Donnerstag, 19. März 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 7:
TANKARD
(24.01.2015 SALA SANTANA 27)

Wie ja nun der ein oder andere bereits vernommen hat, war ich just zu dieser Zeit auf einer Solo-Tour durch Frankreich und Spanien.Der kulturelle Höhepunkt der Reise war die baskische Metropole BILBAO, und ich hatte den Besuch dergleichen natürlich auf ein Wochenende gelegt, weil da halt einfach mal am meisten Luzies tanzen.
1-2 Tage zuvor durchforstete ich das Internet auf der Suche nach einem geilen Konzert, welches ja in soner Stadt einfach jedes Wochenende stattfinden muss. Ich biss mir zunächst die Zähne aus und schien nichts aufzuspüren, doch dann traf es mich wie ein Blitz: Frankfurts Thrasher-Legende TANKARD sollten ausgerechnet zur gleichen Zeit in Town sein wie ich.
Was für ein Glück!
Natürlich konnte ich die Situation kaum einschätzen. Die Band kommt sicher nicht sehr häufig in die Ecke, ich vermutete aber schon ne stabile Fangemeinde. Ebenso konnte ich nichts zu der Größe des Ladens sagen. Es konnte also sein, dass es mit einer tollwütigen Meute von Metalheads komplett ausverkauft wäre.
Da kam mir der Zünder: ich schrieb über Facebook einfach TANKARD höchstselbst an. Nach dem Motto: wer fragt, gewinnt!
Ich konnte mir schon denken, dass Manager und Eintracht-Urgestein Buffo auf deren FB-Seite die Tasten schwingt.
Meine höfliche Frage, ob denn so aus Gründen des "Zusammenhalts deutscher Metal-Fans" ein Gästeliste-Platz für mich drin wäre, wurde tatsächlich von Buffo beantwortet und er bestätigte mir, dass das klar ginge (Zitat:"... auch wenn ich KSCler bin" ;-) Was für ein Glück! Nachdem ich den Tag in BILBAO verbrachte hatte und zwischenzeitlich für nen Matrazzenhorcher im Hotel vorbei schaute, packte ich mein Bündel und zog Richtung SALA SANTANA 27.
Und was war das für ein Moloch, in dem Laden lag. Ein komplett abgefucktes und wohl größtenteils still gelegtes Industriegebiet, überall Müll und Autowracks, aber auch in jeder Ecke junge Leute, die sich schonmal mächtig einen hinter die Binde kippten. In einigen Hallen waren dann auch sone Elektro-Events, überall her dröhnten dumpfe Bässe, keine Ahnung ob das irgendwie offziell war oder eher Guerilla-Clubbing. Cool war es allemal!
Ein paar Blocks weiter war dann auch die Location des abends, von außen auch nicht im bestem Zustand, aber von innen ein guter Metal-Schuppen mit jeder Menge Flair. Buffo hatte gemeint, ich solle mich bei ihm melden, er wäre die ganze Zeit beim Merch. Logischerweise bedankte ich mich auch gleich bei ihm. Er ist son 80er Jahre Metaller, wie man ihn in einem Bilderbuch malen würde. Lichtes, aber ohrbedeckendes Haar, welches so aussah, als hätte Ratten daran genagt, ne uralte Bomberjacke mit Tankard Patch, am Handgelenk (wenn ich richtig gesehen hab) der obligatorische Indianerschmuck, kurzum: ein geiler und authentischer Typ! Ich unterhielt mich dann eine Weile mit ihm, aber wer (wie ich) dachte, das würde das vermeintlich dumpfe Gelaber über Metal, Fussball oder Titten, dem sei schnell erzählt, dass das keineswegs so war. Es wurden eher spanien-spezifische Themen wie das duale Bildungssystem, die Herkunft der baskischen Sprache sowie das Prokopf-Einkommen und das Schul-Niveau der hiesigen Bevölkerung behandelt ... so kann man sich täuschen... oder besser... so schnell fällt man auf Vorurteile rein.
Natürlich haben wir auch ausgiebig über unser beider Vereine gesprochen, und dabei blieb es sogar freundschaftlich.
Irgendwann fing dann die Vorband an und ich bewegte mich in den Hauptsaal. Es spielten CRISIX, eine spanische Thrash-Metal Band, die durchaus noch auf sich aufmerksam machen wird. Talentierte Jungs die ganz gut kesselten. Der fast volle Laden nahm es höflich an, ein paar Mosher, aber nix wildes.Jedenfalls nicht die Meute, die man bei Lokalmatadoren erwartet.
Dann kamen Tankard. Ein klasse Sound, volles Rohr, Gerre, dicker denn je, gab von der ersten Sekunde alles. Auch die Songauswahl war geil, viel Altes, ein bissl was Neues, alles war wie immer, wenn TANKARD aufspielt: Ne geile Show! Und dennoch, der Mob war nicht annähernd so verrückt, wie ich mir das gewünscht bzw. erwartet hätte. Klar, es wurde gemosht und die spanischen Matten wurden geschüttelt, aber irgendwie war es dann sogar ne Spur harmloser wie in Deutschland.
Kaum zu glauben, oder?
Egal, die Show war klasse und ich genoß jeden Song, weil es doch was besonderes war, ewig weit weg, ne komplett andere Welt, ne geile Tour und als i-Tüpfelchen dieses Konzi, und dann auch noch für lau. Das nenn ich zombig!
Während der Zugabe trat ich den Heimweg an, verabschiedete mich von Buffo und hoffte, daß mein Auto noch stand. Das tat es und es brachte mich sogar sicher durch die baskische Nacht bis zu meinem abgelegenen Hotel.

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 6:
VON SAINTES-MARIES-DE-LA-MER NACH BILBAO

So... und weiter ging die wilde Fahrt. Wirtschaftlich und ökologisch gesehen war mein Reiseablauf eher suboptimal, weil ich einige Strecken doppelt und dreifach fuhr, aber selbst dabei fand ich noch Sehenswertes. Wie schon erwähnt verbrachte ich noch ein paar Stunden in NIMES, was wirklich ein schöne Stadt ist, falls mal jemand in der Gegend ist.
Danach hieß die Parole: BASKENLAND, genauer BILBAO!
Die Strecke führte vorbei an TOULOUSE und endete an diesem Tag in der Nähe des Ortes PAU, von dem ich noch nie gehört hatte und sicher auch nie mehr hören werde. Ich hätte noch weiter fahren können, aber ich wollte die Strecke durch die Pyrenäen natürlich lieber tagsüber fahren und weil es schon dunkel war, checkte ich schon relativ früh in einem IBIS ein, ja, selbst dort gab es eines dieser Dinger. Im Hotel wollte ich dann die Route für den nächsten Tag planen, aber was ich auch als Ziel eingab, Klaus-Dieter wollte mich einfach nicht DIREKT durch die Berge führen, sondern irgendwie immer drum herum.Ich fand dann doch eine fahrbare Route, welche aber fast dreimal solange gedauert hätte, wie die Strecke, welche das Gebirge mehr oder weniger umfährt. Und da ich ja Samstags noch was von BILBAO sehen wollte, entschied ich mich dann doch für den leichteren Weg. Wie sich am nächsten Morgen herausstellen sollte war auch dieser Weg atemberaubend!
Entlang der schneebedeckten Berge fuhr ich bis zur Atlantik-Küste und setzte dann den Blinker links Richtung Spanien. Hier bekam ich dann immernoch eine gehörige Portion Pyrenäen, eine unglaublich tolle Landschaft, kaum besiedelt und das alles bei schönstem Wetter. Als ich wieder langsam in flachere Gefilde kam, stand ich auch schon vor den Toren BILBAOS. Und diese Stadt hat es mir dann erstmal richtig besorgt. Ich war von Anfang an total überwältigt. Alles ziemlich chaotisch, von Stadt-Planung mal überhaupt keine Spur und jeder macht irgendwie, was er will. Hier war dann auch Klaus-Dieter das erste Mal regelrecht überfordert. Er kam tüchtig ins schwitzen und wollte mich andauernd in Straßen leiten, die eigentlich Fußgängerzonen waren und durch Eisenpfosten blockiert waren. Parkplätze gab es irgendwie auch nirgends, also bog ich in ein Straße ab, die mir in ein Wohngebiet zu führen schien. DAS war ein Fehler, denn plötzlich stand ich in einer mörder-engen Gasse, die gerademal nen Meter breiter war, als mein Auto. Ich war mir nicht mal sicher, ob die zum Befahren gedacht war, aber dafür liefen haufenweise Leute durch, sozusagen auch nur ne Fußgängerzone. Es war Samstag mittag, folglich war da ne Menge los und ich konnte nicht anders wie weiter fahren, denn rückwarts raus konnte ich auch nicht mehr, weil einfach viel zu wenig Platz war. Also kroch ich da durch, den meisten Leuten war es wurscht, aber dennoch bekam ich Schweißausbrüche. Ein paar erboste Senioren ließen es sich dann aber doch nicht nehmen ihren Unmut zu äussern indem sie mit ihren Baskenmützen oder Einkaufstüten mein Auto abwatschen. Es hat zwar keinen Schäden angerichtet, aber selbst wenn, ich hätte in diesem engen Schlauch eh kaum aussteigen können. Und so quälte ich mich Meter für Meter durch diesen Korridor und fühlte mich dabei wie der eklige Grund einer üblen Darmverstopfung.
Doch auch dieses Schlamassel war irgendwann überstanden und ich konnte wieder auf normalen Strassen fahren.
Architektonisch ist BILBAO wirklich der Hammer. Es wurde in einen riesigen, krater-ähnlichen Talkessel gebaut und gerade die steilsten Hänge sind am dichtesten zugepflastert, weiter unten im "Tal" wechseln sich dann geballte und teilweise antike Häuserblocks mit weit ausladenden Parkanlagen und hypermodernen Megabauten ab. Der Gipfel dessen stellt das weltbekannte und baulich wirklich abgefahrene Guggenheim-Museum dar, welches auch von einer recht großen Parkanalge umgeben ist.Und ein paar hundert Meter weiter ist es dann wieder so eng, dass du dir beide Ohren kratzen kannst, wenn du durch ne Gasse läufst!
Das Guggenheim wollte ich mir Sonntags anschauen, zuerst wollte ich mir die recht schöne Altstadt mit den vielen Fussgängerzonen und Kneipenvierteln reinziehen. Die Karre stellte ich in ein Parkhaus, welches auch ein ETA-Unterschlupf hätte sein können. Stockdunkel, voller Müll, eigentlich eher eine Bat-Höhle als ein vertrauenswürdiger Ort, dem man sein Auto anvertraut. Doch wenn es hunderte von Spaniern machten (ich dachte mir, dass das kaum alles ETA-Jungs sein würden), dann wird es auch bei mir klappen. Die Altstadt war echte klasse, absolut sehenswert, auch sehr alternativ angehaucht, also genau mein Ding!
Überall standen Leute in den Gassen und tranken zusammen, denn die ganzen Kneipen waren zu eng für die vielen Leute, also ist es da wohl Brauch, sich sein Getränk drinnen zu holen und draussen zu trinken. Allein das verlieh dem Ganzen schon eine wirklich tolle und einladende Atmosphäre.
Der Höhepunkt war dann noch ein genialer Metal-Laden namens ARISE, der tonnenweise Shirts, Hoodies, Musik und vieles andere hatte, was Metaller-Herzen so begehren. Dabei fand ich dann noch dieses Schmuckstück, bei welchem ich einen sofortigen Eintüt-Drang verspürte welchem ich auch bereitwillig nachgab:
Ne Iron Maiden Powerslave-Maske für 40 Mäuse, wenn das mal kein Mitbringsel ist!
Mittlerweile war es schon Samstag nachmittag und es wurde schon dunkel, also nix wie ins Hotel, denn, wie ihr euch ja sicher schon denken könnt, gab es auch in BILBAO ein schmuckes IBIS, und es sollte sogar das Günstigste der ganzen Tour sein.
Abends stand ja auch noch was ganz besonderes auf dem Programm. Wie immer, wenn ich in einer größeren Stadt bin, checkte ich im Vorfeld ab, ob denn ein cooles Konzert stattfinden würde. Und tatsächlich sollten an diesem Abend kurioserweise die deutschen Thrasher von TANKARD in BILBAO vorbei schauen, das durfte ich mir natürlich nicht entgehen lassen.
Doch auch darüber wird es einen Extra-Blog geben.
Sonntag morgen ging es dann relativ früh wieder in die City, da ich mir ja noch das Guggenheim Museum anschauen wollte.
Ich musste bei dem vertrackten Bau erstmal den Eingang finden, staunte dann über die 13 Euro Eintritt nicht schlecht, aber man muss ja auch mal einen auf Kultur machen.Im Endeffekt hätte ich mir das auch sparen können. Im Museum gibt es zahlreiche verschiedene Austellungen. Die erste war im Erdgeschoss. Riesige Labyrinthe aus Metal, einige Meter hoch, ich pirschte wie ein hirnloser Versuchs-Hamster durch die meist spiralförmigen Konstruktionen in der Hoffnung, im Inneren irgendwas erwähneswertes zu finden, doch da war viermal NIX !!! Ich versteh ja nicht viel von Kunst, aber DAS war der erste Reinfall!
Hätte ich diese Ansicht vorher gehabt, wäre mir der Drehwurm erspart geblieben
Im nächsten Raum hunderte Fotos von Menschen, bis unter die Decke, endlos viele 0815-Fressen, keine Ahnung, wo da die Kunst sein soll. Obwohl fotografieren im ganzen Museum strengstens verboten ist und das ganze übelst streng überwacht wird, hab ich natürlich nicht widerstehen können (gerade wegen der ganzen Aufpass-Fuzzies)ein paar Fotos zu schiessen.
Bei diesem "Kunsterguss" hatte ich dann so ne spanische Aufseher-Emanze am Hals, deshalb ist es relativ unscharf, aber dennoch kann man denke ich sehr gut erkennen, was für eine Bröselkacke einem da als "Meisterwerk" verkauft werden soll.
Das sieht aus wie mundgemalt!
Und es wurde nicht wirklich besser. Einzig eine Austellung des Deutschen Anselm Kiefer beeindruckte mich. Das war zumindest von meinem zugegeben beschränkten Horizont wirkliche Kunst.
Wenigstens ein Lichtblick. Das und der fantastische Bau des Museums überzeugten mich dann doch noch davon, das Ganze nicht als kompletten Stuhlgang zu bewerten und ich ließ es sein, aus Rache in die zweitweise unbewachte Garderobe zu pinkeln. Ich zog es kurzzeitig ernsthaft in Erwägung!
Das war meine Letzte Erfahrung in Bilbao, ich schwang mich in mein Bat-Mobil und visierte wieder das Frankenland an, genauer gesagt, die Atlantikküste.>br> Doch zunächst musste ich nochmals die schier endlos lange Bergstrasse zurückdüsen, was aber wiederum absolut sehenswert war. Jetzt sah ich die Landschaft quasi von der anderen Seite. Doch auch die grünen Berge des spanischen Baskenlandes nahmen irgendwann ein Ende und die Grenze war in Sicht. Hier hatte ich dann das erste Mal mit der Staatsmacht bzw. mit der Grenzpolizei zu tun.Spontan fiel mir ein kesser ETA-Spruch ein, der die Zöllner etwas verarschen sollte. Ich bin mir sicher, Klaus-Dieter wäre vor Lachen von der Windschutzscheibe geploppt, aber als ich die Herrschaften in Uniform dann sah, verkniff ich mir jeglichen Schabernack. Ganze 6 Beamten umringten mein Auto, zwei davon mit Maschinen-Pistolen!!
Ein weiterer hatte einen ca. 2m langen Stahlträger in der Hand, der im Querschnitt dreikantig war. Zunächst konnte ich mir keinen Reim darauf machen, wofür der hätte sein können, aber dann wurde mir klar, dass das Teil vor einem fliehendes Auto geworfen wird. Kurz gesagt, jeglicher Anflug von Witzeleien war hier fehl am Platz denn diese humorlosen Burschen verstanden sicher weniger Spass als die ETA selbst. Einer der Grenzer schob seinen riesigen Kopf durch mein Fenster. Als er das Chaos und den ganzen Müll sah, der sich bei so einer Tour nunmal ansammelt, durfte ich auch gleich mal aussteigen. Ein Glück sprach der Leiter dieser "Operation" ganz gut Englisch, also konnte ich die Unmengen von Fragen ganz gut verstehen.
Wo kommen sie her?
Wie lange waren sie in Bilbao?
Kennen sie dort jemanden?
Hat sie dort irgend jemand angesprochen?
Wo wollen sie hin?
Wollen sie nochmal nach Bilbao kommen?
Warum reisen sie alleine?
Was arbeiten sie?
Das sind nur einige Fragen, die aber tatsächlich alle gestellt wurden. Nun, erstens hatte ich ja nix zu verbergen und zweitens lass ich mich von sowas schon lange nicht mehr einschüchtern und da ich anscheinend alle Fragen zu deren Zufriedenheit beantworten konnte, durfte ich dann nach guten zwanzig Minuten auch weiter fahren, denn auch eine sporadische Untersuchung des Autos liess keinen weiteren Terror-Verdacht aufkommen. Im Endeffekt halb so wild, aber man sieht, dass die ETA doch noch einige Schatten auf dieses Land wirft.
So, das wars erstmal wieder von dieser Episode, die nächste wird nicht so lange auf sich warten lassen wie diese!

Montag, 23. Februar 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 5: NEULICH BEI DARTY NARBONNE ...
ODER...LOST IN TRANSLATION

Wer meinen Reisebericht bisher verfolgt hat (ich weiß schon sicher von zweien, denn M.aus E. ist dazu gekommen), der weiß, daß jetzt der Sonderbericht an der Reihe ist, eben der, der den chaotischen Kauf meines neuen Navigations-Systems kommentiert. Zunnächst einmal hatte ich durchaus Glück, diesen Markt ohne jegliche Wegbeschreibung überhaupt zu finden. Doch ich hatte Erfolg, aber schon beim Eintreten in dieses Geschäft hatte ich den Eindruck, daß die Kompetenz hier nicht überdurchschnittlich hoch gestapelt sein würde.
Egal, ich wusste ja, was ich wollte. Ein TomTom musste her, da kann man eigentlich nicht viel falsch machen ...oder doch?
In dem Laden war nicht viel los, einige Personen verloren sich in den Gängen, die eigentliche "Kundenaktivität" ging von einer handvoll Kids aus, die allesamt von wahrscheinlich nordafrikanischer Herkunft waren. Ich hab nix gegen die, um Gottes willen, aber selbst ein toleranter Mensch wie ich weiß, daß die im Rudel ganz schön nerven können.
Jedenfalls schlichen diese Jungs andauernd um die Handys herum, die natürlich allesamt an Sicherungskabeln hingen. Anscheinend waren die Kontakte dieser Kabel höchst sensibel, denn man musste ein Handy nur berühren, schon ging ein nervtötender Alarm los, ein wirklich lautes "BIP-BIP-BIP-BIP-BIP-BIP".
In der Zeit als ich in diesem Markt war, konnte ich die Abläufe genaustens studieren, denn ich musste erstmal eine Weile warten, bis sich jemand meiner annahm.
Dabei erfuhr ich, daß man zur Abschaltung des Alarms eine Art Schlüssel benötigt, aber irgendwie nur ein gewisser "Maurice" weiß, wer diesen Schlüssel hat!?! Ihr habt schon richtig verstanden, "Maurice" HAT den Schlüssel nicht selbst, er weiß lediglich und anscheinend immer, wer ihn gerade hat.
Auch ich versteh es bis heute nicht...
JEDESMAL, wenn dieser Alarm losging, passierte das gleiche: die 7-8 Mini-Marokkaner flitzen voll diebischer Freude in die verschiedenen Gänge weg und irgendein Darty-Mitarbeiter rief:
"Oooh Maurice, qui a les clés?!", auf deutsch: "Oooh Maurice, wer hat denn die Schlüssel?!"
Ich weiß ehrlich nicht mehr, wie oft das passiert ist, aber es war geradezu lächerlich oft, und es reizte meine Nerven bis aufs Blut!
Irgendwann kam ich dran, ein Mitarbeiter war frei, als er mich sah, wollte er sich zwar erst hinter den Kaffee-Maschinen verstecken und beschäftigt schauen, aber das zog bei mir nicht.
Natürlich hatte ich die größte Null des Ladens erwischt, ein schwammiger XL-Typ in einem M-Hemd, dessen Knöpfe gerade noch in der Lage waren, die beiden Hemdhälften zusammen zuhalten, aber demnächst wahrscheinlich durch die Luft schiessen würden. Dem Typ stand die Unwissehnheit ins Gesicht geschrieben und er hatte übelste Mundfäule!
Auf seinem Hemd war ein Namens-Schild: Jean-Luc (wie auch sonst!)
Natürlich sprach Jean-Luc kein Wort Englisch, geschweige denn deutsch. Und wäre das alles nicht schon Strafe genug, hatte er einen mega-üblen Sprachfehler. Man hätte glatt meinen können, er habe seinen Zähne mal aus Versehen mit Sekundenkleber geputzt. Also allesamt Vorraussetzungen für ein erfolgreiches Verkaufs-Gespräch!
Natürlich habe ich folgenden Dialog komplett übersetzt:
ICH: Guten Tag
JEAN-LUC: (versteckt sich noch hinter den Kaffee-Maschinen) Guten Tag
ICH: Sprechen sie vielleicht deutsch?
JEAN-LUC: Nein leider nicht
ICH: Vielleicht englisch?
JEAN-LUC: Nein das auch nicht (er freut sich schon, daß er mich vielleicht an einen Kollegen abdrücken kann)
ICH: OK, dann versuche ich es in französisch
JEAN-LUC: (enttäuscht) OK
ICH: Ich will dieses Navigations-Gerät (ich hatte ja genügend Zeit um mir eines auszusuchen)
JEAN-LUC: OK, ich hol es ihnen aus dem Schrank
ICH: Was ist der Untschied zu dem nächstgrößeren TomTom?
JEAN-LUC: (wird nervös) Das muss ich erst genau nachlesen (er wälzt die Gebrauchsanweisung des größeren Geräts)
"BIP-BIP-BIP-BIP-BIP"
"Oooh Maurice, wer hat denn die Schlüssel!?"
ICH: Was ist denn nun der Unterschied
JEAN-LUC: (erleichtert) Ah ich habe es gefunden, bei dem größeren sind noch die Karten von Albanien und dem Kosovo dabei!
ICH: ????????
ICH: Sind sie sicher? Das wäre ja sehr seltsam...
JEAN-LUC: (wird bewusst, daß er wahrscheinlich grad totalen Mist gelabert hat) Moment ...
ICH: Kann es nicht sein, daß bei diesen beiden Geräten tatsächlich nur die Größe des Displays verschieden ist?
JEAN-LUC: Ah, ok, ja, genau, der Unterschied ist nur die Größe des Displays, sonst ist alles gleich
ICH: OK, dann hätte ich gerne das kleinere
JEAN-LUC: OK, das ist aber das letzte, ich muss es bestellen, es kommt in ca. 2 Wochen
ICH: ?????? Wie bitte, ich bin nur auf der Durchreise....
"BIP-BIP-BIP-BIP-BIP"
"Oooh Maurice, wer hat denn die Schlüssel!?"
JEAN-LUC: Können sie es in zwei Wochen nicht abholen?
ICH: wie gesagt, ich bin auf der DURCHREISE, ich komme aus Deutschland
JEAN-LUC: Oh wie schön
ICH: Ja, nicht wahr....
JEAN-LUC: Sie können das Gerät auch im Darty Strasbourg abholen
ICH: Das fehlte mir noch
JEAN-LUC: das wäre keine Problem
ICH: doch für mich schon, ich brauche es ja jetzt, nicht in zwei Wochen, wenn ich zu Hause bin
ICH: warum können sie mir nicht dieses letzte Gerät verkaufen?
JEAN-LUC: das darf ich nicht
ICH: warum denn das?
JEAN-LUC: das hat mein Chef gesagt, aber ich kann ihn nochmal fragen
ICH: das wäre gut
JEAN-LUC: (telefoniert kurz)Es geht klar, sie können das Gerät haben, es ist aber ein Messe-Gerät und wurde ausgestellt, ist aber alles top in Ordung
ICH: OK, dann nehme ich es
JEAN-LUC: Wunderbar, dann mache ich alles fertig
"BIP-BIP-BIP-BIP-BIP"
"Oooh Maurice, wer hat denn die Schlüssel!?"
Ich bezahle das Teil und verlasse den Laden etwas genervt aber froh, jetzt endlich ein gutes Gerät zu haben.
In der Packung dann die erste Ernüchterung: Die Anleitung ist nur auf Russisch und Griechisch vorhanden.
Ich schliesse es an und es erscheint "TomTom", das wars dann auch schon, es passiert weiter nichts, ich ziehe den Stecker, doch
der Start-Bildschirm ist eingefroren. Also packe ich alles zusammen und gehe wieder rein
ICH: Das Teil ist kaputt und es ist keine vollständige Gebrauchsanweisung dabei, nur russisch und griechisch.
JEAN-LUC: Das kann nicht sein
ICH: Doch das ist so
JEAN-LUC: Das mit der Gebrauchsanweisung ist bei TomTom Geräten immer so.
ICH: Wollen sie mich verarschen? Eben haben sie die des anderen Geräts doch auch auf französisch gelesen!!
JEAN-LUC: Oh ..ja richtig
ICH: und warum hängt das Display?
JEAN-LUC: Sie müssen das Gerät erst aufladen
ICH: (werde etwas ungehaltener) Mit Sicherheit nicht, es hatte ja Strom
Er nimmt das Gerät in seine feuchten Hände und versucht mit seinem Kuli einen Reset-Knopf zu finden
ICH: Ich glaube nicht, daß das Ding einen Reset Knopf hat
JEAN-LUC: Doch, das haben die immer
Er sticht in sämtliche Buchsen und alles, was nur annähernd wie eine Öffnung aussieht ohne wirklich zu wissen, was er da macht Ich schaue ihm besorgt zu, es ist ja schließlich mein TomTom.
Er rammt die Kuli-Mine mehrmals so tief ins Gerät, daß es laut knackt und die Plastik-Hülle bricht.
ICH: Das hört sich aber nicht nach einem Reset-Knopf an
JEAN-LUC: (knallrot)Das Gerät hat gar keinen Reset-Knopf...
ICH: Und jetzt?
JEAN-LUC: Mein Kollege schliesst das Gerät am Computer an, um zu sehen, was los ist
ICH: Um Gottes willen ... bitte nicht
JEAN-LUC: Wir müssen ein Update machen
ICH: Aber sie haben es doch grad kaputt gemacht
JEAN-LUC: Nein...
ICH: Doch!
JEAN-LUC: Ich wollte nur den Reset-Knopf drücken
ICH: Ja, aber wie wir ja jetzt wissen, hatte es diesen Reset-Knopf gar nicht
JEAN-LUC: (ihm wird es langsam mulmig) Mein Kollege macht ein Update, da kommt er grad ...
Das ist jetzt kein Witz, sein Kollege kommt aus einem Kabuff, ein schlechtgelaunter Franzose in einem Werkstatt-Kittel, ich glaube er hieß Louis.
Ich habe noch nie einen so übel schielenden Menschen gesehen !! Der konnte glatt um die Ecke schauen... ich merkte nichtmal, daß er mich bzw. das TomTom schon im Visier hatte.
LOUIS: Geben sie mir das Gerät
ICH: Ich will dieses Navi nicht mehr...
JEAN-LUC: Oh ...
ICH: Was "Oh"
Louis verschwindet noch schlechter gelaunt als vorher wieder in seinem Kabuff
JEAN-LUC: Das wird etwas kompliziert, weil sie mit der Kredit-Karte bezahlt haben
ICH: Ja und jetzt?
JEAN-LUC: Das kann nur die Bank stornieren
"BIP-BIP-BIP-BIP-BIP"
"Oooh Maurice, wer hat denn die Schlüssel!?"
ICH: Wo gibts denn sowas?
JEAN-LUC: In Narbonne
ICH: Aber es ist Freitag und schon nach sechs, hat denn da noch ne Bank offen?
JEAN-LUC: Nein
ICH: Das wird mir jetzt zu dumm, kann ich einfach den Aufpreis zahlen und das größere Gerät nehmen?
JEAN-LUC:(streift sich den Angstschweiss von der Stirn) Ja das können wir machen, das ist dann auch wirklich neu
ICH: (erleichtert) dann machen wir das
Jean-Luc holt das neue Navi und geht mit mir zusammen zum "Finanz-Büro", wo er vergeblich versucht, der Dame dort zu erklären, um was es geht. Die Dame hat leider kein Namesschild, deshalb heißt sie hier einfach nur "Kassen-Dame"
Sie tippt was in ihren Computer und genau das, was ich befürchtet habe, trifft ein.
Der Betrag den ich zahlen soll, ist nicht die Differenz sondern der gesamte Betrag des größeren Navis.
ICH: Das kann nicht sein, ich muss nur noch 50 Euro drauf zahlen
KASSEN-DAME: Aber es kostet doch 150 !?
JEAN-LUC: Das hab ich dir doch erklärt, das andere ist kaputt
KASSEN-DAME: Was war denn damit?
JEAN-LUC: Die Plastik-Hülle ist gebrochen
KASSEN-DAME: Wie ist das passiert?
JEAN-LUC: Ein Fabrikations-Fehler ...
"BIP-BIP-BIP-BIP-BIP"
"Oooh Maurice, wer hat denn die Schlüssel!?"
ICH: Ich nehme jetzt das nächstgrößere Gerät und muss nur noch die Differenz bezahlen
KASSEN-DAME: ( ist erleichtert, daß sie es endlich kapiert hat und tippt den neuen Betrag ein) also 100 Euro!
JEAN-LUC: Nein!
ICH: NEIN!!!
JEAN-LUC: Das kaputte kostet 100 und ist schon bezahlt, das, welches er nimmt kostet 150, also muss er noch 50 zahlen.
ICH: Also, ich muss noch 50 zahlen !!!
KASSEN-DAME: Wie soll ich das buchen? (kuckt mich und Jean-Luc ratlos an)
JEAN-LUC: Na als Aufpreis
ICH: Als was denn sonst !?!
KASSEN-DAME: (telefoniert 5 Minuten mit einer Kollegin) Ah, ok, ich buche es einfach als Aufpreis
Ich bezahle, obwohl ich mir nicht ganz sicher bin, wieviel jetzt genau abgebucht wurden. Doch ich nehme mein nigelnagelneues TomTom und verabschiede mich. Beim rausgehen, werde ich immer schneller, Hauptsache nur weg von diesem Horror-Laden. Wie sich später herausstellte, haben die letztenendes aber alles richtig gemacht und es wurde mir der korrekte Betrag abgebucht. Als ich das Navi dann anschloss, und es auf Anhieb perfekt funktionierte und mich mit seiner Informations-Vielfalt verblüffte, vergaß ich schnell meinen Groll gegen Jean-Luc uns seine Bande. Am Ende des Tages war alles gut und mein neuer Freund sollte Klaus-Dieter heißen!

Freitag, 20. Februar 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 4: VON NARBONNE BIS SAINTES-MARIES-DE-LA-MER

Ich war also noch in NARBONNE, hatte meine Schienbeinzerfleisch-Action überlebt und trotzdem eine geile Wanderung hinter mich gebracht. Es war noch genügend Zeit um nach CARCASSONNE zu fahren, einem kleinen Örtchen ca.60 km von der Küste entfernt und bekannt für seine riesige und nahezu perfekt erhaltene Altstadt-Ruine aus dem Mittelalter. Ein Geheimtip meines Frankreich-Korrespondenten Holger G.aus D.an der M.
Allein die Strecke dorthin war wieder spektakulär, die Landschaft erinnerte an eine südländische Version der schottischen Highlands. In CARCASSONNE angekommen war diese erhöhte Altstadt, die schon etwas beleuchtet war, von beinahe überall zu sehen. Ich kletterte auf einen Sendemast, um dieses schöne Bild zu machen ;-)
Sah schon imposant aus, doch als ich auf die Anhöhe fuhr, um mir die paar "Ritter-Baracken" anzuschauen, war ich dann auch ganz schnell wieder abgetörnt. Da standen zig Reisebusse mit Horden wild umher marodierender Rentner. Und parken kostete dann auch gleich mal 5 Mäuse. Ich begnügte mich mit der Ansicht von außen und düsste wieder richtig NARBONNE.
Und auf dieser Strecke passierte es dann, mein Navi gab den Geist auf. Dieses uralte Ding, welches mich zwar noch immer dahin brachte, wohin ich wollte, welches aber schon ewig herumzickte und länger auf ein Signal wartete, wie die Indianer damals beim Rauchzeichen-Smalltalk. Für den Moment war das nicht schlimm, der Weg zurück war einfach, aber für meine weitere Reise war es sozusagen lebenswichtig, wieder ein funktionierendes Gerät zu haben, womit ich natürlich ein Navi meine!
Also kurz Orakel Grimm kontaktiert und in Erfahrung gebracht, wo zur Hölle man denn in Frankreich Elektronik kauft. Darty war die Antwort. Und ich schaffte es tatsächlich auch ohne Navigation einen solchen Darty-Markt zu finden. Der Kauf dieses neuen Gerätes basierte auf einer Unterhaltung, die allein schon einen Blog wert ist. Also wird diese in einer (Sonder)Episode niedergeschrieben und zwar gleich nach dieser!
Das neue Navi, ein TomTom für 150 Mäuse, erfüllte mein Herz mit purer Freude. Nicht nur, daß ich mich über die bloße Tatsache freute, daß das Gerät auf Anhieb und einwandfrei funktionierte, nein, es war einfach ein modernes und gut durchdachtes Teil, welches einem eine Fülle von guten Informationen zukommen lässt. Es war sozusagen ein wirklicher Ratgeber und Wegbegleiter, und da man nach so einer realtiv langen Solo-Reise wegen des Mangels an Konversation auch mal etwas wunderlicher werden kann, gab ich meinem neuen Freund sogar einen Namen: KLAUS-DIETER !!!
Ja ... genau... wie die ratgebende und an der Wand des Bauwagens von Peter Lustig hängende Okulele mit Augen!!!
Die älteren Semester werden sich erinnern ...
Von da an hatte ich einen treuen und gesprächigen Begleiter, der mich (fast) immer sicher und komfortabel an meine Ziele bringen sollte. Meinem alten Navi gewährte ich den Heldentod und liess es auffahren nach Walhalla, will heissen: ich trat es klein und warf es in einen Container voller Elektro-Schrott!
Jetzt konnte ich meine eigentliche Strecke antreten, mittlerweile war es aber schon früher Abend und mir war klar, daß ich den ganzen Weg nach SAINTES-MARIES-DE-LA-MER (SMDLM) nicht mehr schaffen konnte bzw. wollte. Ich hätte es schon geschafft, wollte aber die Reise durch die wunderschöne CAMARGUE natürlich lieber bei Tageslicht zurücklegen. War natürlich alles etwas unglücklich, weil ich wieder die Route über SÉTE fahren musste, die ich ja kurz zuvor erst hergekommen war. Aber schliesslich war ich auf einem Roadtrip! Während der Fahrt verzückte mich Klaus-Dieter mit seinen Features, beispielsweise warnte er mich tatsächlich vor Blitzern, ein Service, von dem ich bei meinem alten Gerät nicht mal zu träumen gewagt hätte. Ein toller Typ!
Mein Nachtquartier fand ich in SÉTE, was ganz geschickt war, denn so konnte ich mir am nächsten Morgen noch ein zwei Stünchen die Stadt anschauen, bevor ich dann nach SMDLM fahren würde. Nachdem ich beim letzten Mal auch grad nur ne Stunde für die Stadt investierte, lohnte es sich durchaus, diese nochmals zu erkunden. Dann ging es aber endlich los, durch die wilden Salzwiesen und das riesige Rhone-Delta, durch die wirklich und wahrhaftig wundervolle CAMARGUE!
Auf dem Weg dorthin sah man Massen von den für die CAMARGUE typischen Pferden, die meisten allerdings auf Koppeln, aber einmal, ganz weit weg, meinte ich tatsächlich einige freilaufende gesehen zu haben. Diese wurden mit dem Tele natürlich sofort abgeknipst und ich will bis heute glauben, daß sie wirklich wild waren. In SMDLM fand ich dann eine Stadt, die schon auch durch Tourismus geprägt war, aber auf eine sehr unaufdringliche Weise. Der kleine Wallfahrtsort hat sich sehr viel Ursprünglichkeit erhalten, gerade wenn man durch die engen und verwinkelten Gassen lief, die aber durch die weißen Häuser nie dunkel wirkten. In die Kirche mit den Marien-Statuen ging ich natürlich auch. Ich glaub normal kostet das nen Obolus, aber es war niemand da also schlich ich mich raubkatzenartig hinein und knipste ein paar Bilder. Doch wenn man mal kurz inne hielt, dann hatte diese Kirche schon eine sehr einnehmende Wirkung, man konnte die Besonderheit dieses Ortes förmlich spüren. Ein paar Schritte hinter der Kirche, direkt am Meer, gab es dann noch tatsächlich eine recht große Stierkampfarena zu sehen. Auch hier war alles in mediteranem weiß gehalten. Rein kam man aber nicht, war alles abgeriegelt, aber ich finde Stierkampf eh scheisse, also war mir das schnuppe.
Vielmehr wollte ich noch dem schönen Strand einen Besuch abstatten. Dort machte ich dann ein Selbstbild, welches nicht nur die Stimmung des Momentes einfing, sondern auch sozusagen das bildgewordene Credo meiner Reise war:
Fernweh-Ruhe-Einsamkeit!
Was auf dem Foto nicht zu sehen ist: es war ein totaler Sturm, Mörder-Böen sorgten dafür, daß mein Gesicht regelrecht sandgestrahlt wurde. Aber das konnte die Stimmung dieses Moments keinefalls schmälern.
Dann hieß es aber auch schon bald: Au revoir CAMARGUE und Ola Baskenland. Dazwischen lag aber natürlich noch das ein oder andere Kilometerchen. Zunächst fuhr ich unter anderem nochmals an NIMES vorbei, und da ich noch kein Mitbringsel für mein Mädel hatte, stoppte ich da nochmal kurz durch und sah mir jetzt die eigentlich Innenstadt an, die auch nicht von schlechten Eltern ist. Natürlich sind Einkaufsstrassen und Fussgängerzonen weitestgehend austauschbar und zeigen nur selten, was eine Stadt wirklich zu bieten hat, aber ab und an kann man ja auch mal wieder etwas dem Kommerz fröhnen. Doch an dieser Stelle fällt erstmal wieder der Vorhang, denn dieser Akt ist damit zu Ende.
Weiter geht es demnächst ... in diesem Theater!

Dienstag, 17. Februar 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 3: VON NIMES BIS NARBONNE

Ich verließ NIMES also klatschnass nachdem ich ja in der Arena sozusagen ein Vollwaschprogramm bekam. Doch ich stellte meine Heizung mal kurz auf "Blitzkrieg", was mir dann nicht nur die Kleidung trocknete, sondern mich auch einen Großteil meiner Tränenflüssigkeit kostete. Aber ich hatte ja nicht vor, in nächster Zeit wegen irgendwas zu heulen, also war das dann auch kein Problem.
Mein Weg führte mich vorbei an MONTPELLIER, was ja ein tolle Stadt sein soll, aber irgendwie hatte ich kein Bock auf son Großstadt-Amok, ich wollte vielmehr endlich das Meer sehen und entlang der Küste sozusagen in den "Sonnenuntergang reiten". Auf der Strecke kam ich in dem Hafenstädtchen SÉTE vorbei. Offengestanden hatte ich vorher noch nie von diesem Schmuckstückchen gehört. Es entpuppte sich als wirkliches Highlight, sodaß ich da spontan einen Zwischenstopp einlegte. Das Stadtbild ist geprägt von mediteranen Einflüssen, überall wachsen Palmen und es gibt ein sehr großes Kanalsystem, in denen tausende bunter Boote liegen. Einfach nur malerisch, oder wie wir Franzosen sagen: tres pittoresque!
Da ich aber noch ein Stück Weg vor mir hatte und auch endlich den Strand riechen wollte, fuhr ich erstmal weiter, entlang der Küstenlinie bis ich eine geeignete Stelle fand, um endlich den Sand unter meinen Füssen zu spüren.
Das Wetter war wunderbar, sonnig, ca.12-13 Grad und eine erfischende Meeresbrise!
Zu Hause gab es zu dem Zeitpunkt grad ein Schneechaos; ergo: alles richtig gemacht!?!
Hier der erste Strandgang, im Hintergrund liegt SÈTE:
Und nochmal Strandstimmung deLuxe:
Nachdem ich mir ne gehörige Dosis salziger Seeluft eingesaugt hatte und das immer wieder wundervolle Meer nicht nur meinen Augen sondern auch mein Herz erreicht hatte, zog es mich weiter, denn schließlich sollte mich bei meinem eigentlichen Tagesziel ja auch eine atemberaubende Küstenlandschaft erwarten. Die kleine Landstrasse verlief immer entlang des Meers, vorbei an AGDE, einigen vielleicht bekannt durch den Badeort CAPE D'AGDE.
Vor über 20 Jahren war ich mit einigen Kumpels schonmal in NARBONNE. Ich behaupte mal was Städte und Orte angeht, ein recht gutes Gedächtnis zu haben. Deshalb staunte ich nicht schlecht, als ich endlich in NARBONNE ankam. Diesen Ort hatte ich noch niemals gesehen. NARBONNE ist ein kleines und schönes Städtchen, aber den meisten Leuten, die schonmal in dieser Gegend waren, wird hauptsächlich der ca.15 km entfernte Badeort NARBONNE PLAGE bekannt sein. Ein Ort mit weitaus weniger Flair als dem "richtigen" NARBONNE, weil einzig und allein auf Tourismus ausgelegt.
Vielleicht konnte ich meine Erinnerungen ja dort etwas auffrischen. Also fuhr ich nach einer ausgedehnten Stadtrundfahrt von NARBONNE in die Touristen-Filiale am Meer. Dorthin führt eine kurvige Strasse durch wunderschöne Felsenlandschaften. Entlang des Küstenstreifens von NARBONNE gibt es überall riesige Klippen und Felsen, allein das ist schon die Reise dahin wert.
Jedoch selbst bei der Durchfahrt durch NARBONNE PLAGE kam mir nicht das kleinste Eckchen bekannt vor. Entweder war ich damals stoned vom Passiv-Kiffen meiner Kumpels und deswegen war meine Auffassungsgabe getrübt, oder, und das wurde immer wahrscheinlicher, war ich damals an einem völlig anderen Ort. Da muss ich vielleicht mal etwas tiefer buddeln ...
Aber alles schnurz, es war wunderschön dort. Allerdings musste ich langsam zurück in die Stadt, mir was zu Essen schiessen und auch nen Pennplatz suchen.Letzteres übernahm wieder der bewährte Ibis-Finder. Am nächsten Tag wollte ich mir NARBONNE noch etwas näher anschauen und dann gegen mittag nochmal ans Meer und auf eine dieser Klippen klettern.
Idealerweise war morgens in der Altstadt NARBONNEs ein großer Markt, das kann nie schaden.Doch auch der Rest kann sich sehen lassen.Kleine romantische Gassen, historische Gebäude, eben genauso wie man sich Südfrankreich vorstellt. Als ich dann wieder Richtung Küste fuhr, suchte ich mir einen geeigneten Einstieg, um auf eine dieser Klippen zu kommen. Rucksack und Wanderschuhe waren am Mann, also: Berg heil!
Doch das entpuppte sich als weitaus schwieriger als gedacht. Nicht das es zu weit oder zu steil gewesen wäre. Nein, ich lief auf einem zunächst guten Schotterweg, doch je höher ich kam, desto schmaler und zugewachsener wurde dieser. Bis am Ende nur noch maximal 30 cm Wegbreite frei waren ... wenn überhaupt. Auch das ist normalerweise kein Problem. Das Problem war die kniehohe Vegitation, die es sich anscheinend zum Ziel gemacht hatte, ihren Berg zu beschützen. Wozu sonst hätten sich die Büsche mit tausenden rasiermesserscharfer Stacheln bewaffnen sollen. Da kam so ein dämlicher Tourist mit seinen Vorstadt-Waden gerade recht. Was für einen einheimischen Küsten-Grizzley eher ein Kitzeln darstellt, zerfetzte wir alles, was meine Knochen bedeckte... wirklich alles. Es war so, als würde man ein Fussbad in einem Aquarium nehmen, welches voller empörter Stachelrochen ist, die von der Anwesenheit solch unappetitlicher Körperteile überhaupt nicht begeistert sind.
Dummerweise war ich trotz der Zerheckselung meiner Unterschenkel noch weiter gegangen, als ich es gesollt hätte. Jedenfalls konnte ich den Rückweg vor lauter Stachelbüschen teilweise nur noch schwer bis gar nicht mehr finden.
Das muss ein Bild für Götter gewesen sein, ich hüpfte durch die Pampa und sah wahrscheinlich aus, wie Michael Flately, der über ein Fussball-Feld voller bisswütiger Cobras tänzelt. Als ich endlich aus dem schlimmsten raus war, versuchte ich noch zwei andere Wege, aber mit dem gleichen Ergebnis. Entgegen der Meinung, die viele über mich haben, ging ich natürlich nicht mehr soweit wie vorher, sondern brach ab, als ich die ersten Stacheln in der Sonne blitzen sah.
Also ging ich zurück und versuchte mein Glück mit dem Auto. Ich war mir sicher, dass man irgendwie auf eine dieser Klippen kommt. Nach einer halben Ewigkeit und Wegen, die bei einer Enduro-Wertung sicher als "anspruchsvoll" gegolten hätten, kam ich auf eine der Klippen, wenn auch nicht auf die, welche ich ursprünglich im Auge hatte.
Von dort oben hatte man einen Wahnsinnsblick aufs Meer hinaus.
Hier die Klippe, auf die ich eigentlich wollte (ich kann die Dornen von hier sehen!)
Und hier der Blick, kommt auf dem Foto leider net so gut raus, wie es wirklich war.
Bevor es jetzt zu lange wird, mach ich hier mal nen Cut, denn ich hab noch viel zu erzählen... hoffentlich interessiert es jemanden (ausser dir A.S.aus D. ;-)

Dienstag, 10. Februar 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 2: VON ZU HAUSE BIS NIMES

Dienstag morgen sollte es los gehen. Alles, was ich nur annähernd hätte gebrauchen können, schmiss ich in die Karre. Genügend Proviant war auch am Start, und natürlich das wichtigste: mein mit Musik bis zum Bersten voll geladener iPod war bereit, bereit mir aus seinem Repertoire von 1000 Scheiben immer genau das passende zur jeweilgen Reise-Situation bereit zu stellen.
Allzu früh wollte ich natürlich nicht losfahren, denn in den nächsten Tagen sollte so wenig Zeitplanung wie nötig und so viel Spontanität als möglich auf dem Programm stehen. Eben einfach mal weg und schauen, was alles passiert. Das und meine drei "Kernziele" (Camargue-Bilbao-Gascogne) waren die gesamte Planung.
Die erste Zwischenetappe war dann aber erstmal völlig unromatisch und rein kommerzieller Natur. Da ich zunächst deutschseitig bis Basel fahren wollte und erst dort vorhatte, nach Frankreich reinzustechen, stellte das Carharrt-Outlet in Weil am Rhein natürlich einen Pflichbesuch dar. Dort noch schnell 'n paar Hosen und Jacken eingetütet, und dann ging die Luzie auch schon los.
Destination: Südfrankreich, genauer gesagt SAINTES-MARIES-DE-LA-MER, einem der südlichsten Orte der Camargue und (wie ich dann auch erfuhr) bekannter Walfahrts-Ort. Da ich erst gegen 12 Uhr in Weil loskam, nahm ich nicht an, die ganze Strecke zu schaffen, aber das war ja auch Wurscht, ich würde soweit kommen, wie ich Bock drauf hätte.
Ursprünglich wollte ich die Strecke ja hauptsächlich über mautfreie Landstrassen zurücklegen, aber mein überaus schlauer und weltgewandter Freund Holger wieß mich daraufhin, dass mich diese Route ja durch die Nordalpen führt und im Winter da durchaus mal die ein oder andere Passstrasse sozusagen witterungsbedingt "unpässlich" sein könnte. DAS wäre mir dann doch etwas zu spontan gewesen, denn eine Übernachtung im Iglu, weil meine Karre im Schnee feststeckt, hätte mein Riesefieber mit Sicherheit ziemlich runtergekühlt. Zudem natürlich die Fahrt auf Landstrassen je nach Gebiet gut und gern dreimal solange dauert, wie auf den sehr komfortablen Autobahnen.
Also war ich on the road, und die Strecke, so nüchtern und grau sich die Orte auch anhören, war schonmal ein Highlight. Herrliche Landschaften, romatische Täler, kurvenreiche Gebirgsstrassen, wilde Wälder, aber natürlich auch endlos weite Agrar-Flächen, die immer mal wieder von Schlössern, Klöstern oder alten Bunkeranlagen dekoriert wurden. Und so passierte ich Orte wie MULHOUSE, BELFORT,BESANCON, DOLE oder BOURG-EN-PRESSE. Selbst für mein altersschwaches Navi, welches sicher schon 7-8 Jahre auf dem Buckel hatte und nur noch sporadisch funktionierte, und auch nur dann, wenn es Bock drauf hatte, gab es auf den guten und wenig befahrenen Autobahnen keinerlei Probleme. Doch das sollte sich im Laufe dieser Reise noch auf dramatische Weise ändern.
Der größte Teil der Strecke war bisher perfekt befahrbar, keinerlei Probleme mit Schnee oder Eis. Aber mir war auch in keinster Weise bewusst, dass mich diese Strecke SO durch die Alpen führen würde. Und je höher ich kam, desto weißer wurde alles. Und obwohl die Strassen auch weiterhin frei waren, machten mich Ortsschilder wie "ALBERTVILLE" oder "VAL D'ISERE" schon etwas kribbelig. Schliesslich sind das bekannte Wintersport-Orte, und ich hatte permanet das Gefühl, dass gleich ein völlig orientierungsloser Abfahrtsläufer aus dem Senegal meine Strecke kreuzen würde. Doch das geschah nicht, und langsam führte die Strecke wieder bergab. Die Autobahn führte an GRENOBLE vorbei, der gößten Stadt in dieser Region. Hier erwischte mich auch schon der erste Stau. Ein Baustelle und der Feierabend-Verkehr waren die Gründe dafür. Das Navi meldete sich, dass ich die Autobahn verlassen sollte, was ich auch tat. Obwohl es schon fast dunkel und eher neblig war, entpuppte sich die Stadt entgegen der Prophezeiung meines Frankreich-Orakles Holger als durchaus ansehnlich. Ich sah natürlich nicht sehr viel, aber was hängen blieb war eine schöne Altstadt voller Pubs und Kneipen, und noch viel eindrucksvoller, die riesigen Seilbahnen, die quer über die Stadt auf das Bergmassiv hochführten, in welches die Stadt quasi hinein gebaut wurde.
Überflüssig zu erwähnen, dass mein Navi komplett überfordert war und mir kaum Alternativen anbot, wie ich aus der überfüllten Stadt wieder heraus kommen sollte. Aber ab und an gibt es ja auch noch Strassenschilder, denen man folgen kann. Ich fand wieder in die Spur und hatte bis AVIGNON bzw. NIMES freie Fahrt durch das nächtliche Frankreich.
Etwas hatte ich mich natürlich vorbereitet, schlafen wollte ich hauptsächlich in den sehr günstigen Ibis Budget Hotels, die es in Frankreich wahrlich überall gibt. Dazu hatte ich mir sogar eine sehr nützliche App gezogen, den "Ibis-Finder". Führt man diese App aus, welch Überraschung, zeigte sie einem die nächsten Hotels im Umkreis einiger Kilometer an.
Da es mittlerweile schon fast zehn war und ich ab und zu schon den Kampf mit den Augenlidern fast verloren hätte, entschied ich mich in NIMES zu übernachten. Das soll ja eine schöne Stadt sein und... ja genau ... da war doch noch was: speziell Musik-Fans werden das riesige Colloseum dort kennen, in dem Bands wie Metallica und Rammstein atemberaubende Konzerte aufnahmen. Also sollte das mein erstes Highlight der Reise werden.
Glücklicherweise hatte das Hotel eine Tiefgarage für 10 Mäuse extra die Nacht. Angesichts der dunklen Gestalten, die da so überall aus den Ecken kuckten, war mir da wohler.
Also eingecheckt, kurz den Schritt frisch gemacht und gegen elf Uhr abends noch in die Altstadt spaziert, ich erhoffte mir, dass die Arena vielleicht offen und nachts beleuchtet wäre. Beleuchtet sollte sie sein, aber nur von aussen. Glücklicherweise war die historische Altstadt gerade mal fünf Minuten weg vom Hotel. Die Gegend dort war menschenleer und die Arena war natürlich abgeriegelt, weil, welch Wunder, es selbstverständlich Eintritt kostet, das innere zu sehen. Also ein paar Fotos von aussen geschossen und wieder ins Hotel, die Matratze rief. Da ich in letzter Zeit aber sehr unregelmässig geschlafen hatte, konnte ich ewig nicht einschlafen. Dieser Zustand ist eigentlich nicht allzu schlimm, fügt man aber die Tatsache hinzu, dass ich in dem Zimmer nur SAT1 als deutschen Sender hatte, glich das fast schon einer qualvollen Gehirnwäsche. Selten soviel Müll sehen müssen, aber ich kann halt nur schlecht ohne das beruhigende Säuseln dieses Kastens einschlafen. Beim Frühstücksfernsehen gelang es mir dann wenigstens vier Stunden zu pennen. Am nächsten morgen wollte ich natürlich nochmal zu der Arena, doch was sich schon die ganze Nacht angekündigt hatte, ging morgens gerade so weiter: es schiffte in Strömen!
Auch egal, bin ja net aus Zucker, also ausgecheckt und nochmal los in die Altstadt. NIMES ist voller altertümlicher Bauten aus der Römerzeit, dessen Herzstück, die Arena, war nun endlich geöffnet. Ich staunte nicht schlecht: 11 Euro wollten die Gauner dafür. Na ja, ich drückte an der Kasse etwas auf die Tränendrüse (nass genug war ich eh schon) und sagte dem Typ hinter dem Tresen, dass ich arbeitslos sei. Ich ja irgendwie auch wahr, also zahlte ich nur 7 Euro. Der Typ an der Kasse war übrigens der Paradetyp: schnieke Uniform und nur einen Arm. Eigentlich für so einen Job gänzlich ungeignet, machte er diesen dann doch recht geschickt, als er mir mit seiner verbliebenen Hand und seiner Nase als Hilfe die verschiedenen Info-Broschüren zusammensuchte. Ob der fehlende Arm eine Kriegsverletzung war, oder ob er lediglich eine Kiste Äpfel etwas zuweit in den Häcksler geschoben hatte, werde ich wohl nie erfahren.
Aufgrund des immernoch starken Regens hatte ich die gesamte Arena quasi für mich selbst. Unglaublich, dass hier solche Groß-Events stattinden(fanden), es gibt in dem weiten Rund nur völlig glattgeschliffene Riesenstufen, keinerlei Geländer oder Wellenbrecher, der Gipfel waren die Mauern am oberen Ende. Ich will nicht wissen, wieviele Metalheads noch exzessivem Headbanging vor lauter Schwindel durch die ungesicherten Zinnen gerutscht sind und unten, 50 Meter tiefer aufklatschten. Beim deutschen Sicherheitswahn würden Konzert-Anfragen in dieser Location nur ein arrogantes Behörden-Lächeln hervorrufen und im Gedankenkeim erstickt werden.
Einen Selfie mit Selbstauslöser ließ ich mir natürlich hier nicht nehmen, obwohl ich mittlerweile klatschnass war.
Hier das Bild und zum Vergleich das Cover der Metallica-DVD (zufällig fast aus dem selben Winkel)

Eigentlich wollte ich an diesem Tag noch bis SAINTES-MARIES-DE-LA-MER fahren, da es dort aber auch regnen sollte, improvisierte ich etwas und zog mein eigentlich übernächstes Ziel vor, denn dort schien die pralle Sonne und es hatte 13 liebliche Grad. Also entlang der südfranzösischen Küste Richtung NARBONNE bzw. dem angehängten Badeort NARBONNE PLAGE.
Das wird aber erst in der nächsten Episode erzählt! Wen es interessiert ... STAY TUNED !

Dienstag, 3. Februar 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 1: DIE IDEE

Es begann alles mit einer geilen Doku über Frankreichs Küsten, die vor einigen Monaten auf ARTE ausgestrahlt wurde.
Wer sich auskennt, weiß, dass auf dem Sender echt geiles Zeug läuft und die Bildqualität zu den besten gehört. Jedenfalls zog ich mir diesen Bericht genüsslich rein in welchem es speziell um die Camargue ging, dieses schöne Fleckchen Erde in Südfrankreich, in dem es noch freilebende Pferde gibt, wo riesige Schwemmland-Flächen ein Paradies für Tiere und Pflanzen bilden, wo die Natur noch weitestgehend unberührt ist. Das alles sah ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend bzw. glücklich aufgrund dieser wunderschönen Landschaften, aber gleichzeitig auch traurig und wehmütig ob der Tatsache, diesen Teil Frankreichs wahrscheinlich niemals selbst zu Gesicht zu bekommen. Dieses Gefühl von unerfülltem Fernweh beschleicht mich im übrigen bei fast jedem Film, der irgendwelche traumhaft schönen Gegenden dieser Erde zeigt; und da ist es dann auch egal, ob das karibische Trauminseln, epische Berglandschaften und "nur" die schönen Ecken unseres eigenen Landes sind, deren tatsächliche Schönheit man oft kaum für möglich gehalten hätte.
Aber ich schweife mal wieder ab.
Da mein (speziell berufliches) Leben in den letzten Monaten eine recht unerwartete Wendung nahm und ich wider Willen zu einer großen Menge an frei verfügbarer Zeit kam, war für mich sofort klar, in dieser Zeit irgendwas besonderes zu machen. Etwas, was man sonst so eher nicht machen würde, weil einem der Urlaub zu schade ist oder weil der Partner nicht unbedingt den gleichen Bock auf die Sache hat oder eben etwas, was man einfach alleine machen muss!
Ich bin zwar ein sehr ausgeglichener Mensch und muss mich definitiv nicht selbst finden, aber so eine gewisse Zeit vollkommen alleine ist zumindest in meiner Welt eine ungemein wertvolle Sache, denn, und das haben wir eigentlich alle gemeisam, ist sich am Ende des Tages jeder selbst der nächste.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich plante einen Roadtrip, einfach mal weg, einfach drauf los, wohin es einen auch führt. Ich hatte 10 Tage zur freien Verfügung, mehr ging leider nicht, weil ich ja auch noch andere Verpflichtungen habe, ich bin ja schliesslich kein soziopathischer Höhlenmensch!
Das Hauptziel meiner Reise sollte Frankreich sein, ich hätte natürlich auch nach Skandinavien fahren können, aber da laufe ich im Winter halt Gefahr, dass ein genervter Elch meine Karre ausm Schnee ziehen muss, und das wollen wir natürlich nicht. Und schliesslich wollte ich ja auch die Camargue sehen. Also setzte ich mir drei ungefähren Eckpfeiler, um die herum meine Reise führen sollte:
CAMARGUE - BASKENLAND - GASCOGNE
In den nächsten Tagen werden hier also die verschiedenen Etappen meiner Reise eine Verewigung finden, könnte etwas amüsant werden. Also stay tuned ...