Sonntag, 4. Juni 2017

.CYNDI LAUPER
(02.07.2016 KÖLN E-WERK)

Ich denke jeder aus meiner Generation kennt dieses nostalgische und vor allem melancholische Gefühl, wenn er mit gewissen Dingen aus den 80ern konfrontiert wird. Diese Art der angenehmen Wehmut, man erinnert sich an die schöne und über weite Strecken unbeschwerte Zeit, in der man noch mehr oder weniger wohl behütet an Mamas Brust hing, vielleicht das erste Mal so richtig verliebt war und vor allem die Filme und die Musik dieser Zeit regelrecht zelebrierte. Die Angebotsschwemme damals war in keinster Weise so riesig wie heute und folglich hatten die Dinge einfach mehr Wert. Dass dieses Jahrzehnt aber so unvergessen und kultig werden sollte, hätte damals sicher niemand vermutet.
Natürlich verbindet jeder die 80er Jahre mit anderen Dingen. Für mich war eines DER Gesichter dieser Zeit die unglaublich extrovertierte und bunte CYNDI LAUPER. Nicht zuletzt weil sie durch ihren Song "GOOD ENOUGH" auch mit einem der besten Filme dieser Zeit unumstößlich verbunden ist. Sie erschien sogar kurz im Film und das Video handelte ebenfalls vom Film. Die Rede ist natürlich vom Evergreen-Streifen "GOONIES"!
Nun denn, ich wollte diese Grand-Dame des Pop schon immer mal sehen und habe ihre Karriere auch durch die Jahrzehnte verfolgt, so gut das eben ging. Oft hörte man von Gerüchten einer bevorstehenden Europatour, bei der aber horrende Ticket-Preise im Raum standen. Letztlich war aber alles Schall und Rauch, erst als wirklich und wahrhaftig einige Tourdates veröffentlicht wurden, war klar: sie wird kommen. Das einzige Deutschland-Konzert sollte in Köln stattfinden und wenn man die Sache genauer betrachtet, war das nur logisch. CYNDI LAUPER war schon seit jeher durch ihr schrilles Auftreten eine Ikone der Schwulen. Und in Köln ist ja nunmal bekanntlich das deutsche Mekka der Homosexuellen-Bewegung, Da musste ja eines der Konzerte dort stattfinden. Dass es letztenendes nur diese eine Show in Deutschland war ist etwas verwunderlich, zeigt aber auch, dass Mrs.Lauper nicht auf gnadenloser Abräumreise ist, um nochmal die guten alten Zeiten zu melken. Auch die Ticketpreise von 38 Euro waren mehr als fair und so schipperten mein Mädel und ich in die Domstadt. Dummerweise war an dem Tag auch das EM-Viertelfinale Deutschland-Italien. Mir war das schnurz, aber meine bessere Hälfte kann halt ne ziemliche Kutte sein, die hätte das Spiel schon gerne gesehen. (Aber letztenendes sahen wir nach dem Konzert noch in einer Hotelbar in der Nähe des Doms die Verlängerung und das Elfmeterschießen, bei dem keiner meiner zahlreichen Wünsche für ein deutsches Ausscheiden erhört wurde und deshalb einen Großteil unseres späteren Abends in einem schwarz-rot-goldenen Straßenchaos endete.)
Doch der EM-Kick war für viele kein Grund gewesen, um dem Konzert fern zu bleiben weswegen das E-Werk auch "ausverkauft" vermelden konnte. Und was gab es da für Paradiesvögel zu sehen, Diven, Tucken, Transen, alles war vertreten. Es war herrlich. Sogar Christoph Uecker, einer der prominentesten Schwulen Deutschlands der damals in der Serie "Lindenstraße" das ganze Land polarisierte, schlenderte mehrmals an mir vorbei.Offensichtlich wollte auch er sich diesen musikalischen Leckerbissen nicht entgehen lassen.
In der Halle war es extrem warm (ha ha ...Flachwitz!), schon nach wenigen Minuten floss einem die Brühe runter, doch als es dann endlich los ging, war das alles egal. Da stand sie, leibhaftig und echt und vor allem, keineswegs extrovertiert wirkend. Eher schüchtern stellte sie sich vor und legte auch gleich mit dem ersten Song los. Was man dazu wissen sollte ist, dass die neue Platte von ihr ziemlich Country-lastig ist und hauptsächlich aus Cover-Versionen dieses Genres bestehen. Folglich sollte es einige Lieder geben, die so gar nicht Lauper-like waren, zumindest nicht, wie man sie aus den 80ern kannte. Ich fand es klasse! Sie hatte eine gute Mischung aus alt und neu gefunden, ihre Hits kamen dabei natürlich keineswegs zu kurz und so drückte sie schon relativ froh sone Dinger die "She Bop" oder "I drove all night" raus. Stimmlich perfekt, rein gar nichts zu damals eingebüsst, vielleicht etwas weniger quietischig, dafür jetzt geringfüfig rauher, aber immernoch unverkennbar LAUPER!!!
Es war fabelhaft, zwischen den Songs erzählte sie diverse Geschichten auf eine so sympathische Art und Weise, welche ich so gar nicht erwartet hätte. In meinem Kopf war sie halt eher der ausgeflippte und gegen alle Normen rebelierende Typ, eigentlich das komplette Gegenstück zur Wirklichkeit.
Die Fans feierten jede Geschichte, jede Anekdote und natürlich auch jeden Song frenetisch ab, am meisten natürlich die Zugaben "True Colors", "Time after time" und "Girls just want to have Fun". Speziell letzteres zelebrierte speziell die Schulengemeinde , da sie diese Aussage anscheinend allesamt auf sich selbst bezogen.
Es war eine willkommene Reise in die Vergangenheit und ein wirklich toller Abend mit einer umwerfenden und bezaubernden Frau, die heute noch genau so viel Ausstrahlung versprücht wie 1983, als sie ihren ersten Hit landete (wahrscheinlich eher mehr!).

Samstag, 22. April 2017

CYPRESS HILL / REDMAN / MOBB DEEP / KRS ONE
(24.06.2016 ZENITH STRASBOURG)

Man kann ja über die Fanzosen viel sagen, aber RAP-mäßig haben sie einfach Tonnen mehr drauf als wir Deutschen. Allein dieses Lineup auf die Beine zu stellen, daran wären man hier zu Lande schon gescheitert, und wenn nicht daran, dann auf jeden Fall eine Halle dieser Größe voll zu machen. Ich hatte eh meine Zweifel, ich war mir anfangs sicher, dass die Halle sicher verkleinert würde und nicht die volle Kapazität freigegeben würde. Sind ja immer gut 12.000 Leute die insgesamt rein passen. Doch es war die komplette Halle und sie war zum Bersten voll. Das verdeint schon mal allergrößten Respekt.
Von DJ Premier (Ex-GANG STARR) bekamen wir nicht viel mit, denn obwohl das Konzerts Freitags war, fing es schon mittags um zwei an. Da hier halb Europa anreisen würde, war klar, dass nicht alle gleich zu Beginn da sein würden, wir eben auch nicht.
Aber KRS ONE sahen wir dann in all seiner Pracht, ein Kult-Rapper, einer vom alten Schlag, er kam gut an, war aber meines Erachtens auf der riesigen Bühne etwas verloren. Da drehte er damals in der Laiterie ne gehörige Portion mehr am Rad. Vielleicht wird er aber auch einfach nur so langsam alt. Das New Yorker Urgestein ist ja nun auch schon über 50!
Aber gut war er dennoch! Und machte vor allem Lust auf mehr, denn man konnte ahnen, was in der Halle beim Headliner los sein würde!
Danach sollten die Kult-Rapper von MOBB DEEP ihrem Mythos gerecht werden. Mythos, weil sie einerseits noch nicht allzu oft übern Teich gekommen sind und andererseits ja auch richtig fiese New Yorker Straßenköter sein sollen, so mit Knast und Waffen (letzteres trifft aber wohl nur auf Prodigy zu).
Auf jeden Fall ist MOBB DEEPs Musik Kult, doch meiner Meinung nach waren die beiden auf der Bühne eher arschlos, hatten wenig Bock und suchten zu keiner Zeit den Kontakt zu der immer größer werdenden Meute. Leider aber logischerweise kifften in der Halle auch immer mehr Leute, wenn man so über die Köpfe schaute, sah das eher aus, wie eine gerade erkaltet Vulkaninsel, die aber überall noch brodelt und dampft. Doch das nur am Rande!
Mittlerweile hatten wir auch gute Sitzplätze und konnten dem Treiben relaxed von oben zu schauen. Das war im Nachhinein eine Top-Entscheidung!
REDMAN was next, leider aber ohne den mit angekündigten METHOD MAN, der irgendwo nen Flug verpasst hatte, das war natürlich nur die offizielle Erklärung, wahrscheinlich hatte ihn das arabische Dope aus Frankreich aus den Sneakers geschossen!
Das war aber kein Problem für REDMAN, der der geborene Entertainer zu sein scheint. Er legte eine Mega-Show hin, performte seine eigenen Songs aber auch ein paar WU-TANG Sachen sowie andere Rap-Classics. Dazu noch n Haufen Witze und lockere Sprüche, der brachte die Halle zum ersten Mal richtig in Form! Am Ende kündigte er sichtlich high von der Atmosphäre (vielleicht etwas übermütig) an, dass er bald zurück käme und zwar mit dem kompletten Clan !!! Das warten wir mal ab!
Danach der Hauptact, die Headliner, die Masterminds, die Stoner-Rap-Götter: CYPRESS HILL !
Wenn man allerdings dachte bzw. sich erhoffte, dass die Jungs spektakulär die Bühne entern sollten, der lag vollkommen falsch.
Zunächst trottete B-Real auf die Bühne, mit Sonnenbrille und Cap. Da er ziemlich abgenommen hat, erkannte ich ihn zunächst gar nicht, er rappte irgendwas vor sich hin, also absolut kein großer Auftritt! Erst als Sen Dog dazu kam, wurde mir (und wahrscheinlich einigen anderen auch) klar, dass das ja schon CYPRESS HILL waren. Dann aber rollten sie das Feld von hinten auf und steckten die ganze Halle mit ihrem Virus an, und wenn ich sage die ganze Halle, das MEINE ICJ DIE GANZE HALLE !!!!
Über 12.000 Menschen drehten förmlich durch, die auf den Sitzen natürloch nicht ganz so extrem wie die stehende Meute, doch allen waren infiziert. Folgendes Video aus meiner Feder fängt die Stimmung glaube ich ganz gut ein! Die Show war schlichtweg der Hammer, CYPRESS HILL waren über alle Zweifel erhaben und zündeten eine Bombe nach der anderen. Und jeder zweite Fan rauchte vor Freude doppelt soviel wie sonst. Doch das musste und konnte ich an diesem Abend ertragen. Ehrlich, ein großes Dankeschön an Frankreich, dass die sowas aus dem Boden stampfen konnten. Mit dabei waren Olli O.aka "DJ not so fast" und Guru Lars aka "MC Niggler"

Montag, 13. März 2017

BRUCE SPRINGSTEEN AND THE E-STREET BAND
(17.06.2016 OLYMPIASTADION MÜNCHEN)

Nachdem ich ja grad zwei Wochen vorher beim Rockavaria-Festival war, zog es uns jetzt, knapp zwei Wochen später, schon wieder ins altehrwürdige Olympiastadion zu München. Dieses mal, das wusste jeder, der mit von der Partie war, dieses Mal konnte es keine bösen Überraschungen oder Enttäuschungen geben, denn der Boss höchstpersönlich gab sich die Ehre.
Das kann niemals schlecht werden !!!
Nachdem ich allerdings die betagten Herren der E-STREET BAND 2012 das letzte Mal erleben durfte, dachte ich damals irgendwie, das sei dann auch wirklich das letzte Mal gewesen. Ich meine, irgendwann muss "Dynamo"-Springsteen doch mal alt werden, nicht dass ich mir das wünschen würden, aber bei dem feinen Herren scheint der vermeintliche Lauf der Natur wohl halt zu machen.
Umso besser, denn wir hatten Karten für ein weiteres Kapitel der Konzert-Geschichte!
Leider kamen wir etwas zu spät, weil so ein Klugschwätzer meinte, dass der Konzertbeginn von 19 Uhr, welcher auf der Karte stand, unmögliche die wirkliche Startzeit sein könne, sondern sicher nur die Einlasszeit wäre. War aber halt doch der tatsächliche Beginn und so verpassten wir ne gute halbe Stunde des Sets. Vielen herzlichen dank an den Klugschwätzer (der hier aber unter keinen Umständen genannt werden will).
Aber im Endeffekt machte das bei einem Dreieinhalb-stündigen Programmes nicht allzuviel aus. (Hatte man bei DEAD KENNEDYS im Substage ne halbe Stunde des Sets verpasst, konnte man immerhin noch ein ganzes weiteres Lied geniessen!).
Ach was war das wieder für eine Wonne, wie oben schon erwähnt: ein Springsteen-Konzert KANN NICHT SCHLECHT SEIN. Im Gegenteil, es gehört einfach zum Besten, was man live erleben kann. Und immer wieder findet dieser Großmeister des Rock die richtige Mischung aus alten und neuen Songs und jedes Mal schafft er es beinahe mühelos, jeden im Stadion von seinem Sitz zu reißen. Springsteen begeistert! Ich vermeide es jetzt, Songs aufzuzählen, wen es interessiert, ne Setlist gibts im Internet. Hier soll es einfach um den Geist, um den Spirit gehen, denn dieser Mann verbreitet. Und trotzdem ist er bodenständig und integer geblieben und hat seine Ideale nie dem Kommerz zum Verkauf angeboten. In der heuten Zeit, speziell nachdem gerade in den letzten Jahren so viele Gute gegangen sind, in dieser Zeit ist Bruce Springsteen einfach der Größte noch lebende der Musikgeschichte, der, und das ist das imposante daran, anscheinend noch lange nicht genug hat und agiler und fitter denn je wirkt. Obwohl der letzte Satz nicht so ganz wahr ist, denn Gegensatz zum letzten Konzert hielt sich in München sein Bewegungsradius doch sehr in Grenzen. Wo er in Frankfurt noch sicher 3-4 Kilometer weit die Bühne entlang getollt ist, begnügte er sich dieses Mal weitestgehend mit dem Areal rund um sein Micro. Aber wer weiß, vielleicht hatt er auch nur einen ganz fiesen Sprühstuhl und konnte deshalb nicht das ganz wilde Luzie von der Kette lassen. War aber auch egal, es war deswegen keinen Deut schlechter, wahrscheinlich hält das sogar die Qualität einer Dreistunden-Plus-Show auf einem noch höheren Niveau.
Auch dieses Mal wieder holte er sich ohne Scheu einige Leute auf die Bühne, tanzte mit Ihnen, sang mit Ihnen und bereitete damit diesen Menschen und auch den ca. 30.000 anderen im Stadion einen wiedermal unvergesslichen Abend.
Mit dabei waren Musikpapst Armin samt Spross und Onkel Mad, fühlt euch gegrüsst!

Montag, 13. Februar 2017

ROCKAVARIA FESTIVAL 2016: IRON MAIDEN

Ja, ich weiß ... ich hab schon einige Mal daher geblubbert, dass ich nicht mehr auf solche großen Dinger gehen wollte, aber das war in diesem Jahr die einzige und fnanziell erträglichste Möglichkeit, die beste Band der Welt zu sehen. Das ist übrigens mein voller Ernst, ich halte IRON MAIDEN tatsächlich für die absolute Krönung der Musikgeschichte.
Und deswegen ließ ich diese ganzen negativen Begleiterscheinungen über mich ergehen, die so ein Massenevent mit sich bringen. Wir (zu viert) reisten aber nur Sonntags an, beim Rest des Festivals war nicht wirklich viel für mich dabei, bzw. nix, wofur ich jetzt Geld und Zeit hätte opfern wollen. Das Festival an sich ist ganz ordentlich aufgeteilt, das Olympia-Stadion samt umliegendem Gelände ist ja auch für sowas wie geschaffen. Im Olympia-See schwamm sogar eine kleine Bühne, die treffenderweise dann auch "Seebühne" genannt wurde. Auf dieser kleinen Bühne fingen wir dann auch gechillt in der Sonne liegend mit zwei geilen Bands am. BLACK VULPINE - female fronted - düsterer Stoner-Metal aus Dortmund - klasse, blieb wirklich hängen, sollte man sich mal was von geben, wenn man auf son Zeugs steht. WENN man auf dieses Zeug steht, kennt man auf alle Fälle auch IRON WALRUS, denen BLACK VULPINE sozusagen die Bühnen-Klinke in die Hand gaben. Ebenfalls sehr gut, doomiger Sludge-Metal oder wie auch immer das fette Gebräu genannt wird. Das war ja alles schön und gut aber in der prallen Sonne wollte natürlich auch nicht wirklich die passende Stimmung aufkommen, sowas muss man in einem feuchten und modrigenn Keller-Loch hören,in dem der Boden nur so von Asseln wimmelt, die ihre Chitin-Hüften katatonisch auf den dumpfen Beat der Musik hin und her bewegen.
Deshalb wurd IRON WALRUS bald etwas langweilig und ich traf mich mit Musikpapst Armin und seinem Filius im Stadion. Die beiden waren schon das ganze Wochenende da gewesen ... warum auch immer.
Im Stadion dann zwei große Bühnen nebeneinander. Das mag ich schon mal gar nicht, diese Massenabfertigung, Musik quasi am Fliessband. Ich fand die Umbau-Pausen immer angenehm, kurz entspannen, Ohren ausruhen und wirken lassen, was man grad erlebt hat. Doch all dieser Dinge wir man dadurch beraubt. Ist die eine Band fertig hetzt ein riesiger Klumpen Leute von einer auf die andere Seite und schon geht die Beschallung weiter.
Wir standen in den Stehplätzen, die Sitzplätze, mit denen wir zunächst liebäugelten, waren hermetisch abgeriegelt und nur für Karteninhaber zugänglich. Egal, wir sahen GOJIRA, fetter Sound, Musik eher son harter Einheits-Metal, viele Breaks und Power-Riffs. Doch ein Funke sprang bei mir nicht über. Ordentlich wars aber auf alle Fälle!
Dann folgte TREMONTI, die Band von Mark Tremonti, der auch bei Creed und Alter Bridge mit mischelt. Der, muss ich sagen, hatte echt ein paar gute Songs, lief ganz gut rein. Die paar tausend Leute allerdings, die sich zu diesem Zeitpunkt im weiten Rund des Stadions verloren, liessen eine wirklich gute Stimmung nicht aufkommen, wie immer bei den frühen Bands solch großer Konzerte. Ein weiterer Minuspunkt. In nem guten 500-1000er Club kämen die meisten Bands dieses Tages wie Dynamit rüber.
Dann das erste Turbo-Highlight, New Yorks Skate-Metal-Götter ANTHRAX !!! Yeah!
Jetzt füllte sich der Innenraum auch merklich und gleichzeitig zogen am Himel pechschwarze Wolken auf. Diese ergossen sich bald in einem üblen Unwetter und über die Anzeigetafel kam sogar eine Sturmwarnung. Alle Leute im Innenraum sollte Schutz auf der großen überdachten Tribüne suchen. Zum totlachen, so kamen wir für umme auf die Sitzplätze, Stehen hätte sich auch bei guten Wetter ohnehin nicht gelohnt, den 90% der Zuschauer schauten wirklich nur lethargisch zu. Ihr Bewegungsradius war der eines Bierdeckels.Also kamen wir doch noch auf die sicheren "Rentnerplätze" und genossen die Show von ANTHRAX. Danach waren die Schweden "GHOST" angesagt und wir mussten uns jetzt etwas bewegen, denn die spielten auf der rechten Bühne. Also hiess es, die Köpfe ca. 20 Grad nach rechts zu drehen. Nach dieser immensen Anstrengung konnte ich die Band nur mit einem kleinen Happen genießen. Das war allerdings ein schier hoffnungsloses Unterfangen, denn die Fress-Stationen, die sich ja ebenfalls unter dem Dach hinter der Tribüne befanden, waren hoffnungslos überfordert und wurden teilweise geradezu ausgeplündert. Aber nen kleinen Snack konnte ich doch abgreifen, also wieder rein und Musik reinziehen. Denn GHOST, mit ihrem furchteinflössenden Äusseren, überraschten mich echt. Bisher hatte ich mit den Burschen um den Totenkopf-Papst nicht wirklich was anfangen, zu viel Tra-Ra ums Aussehen geht meistens auf die Qualität der Musik. Doch diese Jungs machten nen klasse Job, atmosphärische Mucke, und das trotz der Tageszeit. Leider war auch bei der nächsten Band die Tageszeit ein kleiner Wermutstropfen, denn SLAYER ohne Dunkelheit ist wie Hannibal Lecter ohne Zähne: einfach weniger furchteinflössend. Dennoch boten die Herren um Kerry King eine gewohnt druckvolle Darbietung. Aber ehrlich, über SLAYER fällt mir nix konstruktives mehr ein, deren Konzerte sind immer eine Power-Wand, immer kompromisslos, immer gut aber irgendwie nie einzigartig. SABATON war als nächstes dran und es schiffte wieder (oder immernoch?) aus allen Kübeln. Da war ich doch glatt etwas schadenfroh, denn ich kann diese Clowns einfach nicht leiden, aber das habe ich ja schon des öfteren kund getan.
Dann, endlich, hatte das warten ein Ende. UP THE IRONS !!!
Die Götter aus dem Osten Londons eröffneten mit den beiden Songs der neuen Platte: "If Eternity should fail" und "Speed of light". Die liessen mich auf dem Sitz schon nervös von Arschbacke zu Arschbacke hüpfen, Maiden im sitzen ist zwar bequem aber sprichwörtlich für den Arsch. Beim Klassiker "Children of the damned" gab es keine halten mehr. Für die Kumpels hatte ich nur noch zwei Worte übrig: "MUSS WEG!" Ich fiel in Trance, bekam den Tunnel-Blick und war im Nu von der Tribüne runter, quer durch den Innenraum bis vor die Bühne gerannt. Auf dem Weg dorthin kam ich mehr und mehr auf Touren, in dem ich mich mehr oder weniger absichtlich an anderen Leuten warm rempelte. Ich war voller Tatendrang und ruckzuck in die dritte Reihe vorgeprescht. Die verachtenden Blick auf dem Weg dahin ignorierte ich, denn vorne, ganze vorne musste es besser sein, wenigstens da musste etwas Leben sein. Ein Trugschluss!! 98% Brustbeutelträger mit Jack-Wolfskin-Multifunktionsjacken und Trekkingsandalen! Wirkliche Metal-Fans waren kaum ausmachbar, zumindest keine wild umher wirbelnden Horden.
Wie gesagt, ich befand mich in der dritten Reihe !!!
Mittlerweile liefen "The Red and the Black" und "Tears of a Clown" (was übrigens, wer es noch nicht weiß, Robin Williams gewidmet ist).
Doch dann wollte ich mich einfach nicht mehr zurück halten den die Wahnsinns-Klänge von "The Trooper" knallten kristallklar aus den Boxen. Ich lief einfach los, wie ein Schneepflug schlug ich eine Schneise, fast jeder,den ich beiseite schob, regte sich auf oder schaute mich erschüttert an, irgend so ein Vogel versuchte sogar mir nachzutreten, normalerweise habe ich für so jemanden immer meinen Verdunklungshammer dabei, aber ich war im Trooper-Fieber, keine Zeit zum spielen!!!
Doch das Fieber hielt nicht lange ein, einige wenige versuchten ebenfalls etwas Atmosphäre in die Kiste zu bringen-
keine Chance!!!!
Das Publikum bestand einfach fast nur aus radiohörenden Alles-Verwertern und war nicht mal annähernd Maiden-würdig!>br> Gott sei dank schlug das nicht auf die Qualität des Konzertes nieder, Maiden hatten, wie eigentlich immer, einen Sahnetag und brachten noch Knaller wie "Powerslave" (allein beim Schreiben dieses Titels werde ich feucht!), "Fear of the dark", "Iron Maiden" und "Number of the beast".
Allen voran Bruce Dickinson, dem man seine krankheitsbedingte Pause absolut nicht anmerkte, er war super drauf, erzählte Witzchen und Anekdoten, und das wichtigste: er traf trotz wilder Herum-Turnerei JEDEN Ton traumwandlerisch.
Als hätte niemals ein Tumor seine Zunge geärgert!
Am Ende des Tages hatte ich wieder mal eine Lektion gelernt: große Festivals, insbesondere solche, deren Lineup durch alle Musikrichtungen reicht, sind einfach Kacke was die Leute angeht, da werden niemals mehr genügend Moshing-People zusammen kommen, deshalb gehts demnächst auch nur noch auf Hallen-Touren.
Unterm Strich: Rockavria 2016 - viel gelernt - manchmal enttäuscht - unterm Strich dennoch die beste Band der Welt erleben dürfen!

Montag, 24. Oktober 2016

AIR RAID
(19.05.2016 SOUNDCHECK ONE WALDBRONN)

Diese Geschichte ist nun wirklich im Nu von der Backe geschrieben. AIR RAID, eine dieser neuen Bands, die den guten alten Heavy Metal wieder haben aufleben lassen, eine dieser Bands, deren Jungs diesen Spirit auch wirklich verkörpern!
Vorband und Mitorganisatoren sollten an diesem Donnerstag abend die überaus sympathischen Jungs von SPITFIRE sein. Die Bengel aus Karlsruhe sind echt klasse und versuchen obendrein noch was für die Szene zu organisieren. Leider Gottes kamen aber höchstens 30-40 Leute. Das Soundcheck one ist ja nicht allzu groß, aber mit den paar Fans war selbst dort noch Platz genug.Man hätte spielend jeden Furz seinem Verteiler zuordnen können.
SPITFIRE hatten trotzdem sichtlichen Spaß und zogen ihren Set durch. Ich freu mich schon auf deren neue Platte!
AIR RAID kamen während der SPITFIRE-Show erst an. Die Holländer waren ihrem Naturell entsprechend ziemlich relaxed und luden seelenruhig ihr Equipment aus während drinnen SPITFIRE bereits fast am Ende ihrer Show waren. Hektik kennen die glaub nicht. Das eigentlich imposante und bewundernswerte dieses Konzertes war die Tatsache, mit welcher Leidenschaft und Hingabe diese 5 Burschen an ihr Handwerk gehen. Am Vorabend waren sie noch im 750km entfernten Wien(!!!), und am nächsten Tag spielten sie in Gravenchon, ebenfalls 750km weit weg an der französischen Atlantik-Küste(!!!!!). Das alles mitsamt der Instrumente und Boxen in einem engen und sicher nicht gerade nach Rosen duftenden Kleinbus! Hut ab vor soviel Mentalität! DIE LEBEN ES !
Das Konzert selbst zogen sie dann professionell aber dann doch recht glanzlos durch. Die Songs sind allesamt Hits, kann sich jeder selbst davon überzeugen, aber wenn man halt so nen schlecht gefüllten Raum vor sich hat, könnte ich mich auch nur schwer zu einer Höchstleistung motivieren. Gut war es dennoch und ich bin mir eh sicher, dass die noch oft zu sehen sein werden, wenn man so reiselustig ist wie die!
Grüße gehen raus an die SPITFIRE-Jungs, im speziellen an Manu, aber auch an Rico und "Bruce Dickinson", dazu noch an die Evil Crew Donner-Sepp und Daddy-Dave!

Donnerstag, 13. Oktober 2016

CROWBAR / TROUBLE
(09.05.2016 STADTMITTE KARLSRUHE)

Sodele, jetzt gehts aber ran an die Bulletten!
Jetzt ist es abends wieder früh dunkel und ungemütlich draußen, da kann ich gar nicht anders, wie meinen Blog hier endlich mal wieder auf Vordermann zu bringen.
An diesem Montag im Mai, ich war noch voll auf Droge wegen des TUI-Konzertes drei Tage zuvor, sollte in der Stadtmitte die Doom-Legende schlechthin zu Gast sein: TROUBLE. Mit St.VITUS zusammen wahrscheinlich die bekannteste und einflussreichste Combo dieses Genres. Witzigerweise waren die aber nur Support für CROWBAR. Eigentlich hätte es umgekehrt sein müssen, aber bei so einem Killer-Package ist das wohl egal. Erfreulicherweise waren für nen Montag abend richtig gut Leute da, sicher 250-300 Stücker. Seit 2012 ist bei TROUBLE ein neuer Sänger am Micro, tatsächlich kein geringerer als der Ex-Shouter der New Orleans-Thrash-Legende EXHORDER. Und bei TROUBLE kann er sogar zeigen, dass in ihm weitaus mehr Potential steckt, als nur eintöniges Gekreische.
Die Doom-Götter aus Chicago legten dann auch schnell los und hatten Ruckzuck Betriebstemperatur. Es war genial, geradezu berauschend. Unglaublich eingängige Riffs und Songs, die einer wieder der andere vor Hit-Sirup nur so trieften. Ich war wirklich hin und weg. Eine Supershow mit einem Sänger, der klasse in die Band passt, obwohl man das bei seiner musikalischen Vergangenheit (u.a. auch ALABAMA THUNDERPUSSY, geiler Stoner-Shit!) nicht hätte vermuten müssen.
Diese fantastische Show hatte aber auch einen Nachteil: ich hatte danach keinen Bock mehr auf CROWBAR, und normalerweise liebe ich die! Aber mir war klar, dass die Darbietung von TROUBLE eine derartige Marke gesetzt hatte, die auch nicht von so einem Brett wie den Schwergewichten aus New Orleans erreicht werden konnte. Das war ungefähr so, als hätte man ne delikate Crème Brûlée verspeist und bekäme als Nachtisch nen Ranken Schwarzbrot mit Leberwurst! Nein, das geht nun wirklich nicht!
Natürlich zog ich mir noch ein paar Pfund CROWBAR rein, aber zur Mitte des Konzertes schwirrte ich ab, absolut high von TROUBLE, das war echt groß!
Danke an das Stadtmitte-Team um Lucas und Alex für diesen geilen Abend!

Dienstag, 13. September 2016

R.I.P.: GENE WILDER

Unsere Zeit ist sowas von schnelllebig geworden, dass sogenannte Stars heute noch von 0 auf 100 komplett durchstarten, durch die sozialen Medien fast schon ekelerregend gehyped werden, und zwei drei Jahre später kräht keine Hahn mehr nach ihnen oder ihrem vermeintlichen Werk, wenn überhaupt nur dann, wenn es um irgendwelche Eskapaden oder Exzesse geht. Umso mehr sind dann STARS zu schätzen, die diese Bezeichnung wirklich verdient haben und auf ein Lebenswerk zurückblicken können, welches von Qualität, guter Einstellung und Klasse geprägt war.
GENE WILDER war so einer.Was für ein genialer Komiker und Schauspieler, seiner Zeit oft vorraus, urkomisch, manchnmal auch tragikomisch, einfach ein guter, sympathischer Typ, wie wir ihn nie mehr wieder finden werden. Solche Originale gibt es heute gar nicht mehr. Wilder hat zwar mit 83 ein durchaus stolzes Alter erreicht, aber dennoch weine ich um diesen Menschen!
Es ist nun auch schon wieder zwei Wochen her, dass er gestorben ist und wenn ich mich nicht irre, war sein Tod den Medien nur eine beiläufige Randnotiz wert. Wirklich gute Künstler haben eben heutzutage immer weniger Stellenwert. Hirnlose Plastik-Stars haben die Zepter übernommen, weil sie sich und ihre Seelen einfach besser verkaufen.
Und dass dieser Gene Wilder für genialen Humor und zeitlose Filmkomödien stand und sein Lebenswerk einen ganzen Themenabend verdient hätte, wird deutlich, wenn man sich einfach ein paar seiner Klassiker über der Zunge zergehen lässt:
FRANKENSTEIN JUNIOR
SHERLOCK HOLMES' CLEVERER BRUDER
DIE FRAU IN ROT
WAS SIE SCHON IMMER ÜBER SEX WISSEN WOLLTEN
(mit Co-Genius Woody Allen!)
EIN RABBI IM WILDEN WESTEN
DIE GLÜCKSJÄGER
(das Traumduo Richard Pryor blind und Gene Wilder taub, zum brüllen!)
TRANS-AMERICA-EXPRESS
... um nur einige zu nennen!
Sein Tod ist ein Verlust, doch sein Vermächtnis werden Filmfreunde hoffentlich erhalten.
Ich jedenfalls werden meinen Teil dazu beitragen!