Dienstag, 17. Februar 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 3: VON NIMES BIS NARBONNE

Ich verließ NIMES also klatschnass nachdem ich ja in der Arena sozusagen ein Vollwaschprogramm bekam. Doch ich stellte meine Heizung mal kurz auf "Blitzkrieg", was mir dann nicht nur die Kleidung trocknete, sondern mich auch einen Großteil meiner Tränenflüssigkeit kostete. Aber ich hatte ja nicht vor, in nächster Zeit wegen irgendwas zu heulen, also war das dann auch kein Problem.
Mein Weg führte mich vorbei an MONTPELLIER, was ja ein tolle Stadt sein soll, aber irgendwie hatte ich kein Bock auf son Großstadt-Amok, ich wollte vielmehr endlich das Meer sehen und entlang der Küste sozusagen in den "Sonnenuntergang reiten". Auf der Strecke kam ich in dem Hafenstädtchen SÉTE vorbei. Offengestanden hatte ich vorher noch nie von diesem Schmuckstückchen gehört. Es entpuppte sich als wirkliches Highlight, sodaß ich da spontan einen Zwischenstopp einlegte. Das Stadtbild ist geprägt von mediteranen Einflüssen, überall wachsen Palmen und es gibt ein sehr großes Kanalsystem, in denen tausende bunter Boote liegen. Einfach nur malerisch, oder wie wir Franzosen sagen: tres pittoresque!
Da ich aber noch ein Stück Weg vor mir hatte und auch endlich den Strand riechen wollte, fuhr ich erstmal weiter, entlang der Küstenlinie bis ich eine geeignete Stelle fand, um endlich den Sand unter meinen Füssen zu spüren.
Das Wetter war wunderbar, sonnig, ca.12-13 Grad und eine erfischende Meeresbrise!
Zu Hause gab es zu dem Zeitpunkt grad ein Schneechaos; ergo: alles richtig gemacht!?!
Hier der erste Strandgang, im Hintergrund liegt SÈTE:
Und nochmal Strandstimmung deLuxe:
Nachdem ich mir ne gehörige Dosis salziger Seeluft eingesaugt hatte und das immer wieder wundervolle Meer nicht nur meinen Augen sondern auch mein Herz erreicht hatte, zog es mich weiter, denn schließlich sollte mich bei meinem eigentlichen Tagesziel ja auch eine atemberaubende Küstenlandschaft erwarten. Die kleine Landstrasse verlief immer entlang des Meers, vorbei an AGDE, einigen vielleicht bekannt durch den Badeort CAPE D'AGDE.
Vor über 20 Jahren war ich mit einigen Kumpels schonmal in NARBONNE. Ich behaupte mal was Städte und Orte angeht, ein recht gutes Gedächtnis zu haben. Deshalb staunte ich nicht schlecht, als ich endlich in NARBONNE ankam. Diesen Ort hatte ich noch niemals gesehen. NARBONNE ist ein kleines und schönes Städtchen, aber den meisten Leuten, die schonmal in dieser Gegend waren, wird hauptsächlich der ca.15 km entfernte Badeort NARBONNE PLAGE bekannt sein. Ein Ort mit weitaus weniger Flair als dem "richtigen" NARBONNE, weil einzig und allein auf Tourismus ausgelegt.
Vielleicht konnte ich meine Erinnerungen ja dort etwas auffrischen. Also fuhr ich nach einer ausgedehnten Stadtrundfahrt von NARBONNE in die Touristen-Filiale am Meer. Dorthin führt eine kurvige Strasse durch wunderschöne Felsenlandschaften. Entlang des Küstenstreifens von NARBONNE gibt es überall riesige Klippen und Felsen, allein das ist schon die Reise dahin wert.
Jedoch selbst bei der Durchfahrt durch NARBONNE PLAGE kam mir nicht das kleinste Eckchen bekannt vor. Entweder war ich damals stoned vom Passiv-Kiffen meiner Kumpels und deswegen war meine Auffassungsgabe getrübt, oder, und das wurde immer wahrscheinlicher, war ich damals an einem völlig anderen Ort. Da muss ich vielleicht mal etwas tiefer buddeln ...
Aber alles schnurz, es war wunderschön dort. Allerdings musste ich langsam zurück in die Stadt, mir was zu Essen schiessen und auch nen Pennplatz suchen.Letzteres übernahm wieder der bewährte Ibis-Finder. Am nächsten Tag wollte ich mir NARBONNE noch etwas näher anschauen und dann gegen mittag nochmal ans Meer und auf eine dieser Klippen klettern.
Idealerweise war morgens in der Altstadt NARBONNEs ein großer Markt, das kann nie schaden.Doch auch der Rest kann sich sehen lassen.Kleine romantische Gassen, historische Gebäude, eben genauso wie man sich Südfrankreich vorstellt. Als ich dann wieder Richtung Küste fuhr, suchte ich mir einen geeigneten Einstieg, um auf eine dieser Klippen zu kommen. Rucksack und Wanderschuhe waren am Mann, also: Berg heil!
Doch das entpuppte sich als weitaus schwieriger als gedacht. Nicht das es zu weit oder zu steil gewesen wäre. Nein, ich lief auf einem zunächst guten Schotterweg, doch je höher ich kam, desto schmaler und zugewachsener wurde dieser. Bis am Ende nur noch maximal 30 cm Wegbreite frei waren ... wenn überhaupt. Auch das ist normalerweise kein Problem. Das Problem war die kniehohe Vegitation, die es sich anscheinend zum Ziel gemacht hatte, ihren Berg zu beschützen. Wozu sonst hätten sich die Büsche mit tausenden rasiermesserscharfer Stacheln bewaffnen sollen. Da kam so ein dämlicher Tourist mit seinen Vorstadt-Waden gerade recht. Was für einen einheimischen Küsten-Grizzley eher ein Kitzeln darstellt, zerfetzte wir alles, was meine Knochen bedeckte... wirklich alles. Es war so, als würde man ein Fussbad in einem Aquarium nehmen, welches voller empörter Stachelrochen ist, die von der Anwesenheit solch unappetitlicher Körperteile überhaupt nicht begeistert sind.
Dummerweise war ich trotz der Zerheckselung meiner Unterschenkel noch weiter gegangen, als ich es gesollt hätte. Jedenfalls konnte ich den Rückweg vor lauter Stachelbüschen teilweise nur noch schwer bis gar nicht mehr finden.
Das muss ein Bild für Götter gewesen sein, ich hüpfte durch die Pampa und sah wahrscheinlich aus, wie Michael Flately, der über ein Fussball-Feld voller bisswütiger Cobras tänzelt. Als ich endlich aus dem schlimmsten raus war, versuchte ich noch zwei andere Wege, aber mit dem gleichen Ergebnis. Entgegen der Meinung, die viele über mich haben, ging ich natürlich nicht mehr soweit wie vorher, sondern brach ab, als ich die ersten Stacheln in der Sonne blitzen sah.
Also ging ich zurück und versuchte mein Glück mit dem Auto. Ich war mir sicher, dass man irgendwie auf eine dieser Klippen kommt. Nach einer halben Ewigkeit und Wegen, die bei einer Enduro-Wertung sicher als "anspruchsvoll" gegolten hätten, kam ich auf eine der Klippen, wenn auch nicht auf die, welche ich ursprünglich im Auge hatte.
Von dort oben hatte man einen Wahnsinnsblick aufs Meer hinaus.
Hier die Klippe, auf die ich eigentlich wollte (ich kann die Dornen von hier sehen!)
Und hier der Blick, kommt auf dem Foto leider net so gut raus, wie es wirklich war.
Bevor es jetzt zu lange wird, mach ich hier mal nen Cut, denn ich hab noch viel zu erzählen... hoffentlich interessiert es jemanden (ausser dir A.S.aus D. ;-)

Dienstag, 10. Februar 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 2: VON ZU HAUSE BIS NIMES

Dienstag morgen sollte es los gehen. Alles, was ich nur annähernd hätte gebrauchen können, schmiss ich in die Karre. Genügend Proviant war auch am Start, und natürlich das wichtigste: mein mit Musik bis zum Bersten voll geladener iPod war bereit, bereit mir aus seinem Repertoire von 1000 Scheiben immer genau das passende zur jeweilgen Reise-Situation bereit zu stellen.
Allzu früh wollte ich natürlich nicht losfahren, denn in den nächsten Tagen sollte so wenig Zeitplanung wie nötig und so viel Spontanität als möglich auf dem Programm stehen. Eben einfach mal weg und schauen, was alles passiert. Das und meine drei "Kernziele" (Camargue-Bilbao-Gascogne) waren die gesamte Planung.
Die erste Zwischenetappe war dann aber erstmal völlig unromatisch und rein kommerzieller Natur. Da ich zunächst deutschseitig bis Basel fahren wollte und erst dort vorhatte, nach Frankreich reinzustechen, stellte das Carharrt-Outlet in Weil am Rhein natürlich einen Pflichbesuch dar. Dort noch schnell 'n paar Hosen und Jacken eingetütet, und dann ging die Luzie auch schon los.
Destination: Südfrankreich, genauer gesagt SAINTES-MARIES-DE-LA-MER, einem der südlichsten Orte der Camargue und (wie ich dann auch erfuhr) bekannter Walfahrts-Ort. Da ich erst gegen 12 Uhr in Weil loskam, nahm ich nicht an, die ganze Strecke zu schaffen, aber das war ja auch Wurscht, ich würde soweit kommen, wie ich Bock drauf hätte.
Ursprünglich wollte ich die Strecke ja hauptsächlich über mautfreie Landstrassen zurücklegen, aber mein überaus schlauer und weltgewandter Freund Holger wieß mich daraufhin, dass mich diese Route ja durch die Nordalpen führt und im Winter da durchaus mal die ein oder andere Passstrasse sozusagen witterungsbedingt "unpässlich" sein könnte. DAS wäre mir dann doch etwas zu spontan gewesen, denn eine Übernachtung im Iglu, weil meine Karre im Schnee feststeckt, hätte mein Riesefieber mit Sicherheit ziemlich runtergekühlt. Zudem natürlich die Fahrt auf Landstrassen je nach Gebiet gut und gern dreimal solange dauert, wie auf den sehr komfortablen Autobahnen.
Also war ich on the road, und die Strecke, so nüchtern und grau sich die Orte auch anhören, war schonmal ein Highlight. Herrliche Landschaften, romatische Täler, kurvenreiche Gebirgsstrassen, wilde Wälder, aber natürlich auch endlos weite Agrar-Flächen, die immer mal wieder von Schlössern, Klöstern oder alten Bunkeranlagen dekoriert wurden. Und so passierte ich Orte wie MULHOUSE, BELFORT,BESANCON, DOLE oder BOURG-EN-PRESSE. Selbst für mein altersschwaches Navi, welches sicher schon 7-8 Jahre auf dem Buckel hatte und nur noch sporadisch funktionierte, und auch nur dann, wenn es Bock drauf hatte, gab es auf den guten und wenig befahrenen Autobahnen keinerlei Probleme. Doch das sollte sich im Laufe dieser Reise noch auf dramatische Weise ändern.
Der größte Teil der Strecke war bisher perfekt befahrbar, keinerlei Probleme mit Schnee oder Eis. Aber mir war auch in keinster Weise bewusst, dass mich diese Strecke SO durch die Alpen führen würde. Und je höher ich kam, desto weißer wurde alles. Und obwohl die Strassen auch weiterhin frei waren, machten mich Ortsschilder wie "ALBERTVILLE" oder "VAL D'ISERE" schon etwas kribbelig. Schliesslich sind das bekannte Wintersport-Orte, und ich hatte permanet das Gefühl, dass gleich ein völlig orientierungsloser Abfahrtsläufer aus dem Senegal meine Strecke kreuzen würde. Doch das geschah nicht, und langsam führte die Strecke wieder bergab. Die Autobahn führte an GRENOBLE vorbei, der gößten Stadt in dieser Region. Hier erwischte mich auch schon der erste Stau. Ein Baustelle und der Feierabend-Verkehr waren die Gründe dafür. Das Navi meldete sich, dass ich die Autobahn verlassen sollte, was ich auch tat. Obwohl es schon fast dunkel und eher neblig war, entpuppte sich die Stadt entgegen der Prophezeiung meines Frankreich-Orakles Holger als durchaus ansehnlich. Ich sah natürlich nicht sehr viel, aber was hängen blieb war eine schöne Altstadt voller Pubs und Kneipen, und noch viel eindrucksvoller, die riesigen Seilbahnen, die quer über die Stadt auf das Bergmassiv hochführten, in welches die Stadt quasi hinein gebaut wurde.
Überflüssig zu erwähnen, dass mein Navi komplett überfordert war und mir kaum Alternativen anbot, wie ich aus der überfüllten Stadt wieder heraus kommen sollte. Aber ab und an gibt es ja auch noch Strassenschilder, denen man folgen kann. Ich fand wieder in die Spur und hatte bis AVIGNON bzw. NIMES freie Fahrt durch das nächtliche Frankreich.
Etwas hatte ich mich natürlich vorbereitet, schlafen wollte ich hauptsächlich in den sehr günstigen Ibis Budget Hotels, die es in Frankreich wahrlich überall gibt. Dazu hatte ich mir sogar eine sehr nützliche App gezogen, den "Ibis-Finder". Führt man diese App aus, welch Überraschung, zeigte sie einem die nächsten Hotels im Umkreis einiger Kilometer an.
Da es mittlerweile schon fast zehn war und ich ab und zu schon den Kampf mit den Augenlidern fast verloren hätte, entschied ich mich in NIMES zu übernachten. Das soll ja eine schöne Stadt sein und... ja genau ... da war doch noch was: speziell Musik-Fans werden das riesige Colloseum dort kennen, in dem Bands wie Metallica und Rammstein atemberaubende Konzerte aufnahmen. Also sollte das mein erstes Highlight der Reise werden.
Glücklicherweise hatte das Hotel eine Tiefgarage für 10 Mäuse extra die Nacht. Angesichts der dunklen Gestalten, die da so überall aus den Ecken kuckten, war mir da wohler.
Also eingecheckt, kurz den Schritt frisch gemacht und gegen elf Uhr abends noch in die Altstadt spaziert, ich erhoffte mir, dass die Arena vielleicht offen und nachts beleuchtet wäre. Beleuchtet sollte sie sein, aber nur von aussen. Glücklicherweise war die historische Altstadt gerade mal fünf Minuten weg vom Hotel. Die Gegend dort war menschenleer und die Arena war natürlich abgeriegelt, weil, welch Wunder, es selbstverständlich Eintritt kostet, das innere zu sehen. Also ein paar Fotos von aussen geschossen und wieder ins Hotel, die Matratze rief. Da ich in letzter Zeit aber sehr unregelmässig geschlafen hatte, konnte ich ewig nicht einschlafen. Dieser Zustand ist eigentlich nicht allzu schlimm, fügt man aber die Tatsache hinzu, dass ich in dem Zimmer nur SAT1 als deutschen Sender hatte, glich das fast schon einer qualvollen Gehirnwäsche. Selten soviel Müll sehen müssen, aber ich kann halt nur schlecht ohne das beruhigende Säuseln dieses Kastens einschlafen. Beim Frühstücksfernsehen gelang es mir dann wenigstens vier Stunden zu pennen. Am nächsten morgen wollte ich natürlich nochmal zu der Arena, doch was sich schon die ganze Nacht angekündigt hatte, ging morgens gerade so weiter: es schiffte in Strömen!
Auch egal, bin ja net aus Zucker, also ausgecheckt und nochmal los in die Altstadt. NIMES ist voller altertümlicher Bauten aus der Römerzeit, dessen Herzstück, die Arena, war nun endlich geöffnet. Ich staunte nicht schlecht: 11 Euro wollten die Gauner dafür. Na ja, ich drückte an der Kasse etwas auf die Tränendrüse (nass genug war ich eh schon) und sagte dem Typ hinter dem Tresen, dass ich arbeitslos sei. Ich ja irgendwie auch wahr, also zahlte ich nur 7 Euro. Der Typ an der Kasse war übrigens der Paradetyp: schnieke Uniform und nur einen Arm. Eigentlich für so einen Job gänzlich ungeignet, machte er diesen dann doch recht geschickt, als er mir mit seiner verbliebenen Hand und seiner Nase als Hilfe die verschiedenen Info-Broschüren zusammensuchte. Ob der fehlende Arm eine Kriegsverletzung war, oder ob er lediglich eine Kiste Äpfel etwas zuweit in den Häcksler geschoben hatte, werde ich wohl nie erfahren.
Aufgrund des immernoch starken Regens hatte ich die gesamte Arena quasi für mich selbst. Unglaublich, dass hier solche Groß-Events stattinden(fanden), es gibt in dem weiten Rund nur völlig glattgeschliffene Riesenstufen, keinerlei Geländer oder Wellenbrecher, der Gipfel waren die Mauern am oberen Ende. Ich will nicht wissen, wieviele Metalheads noch exzessivem Headbanging vor lauter Schwindel durch die ungesicherten Zinnen gerutscht sind und unten, 50 Meter tiefer aufklatschten. Beim deutschen Sicherheitswahn würden Konzert-Anfragen in dieser Location nur ein arrogantes Behörden-Lächeln hervorrufen und im Gedankenkeim erstickt werden.
Einen Selfie mit Selbstauslöser ließ ich mir natürlich hier nicht nehmen, obwohl ich mittlerweile klatschnass war.
Hier das Bild und zum Vergleich das Cover der Metallica-DVD (zufällig fast aus dem selben Winkel)

Eigentlich wollte ich an diesem Tag noch bis SAINTES-MARIES-DE-LA-MER fahren, da es dort aber auch regnen sollte, improvisierte ich etwas und zog mein eigentlich übernächstes Ziel vor, denn dort schien die pralle Sonne und es hatte 13 liebliche Grad. Also entlang der südfranzösischen Küste Richtung NARBONNE bzw. dem angehängten Badeort NARBONNE PLAGE.
Das wird aber erst in der nächsten Episode erzählt! Wen es interessiert ... STAY TUNED !

Dienstag, 3. Februar 2015

EINFACH MAL WEG ... EIN REISEBERICHT
EPISODE 1: DIE IDEE

Es begann alles mit einer geilen Doku über Frankreichs Küsten, die vor einigen Monaten auf ARTE ausgestrahlt wurde.
Wer sich auskennt, weiß, dass auf dem Sender echt geiles Zeug läuft und die Bildqualität zu den besten gehört. Jedenfalls zog ich mir diesen Bericht genüsslich rein in welchem es speziell um die Camargue ging, dieses schöne Fleckchen Erde in Südfrankreich, in dem es noch freilebende Pferde gibt, wo riesige Schwemmland-Flächen ein Paradies für Tiere und Pflanzen bilden, wo die Natur noch weitestgehend unberührt ist. Das alles sah ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Lachend bzw. glücklich aufgrund dieser wunderschönen Landschaften, aber gleichzeitig auch traurig und wehmütig ob der Tatsache, diesen Teil Frankreichs wahrscheinlich niemals selbst zu Gesicht zu bekommen. Dieses Gefühl von unerfülltem Fernweh beschleicht mich im übrigen bei fast jedem Film, der irgendwelche traumhaft schönen Gegenden dieser Erde zeigt; und da ist es dann auch egal, ob das karibische Trauminseln, epische Berglandschaften und "nur" die schönen Ecken unseres eigenen Landes sind, deren tatsächliche Schönheit man oft kaum für möglich gehalten hätte.
Aber ich schweife mal wieder ab.
Da mein (speziell berufliches) Leben in den letzten Monaten eine recht unerwartete Wendung nahm und ich wider Willen zu einer großen Menge an frei verfügbarer Zeit kam, war für mich sofort klar, in dieser Zeit irgendwas besonderes zu machen. Etwas, was man sonst so eher nicht machen würde, weil einem der Urlaub zu schade ist oder weil der Partner nicht unbedingt den gleichen Bock auf die Sache hat oder eben etwas, was man einfach alleine machen muss!
Ich bin zwar ein sehr ausgeglichener Mensch und muss mich definitiv nicht selbst finden, aber so eine gewisse Zeit vollkommen alleine ist zumindest in meiner Welt eine ungemein wertvolle Sache, denn, und das haben wir eigentlich alle gemeisam, ist sich am Ende des Tages jeder selbst der nächste.
Lange Rede kurzer Sinn: Ich plante einen Roadtrip, einfach mal weg, einfach drauf los, wohin es einen auch führt. Ich hatte 10 Tage zur freien Verfügung, mehr ging leider nicht, weil ich ja auch noch andere Verpflichtungen habe, ich bin ja schliesslich kein soziopathischer Höhlenmensch!
Das Hauptziel meiner Reise sollte Frankreich sein, ich hätte natürlich auch nach Skandinavien fahren können, aber da laufe ich im Winter halt Gefahr, dass ein genervter Elch meine Karre ausm Schnee ziehen muss, und das wollen wir natürlich nicht. Und schliesslich wollte ich ja auch die Camargue sehen. Also setzte ich mir drei ungefähren Eckpfeiler, um die herum meine Reise führen sollte:
CAMARGUE - BASKENLAND - GASCOGNE
In den nächsten Tagen werden hier also die verschiedenen Etappen meiner Reise eine Verewigung finden, könnte etwas amüsant werden. Also stay tuned ...

Sonntag, 18. Januar 2015

R.I.P. MANOWAR
(17.01.2015 FRANKFURT JAHRHUNDERTHALLE)

OTHER BANDS PLAY - MANOWAR SUCK !!!
Was genau mich zu dieser Aussage bewegt, werde ich euch heute, einige Stunden nach dieser Frechheit, gern ausführlich schildern. Mein Aggress hat sich zwar kaum gelegt, aber man soll ja seine Gefühle rauslassen, solange sie noch frisch sind!
Eins vorneweg, MANOWAR waren einmal eine gute Band, die mit Platten wie "Battle Hymns", "Into glory ride" oder natürlich "Kings of Metal" Meilensteine gesetzt haben, die es immer wert sein werden, gehört und gefeiert zu werden. Dass MANOWAR zeit ihres Daseins aber auch durch masslose Überheblichkeit, Arroganz, politischer Inkorrektheit und vor allem der manchmal schon fast peinlichen Auslebung jedweder Metal-Klischees bestachen, konnte man aufgrund der guten Musik meistens geradenoch unter den Tisch fallen lassen. Und wenn wir das Konzert nicht einem Freund geschenkt hätten und wir mit einer guten Truppe dahin gefahren wären, hätten mich wahrscheinlich keine zehn Pferde jemals mehr auf ein MANOWAR-Konzert gebracht. Die New Yorker hatten sich in den letzten Jahren einfach zuviel Negatives erlaubt, doch was an diesem Abend abging, stellt jede bisherige Kritik ad absurdum.
Doch was war denn nun so schlimm am Auftritt dieser männlichsten und potentesten Metal-Götter ever? Nun, es war NICHT MAL die Tatsache, dass Eric Adams Semi-Playback sang und machmal nur die Einspielung zu hören war. Das hätte ich noch verziehn ... Es war NICHT MAL die Tatsache, dass sie sicher 45 Minuten des gesamten Sets mit labern und selbstbeweihräuchernden Interview-Einspielungen verplemperten. Auch das hätte ich noch verziehn, weil diese älteren Herrschaften doch eeinige Verschnaufpausen mehr als üblich benötigen dürfen. Natürlich hätte ich auch die lächerliche Show und die ledernen Salamander-Anzügchen verzeihen können, das war ja noch nie anders. Auch hätten mir mieser Sound, beschissene Songauswahl und horrender Eintrittspreis nichts ausgemacht, man lässt ja einiges über sich ergehen, wenn man eine vermeintlich große Band sehen will. Doch sind drei Dinge an diesem Abend passiert, die ich (und nicht wenige andere Metalheads)niemals verzeihen können. Sind übrigens an ihrer Unverzeilichkeit gemessen aufsteigend aufgezählt.

1.) Das gesamte(und ursprünglich geniale)"Warriors Prayer" wurde komplett neu aufgenommen, mit neuen Stimmen und teilweise neuem Text, sodass jeglicher Zauber(sofern der bis zu diesem Zeitpnkt noch vorhanden war)getötet wurde, als dieses abgespielt wurde. Daran änderte auch der billige Versuch, diese Geschichte in Bilder zu fassen, nichts.

2.) MANOWAR spielten KEINERLEI Zugaben, dafür wurde komplett VON BAND "The Crown and the ring" eingespielt und es wurde 7 Minuten eine Deutschland-Fahne eingeblendet. Absolutes No-Go!!! Übrigens wurde auch diese komplett sinnlose Aktion von endlosen Handys gefilmt und sogar bejubelt !!!

3.)Bei diesem Punkt muss ich etwas weiter ausholen. Bei solchen Groß-Events ist es leider mittlerweile normal, dass ein Großteil der Leute komplette Vollidioten sind, die lieber Handy-Videos machen oder mit ihrer Alten schmusen, wie eine Metal-Show zu feiern. Dazu kommt noch, dass MANOWAR ohnehin nicht die "normalen" Metal-Fans anzieht, sondern schon immer auch einen riesen Haufen Arschlöcher. Wie demnach zu erwarten war, ging bei den ersten Songs rein gar nichts ab, keinerlei Bewegung,kein Headbanging und schon gar kein moshen; lediglich hunderte Halbhirne, die entweder filmten oder ihre Hände im MANOWAR-Stil noch oben reckten. Als dann endlich ein paar Leute wenigstens etwas Bewegung in die Sache brachten(u.a. auch Bob und ich) keimte etwas Hoffnung auf. Da bisher nur Arschloch-Lieder liefen, ging ich davon aus, dass bei einem Hit wie "Wheels of fire" endlich die Luzie abgehen würde. Doch weiter gefehlt, wie ich mir das auch nur annähernd hätte denken können. Es war wirklich nicht wild, was in den ersten Reihen abging, ein paar Leute hüpften und moshten umher, maximal 30-40 Leute. Dabei wurden natürlich auch die ganzen Wixer angerempelt, die naiverweise davon ausgingen, dass man ne richtige Metal-Show gemütlich und ohne Stress in der ersten Reihe anschauen kann. Das ist eigentlich bei allen großen "Metal"-Konzerten so.
Was aber dann passierte, kann ich bis heute noch gar nicht wirklich glauben. Nach dem vielleicht fünften oder sechsten Song brach Obersalamander und Pausenclown Joey di Mayonäse die Show kurzerhand ab und nahm ein Mikro in die Hand. Zunächst beleidigte er die Securities, die bislang keinesfalls aufgefallen waren (schon gar nicht negativ), aufs übelste, was sie denn für Arschlöcher seien und das die mieseste Security ever wäre. Ihm ging es darum, dass die Jungs vom Ordnungsdienst etwas gegen DIE Leute machen sollten, die vorne verzweifelt versuchten, etwas Stimmung in die Hütte zu bringen. Er meinte, dass "Slamdancing" nichts auf einem Metal-Konzert zu suchen habe, und diese "Motherfucker" nur den Leuten die Show verderben, die diese in Ruhe sehen wollen !?!Ebenso verbot er es, dass jemand seinem Kumpek uder seine Freundin auf die Schulter nimmt. Auch das habe auf einer Metal-Show nix verloren, weil die Leute dahinter ja dann nichts sehen können. Ich traute meinen Ohren nicht!! Hatte er das alles wirklich gesagt? Natürlich gibt es immer Leute, die das Ganze etwas gemässigter angehen wollen, aber die stehen dann halt nicht in den ersten Reihen, sondern weiter hinten oder gehen gleich auf die Sitzplätze. DAS war doch schon immer so!
Bei einer guten Konzert-Meute wäre spätestens jetzt ein Protest ausgebrochen, doch bei dieser Ansammlung von Weichflöten und RockamRing-Gängern löste diese Aussage sogar noch Applaus aus.

Ich war echt fertig, sofort war mir und Bob klar, dass wir zumindest da vorne nichts mehr verloren hatten. Ich ging noch einen Schritt weiter und verliess den Innenraum. In den Katakomben staunte ich nicht schlecht, klar ist auch während eines Konzertes da draussen immer was los, aber die Summe der Scheiss-Bollen, die MANOWAR da an diesem Abend angesammelt hatten, brachten offensichtlich auch einige andere Metal-Fans zu dem Entschluss, das Konzert zu verlassen.Ich unterhielt mich mit zwei alten Frankfurtern, beide jenseits der fünf, und unsere Meinungen gingen nahtlos ineinander über: DAS war die reinste Kacke, die einem da vorgeschissen wurde.
Über die Jahre hinweg wurden die leeren Phrasen MANOWARs, dass nur SIE den wahren "True Metal" spielen und ihre "Crowd" die verrückteste der Welt sei und MANOWAR sozusagen diese Genre erfunden hätten, oftmals nur noch belächelt. Doch angesichts dieses Abends erreichten solchen Aussagen nun den absoluten Gipfel der Lächerlichkeit. Ob MANOWAR überhaupt jemals wirklich zur richtigen Metal-Szene zählten, lasse ich mal dahingestellt.Für mich jedenfalls sind allerspätestens nach diesem Abend MANOWAR gestorben. Niemals mehr werde ich für dieses kommerzverseuchte Geschwür von Witzfiguren auch nur einen Finger rühren, geschweige denn mir nocheinmal eine solche Fake-Verantaltung antun.

WIMPS AND POSERS -


LEAVE THE HALL !!!


Allerdickste Grüsse gehen raus an meine Brüder Grimmser, Bob, Daddy und Faxe, mit denen ich trotzdem einen geilen Abend verbrachte.Ebenso freute ich mich die alten Recken Sascha und Marco mal wieder zu treffen (wie wars beim Treppen steigen?) und am Ende sogar noch Pisser und Wolff getroffen, auch die dürfen sich wärmstens gegrüsst fühlen, auch wenn sie wie Faxe die Show eigentlich ganz gut fanden :-)

Mittwoch, 7. Januar 2015

MIDGE URE (23.11.2014 JUBEZ KARLSRUHE)

MIDGE URE, eigentlich eine Legende, aber mal ehrlich, 9 von 10 Menschen haben diesen Namen noch nie gehört! Aber sein musikalisches Vermächtnis hat es dermaßen in sich, dass man sich diesen Menschen wenigstens einmal livehaftig zu Gemüte führen muss, und wenn er schon mal Karlsruhe vorbei schaut, dann schon zweimal. Ist ja nicht das erste Mal, er war schonmal im Jubez, aber das flog völlig an meinem Schirm vorbei. Deshalb jammerte ich vor einiger Zeit etwas bei Musikpapst Chris herum, wie sehr mir das in den Leisten zwickt, dieses Konzert verpasst zu haben. Paar Tage später dann die Info von diesem grandiosen Menschen, dass er MIDGE URE wieder gebucht habe. Oh du meine Güte, wie glücklich er mich damit machte!!!
MIDGE URE kann wahrlich auf ein bewegtes Musikerleben zurückblicken, nicht nur, dass er Frontman von ULTRAVOX war, denen er mit seiner phänomennalen Stimme zu ihrer besten Zeit verhalf, nein, er war auch Teil des Duos VISAGE, die mit dem fast schon mystischen Hit "Fade to grey" einen auch heute noch oft gespielten Welterfolg landeten.Aber damit nicht genug sprang er auch mal kurz bei THIN LIZZY als Gitarrist ein, als Gary Moore die Band damals überraschend verliess.
Und das sind nur die allerwichtigsten Stationen seiner Laufbahn. Es würde den Rahmensprengen, hier alle aufzuzählen. Und schliesslich stellte er zusammen mit Bob Geldof auch noch BAND AID auf die Beine, ein riesiges musikalisches Hilfsprojekt (sozusagen das britische Gegenstück zu "USA for Africa"), in dessen Mittelpunkt der Welthit "Do the know its Christmas" stand den, ihr werdet es schon ahnen, auch MIDGE URE mit Bob Geldof zusammen geschrieben hat.
Aber auch seine ganz "profane" Solo-Karriere war überaus erfolgreich. Man durfte also einiges von dem Konzert im Jubez erwarten. Da an diesem Abend hauptsächlich ältere Semester erwartet wurden, war der große Saal komplett bestuhlt, tat der guten Stimmung aber keinerlei Abbruch.
MIDGE URE erwies sich als absoluter Purist, schwarze Bühne, nur eine Gitarre und ein Mikro, sonst nix! Gut, etwas Technik war auch dabei, er hatte so nen Soundeffekt am Start, der irgendwie einen Hall auslöste, wenn er seine Stimme vom Mikro weg bewegte. Allein das war schon geil und wurde von dem Schotten perfekt eingesetzt.
Eigentlich ist das kein Bestandteil meines Wortschatzes, aber dieses Konzert war im wahren Sinne des Wortes "hinreissend"! Olle Midge zog alle in seinen Bann, und das tat er mit seinen eigenen Hits wie "If I was" oder "Breathe"(wurde übrigens für einen aktuellen SKY-Trailer reaktiviert, das gibt auch wieder einige Taler in seine eh schon gut gefüllte Schatulle), aber auch ULTRAVOX-Hits wie "Vienna", "Lament",das epische "Hymn" oder das herrlich melancholische "Dancing with tears in my eyes" trafen voll ins Schwarze. Garniert wurde die Setlist natürlich noch mit "Fade to grey" und logischerweise auch mit einigen seiner neueren Sachen, die den alten Gassenhauern in nichts nachstehen, vielleicht nicht ganz so radiotauglich, aber auch kein bißchen weniger gut.
Zuguterletzt haute er noch den Band-Aid Hit "Do they know its Christmas" raus, man merkte zwar, dass er den nicht so gerne und keineswegs immer bringt, aber angesichts der charitativen Wirkung und der aktuellen Band-Aid Reanimation (der Song wurde zum 30 jährigen Jubiläum mit aktuellen Stars neu aufgenommen um Spenden gegen Ebola zu sammeln)kann man dieses Schmuckstückchen schon mal bringen.
Ich fand, der Abend war wirklich etwas ganz besonderes, für mich ist MIDGE URE ein ganz Großer, auch wenn seinen Namen speziell in Deutschland viel zu wenige kennen.
Als Tribut für sein Lebenswerk hier noch einmal die beiden Band-Aid Videos aus den Jahren 1984 und 2014

Donnerstag, 11. Dezember 2014

LA COKA NOSTRA
(13.11.2014 LA LAITERIE STRASBOURG)

Darauf musste ich lange warten ... endlich... die Eastcoast Rappers LA COKA NOSTRA waren zu Gast, und man musste nur nach Strasbourg düsen. Also frühzeitig Tickets gezogen, denn in Frankreich sind Rap-Konzerte immer sone Sache, das kann ruckzuck ausverkauft sein.
Dem war dann aber leider nicht so, der große Saal war zwar gut voll, aber mit einem Vorhang auf die Hälfte des Fassungsvermögens reduziert, demnach waren ca.300-400 Leute am Start. Die Bühne war absolut schmucklos, es befand sich lediglich der DJ-Tisch darauf. Sonst nix, nicht mal ein Backdrop.
Die Turntables bediente dann DJ LETHAL, der ja auch schon bei House of Pain die Rillen zum Glühen brachte. Dieser sollte laut Plan zwar ca. ne Stunde der Meute einheizen, er fing aber viel später als angekündigt an.
Nun, dafür hörte er aber auch früher wieder auf. Die Einheiz-Phase dauerte höchstens 20 Minuten und war ehrlich gesagt nicht der Renner. Dann mitten in einer Scratcherei, völlig unangekündigt und komplett unspektakulär kamen plötzlich die drei restlichen Jungs auf die Bühne. Der Auftritt von SLAINE, ILL BILL und DANNY BOY (ebenfalls Ex-House of Pain) hätte wirklich etwas besser inszeniert sein können, aber was solls, die drei sind wohl eher Puristen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren: Das Rappen!
Und wer behauptet, dass es weisse Jungs nicht bringen, der soll sich mal diese Burschen anschauen. Insbesondere SLAINE ist ein gnadenlos guter Rapper, aber auch ILL BILL und natürlich DANNY BOY stehen dem in Nichts nach. Und so spulten sie ihren Set runter, die Leute gingen gut mit, und speziell die paar House of Pain-Klassiker, die sie einstreuten, wurden natürlich am Meisten gefeiert.
Insgesamt war es ein echt gutes Konzert, welches visuell aber leider so gar nichts zu bieten hatte, sei es Bühnenshow, ein paar stylische LCN-Designs oder nen kleinen Breaker-Kontest.
Aber dennoch hat es echt Spass gemacht, endlich mal wieder ein geiles Rap-Konzert, welches a.) erschwinglich war und b.) nicht von irgendwelchen Star-Allüren geprägt wurde sondern nur reine und unverfälschte Skills lieferte.
Dicke Grüsse gehen an mein Mädel, Olli aka "Euro" aka "Der Fragenmann", den quadratischen Lars (doch deine neue Jacke ist gut!) und natürlich auch an den Handy-süchtigen Jens, der selbst bei diesem tristen Bühnenbild noch Motive zum knipsen fand !

Mittwoch, 3. Dezember 2014

LIFE (11.11.2014 ALTE HACKEREI KARLSRUHE)

Die Hackerei hatte da mal wieder was ganz skurriles zu Gast:
LIFE, eine Crustcore-Band aus dem fernöstlichen Japan.
Aber da ja Plüschi ein Bollock der alten Schule ist, fing das Konzert nicht vor zehn an.
Das wiederum gab mir die Gelegenheit, noch ins Substage rüber zuschlendern und mir dort noch fast ne Stunde von MOTHERS FINEST anzuglotzen. Und DAS hatte es schonmal in sich.
Eigentlich war für mich MF immer der Inbegriff des Funk, und damit kann ich nicht allzuviel anfangen.
Doch als meine Gehörgänge von diesem Hammer-Sound geflutet wurden, bereute ich sofort, nicht das ganze Konzert angeschaut zu haben. MF sind ja in der Hauptsache das singende Ehepaar Joyce Kennedy und Glenn Murdock, und DIE, meine Freunde der Nacht, die haben ja noch dermaßen was unterm Pony, das es einen ziemlich umhaut. So in etwa wie Ike und Tina Turner (denen sie sogar recht ähnlich sehen)in einer weitaus härteren Rock-Version. Natürlich mit klasse Musikern im Schlepptau. Also falls jemand mal die Chance hat, dieses immernoch derbe abrockende Fossil der Rockgeschichte zu sehen, sollte das tunlichst machen!
Danach ging es zum Kulturschock in die Hackerei, wo sich gerademal 30-40 Leute eingefunden hatten. Na ja, wenigstens hab ich mal wieder nen alten Kumpel getroffen, also hatte sich der Eintritt schon gelohnt.
Doch als LIFE dann anfingen, überdachte ich meine Entscheidung, auf dieses Konzert zu gehen, binnen Sekunden.
Meine Güte, war das ein Geknüppel!! Als würde man auf einem Rasenmäher quer durch ein Tierheim kläffender Schäferhunde reiten. Ab und an gab es mal einen ganz passablen Moshpart, dann ging aber die Luzie wieder ab.
Und was waren das nur für Figuren, die sich da auf der Bühne abmühten? Wenn Japaner irgendwas aus der westlichen Welt adaptieren, dann hat das sehr oft so einen Gimmick-Charakter. Die Typen wollen dann originaler aussehen wie das Original selbst. Und das geht meistens schief. Auch auf LIFE traf das zu. Irgendwie hatte sich jeder Musiker irgendeinen subkulturellen Style ausgesucht, der diesen dann zu 187% in die Tat umsetzte, was man dann immer schnell mit einem radioaktiven Verseuchungshintergrund a la Godzilla in Verbindung bringt. Der Sänger beispielsweise wählte den Charakter "Metalkutte" mit allem, was dazu gehört (hoch2), der Bassist sah eher aus wie ein Krishna-Hardcore, bei dessen Glatzkopf nur hinten drei vier Lockenwürstchen wackelten, wenn er seinen Bass auf Knöcheltiefe spielte.Der Schlagzeuger war dann voller Proll-Style, ,wie man ihn eher auf den Strassen der Bronx erwartet. Der eine der beiden Gitarristen erfüllte dann noch am ehesten das Profil "Prog-Rocker", der auch tatsächlich einige virtuose Soli einbaute. Nur das letzte Mitglied der Band, der zweite Gitarrist, war ne absolut langweilige Milchtüte und jeglichen Stil (aber vielleicht war genau DAS sein Stil).
Aber als ich mir dann die Jungs so anschaute, so lustig sie auch aussahen und so kompromisslos diese Mucke auch war, dachte ich bei mir selbst was für eine Leidenschaft die an den Tag legen müssen. Da sind die ein paar Tausend Kilomter von zu Hause weg in einer vollkommen anderen Welt, spielen in kleinen Clubs, in denen sicher nirgendwo so richtig der Punk abgeht. Und trotzdem ziehen sie ihr Ding durch. Und das fand ich dann schon bemerkenswert ...
und sooooo schlecht waren sie ja gar nicht, war halt nicht unbedingt mein Geschmack.