehr über ihn reden. Wären Sie glücklich, mir Ihre E-Mail-Adresse zu geben? (Sorry, wenn der Deutsche in dieser Nachricht schrecklich ist. Ich benutze Google Übersetzer, da ich Englisch bin und das Deutsch, das ich in der Schule gelernt habe, ist nicht gut genug, um alleine zu schreiben!)

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