Dienstag, 19. Januar 2016

SCORPIONS / EUROPE
(26.11.2015 ZENITH STRASBOURG)

Seit Ewigkeiten wollte ich schon EUROPE sehen, eine absolut geile Hardrock-Band, die man damals, zu ihren Glanzzeiten, keinesfalls mögen durfte, anderenfalls wären einem ein Zacken aus der knallharten Metal-Krone gefallen, wenn man solche "Wimps" unterstützt hätte. Doch heute ist alles anders, ich bin reif und weiß, was mir gefällt. Egal hinter wieviel Haarspray oder Makeup sich eine Band versteckt bzw. versteckt hat.
Und im Gegensatz zu vielen anderen Bands dieser Zeit und dieses Genres schaffen es EUROPE auch heute noch, erstklassige Alben abzuliefern. Also musste ich da jetzt endlich mal hin. Ursprünglich sollte mein Weg mich ins schweizerische Pratteln führen (wo sich übrigens verwunderlicherweise die Creme de la Creme der Metal und Rock-Szene die Klinke in die Hand gibt), doch das bekam ich dann zeitlich nicht hin. Dort hätten EUROPE Freitags alleine gespielt. Da das aber wie gesagt nicht klappte, hatte ich Donnerstags die Alternative, ins weitaus nähere Strasbourg zu fahren. An diesem Konzert war aber ein Haken, ein Haken in Form eines Skorpions-Stachels! Denn bei dieser Show war EUROPE nur Support und zwar für keine geringeren als die deutsche Hardrock-Legende SCORPIONS. Der Haken bestand nicht unbedingt darin, dass ich nicht der allergrößte Fan der Hannoveraner bin, sondern dass es durch die Jungs um Klaus Meine weitaus teurer sein sollte als die Show in der Schweiz. Gegen Strasbourg hätte eigentlich auch noch ein weiterer und ziemlich bedenklicher Aspekt gesprochen: zwei Wochen vorher geschahen die Terror-Anschläge von Paris. Deshalb wusste ich nicht, was mich dort ertwarten würde, geschweige denn ob das Konzert überhaupt stattfinden würde. Aber ich wäre nicht ich, wenn mich sowas von einem Konzert abhalten würde. Das Zenith gab bekannt, dass alle Konzerte stattfänden, man solle nur etwas längere Wartezeiten einplanen.
Ohne den Opfern von Paris gegenüber pietätlos zu sein spekulierte ich darauf, vor Ort noch ne günstige Karte zu bekommen, denn die Panikmache war sicher so groß, dass da sicher der ein oder andere lieber zu Hause bleiben würde und somit vielleicht noch n schmales Ticket abzugreifen sei.
Natürlich ging ich dieses Projekt mal wieder alleine an. Als ich nach ziemlich langem Anfahrtsstau an der Halle ankam, wurde man von schwer bewaffneten Polizisten empfangen, die jedes Auto samt Insassen inspizierten. Das war im übrigen der Grund für den Rückstau, der bis auf die Autobahn reichte! Als ich durch die Kontrolle durch war und die Karre auf dem großen Parkplatz abgestellt hatte, staunte ich nicht schlecht, als ich sah, dass die Warteschlange der Halle bis auf den Parkplatz reichte!! Das waren sicher 500 Meter bis zum Zenith! Ich bildete mir ein, schlauer als der Rest zu seine und schlich mich an der Schlange vorbei, denn meistens gibt es an anderen Eingänge kürzere Schlangen, denn die meisten Menschen sind in dieser Hinsicht wie dämliche Schafe: an der ersten Schlange, die man sieht, stellt man sich hörig an ohne auch nur irgend etwas am Ablauf in Frage zu stellen. Nun, sehr viel schlauer war ich dann aber auch nicht, es gab zwar tatsächlich an anderen Eingängen kürzere Schlangen, aber diesen waren auch noch 200-300 Meter lang. Es war unglaublich. Und ich hatte ja noch nicht mal ne Karte. Doch plötzlich war ich wieder schlau, denn meine Prognose bewahrheitete sich und ich hatte schnurstracks für nen Fuffi ein Ticket geschossen. Normaler Preis waren stabile 75 Mäuse! Ich stellte mich an der vermeintlich kürzesten Schlange an.
Schnell war klar: das wir zäh. Die Leute bewegten sich mit der Geschwindigkeit von tropfendem Baumharz. Als ich noch etwa 50 Meter vor mir hatte, hörte ich aus dem Halleninneren bereits Musik. Ich betete, dass da noch nicht EUROPE seien, schliesslich standen ja auch noch sicher 1000 Leute auf dem Vorplatz, da fängt man ja normalerweise etwas später ab. Weitere 30 Minuten Später war in denn endlich drin. Der Saal war zum Bersten voll und, ja natürlich, EUROPE waren schon voll im Gange. Ich sah noch ganze drei Songs (und einen halb) und prügelte in Gedanken vor lauter Wut einige nach Schweiß stinkenden Elsässer durch die Gegend(und davon gibts ne Menge!).
Nach Europe, welche mich selbst mit diesen dreieinhalb Liedern komplett überzeugten, wurde die Bühne umgebaut und alles für die SCORPIONS vorbereitet. Es waren sicher 10-12.000 Leute da (eher mehr). Man kann ja über die Deutschen sagen was man will, aber was diese Band an Musikgeschichte geschrieben hat, ist schon aller Ehren wert. Und damit meine ich nicht mal das ausgeleierte "Wind of change". Wenn man sich eingängig mit Rockmusik befasst, stößt man immer wieder und immer wieder auf zwei Namen: Michael Schenker und Uli Jon Roth. Beide sind ja nicht mehr Teil der Band, aber speziell der erstgenannte war wohl einer der einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte. Allein dafür muss man die Band schon würdigen, auch wenn sie bis heute nur noch einen kleinen Teil des Mythos erhalten konnte. Und ganz nebenbei, 50 Jahre Bandgeschichte sind halt auch ne Nummer, die man erstmal schaffen muss. Lange Rede, die Show ging los. Der Sound war bombastisch und schnell war klar, dass an diesem Abend die Band zwei Gesichter zeigen sollte: das "Wind of Change"-Gesicht (weswegen leider der Großteil da war) und das "Blackout"-Gesicht. Zweiteres sollten einen schlichtweg UMPUSTEN !! Da kippten schon einigen "Radiohörern" die Kinnladen runter, denn manche Klassiker rockten teuflisch hart ab. Musikalisch sind die älteren Herrschaften natürlich sehr gut und perfekt eingespielt, wenn auch speziell die Künste von Rudolf Schenker nicht an die seines Bruders heran kommen. Auch der amerikanische Schlagzeuger James Kottak schwingt die Stöckchen nicht schlecht, aber die Show, die der abzieht, ging mir voll auf den Senkel. Das minutenlange Drumsolo namens "Kottak-Attack", bei der das gesamte Drumkit unter die Hallendecke gehieft wurde, hatte seinen dramaturgischen Höhepunkt, indem Kottak in 20 Meter höhe ungesichert auf den Trommeln stand und (natürlich) die französiche Flagge schwenkte. Nichts gegen Anteilnahme, aber sowas ist einfach nur "Fishing for Compliments".
Egal, die Show war klasse, alte und neue Hits, alles was ich hören wollte, einiges was ich hören musste, und Zugabe war das zwar schwülstige, aber dennoch immergrüne "Still loving you". Dabei verdünnisierte ich mich dann um einigermaßen gut aus dem riesigen Parkplatz-Komplex heraus zukommen. Ich war mir sicher, dass sie alle Hits runtergeleiert hatten. Doch beim späteren checken der Setliste musste ich leider feststellen, dass ich noch "Rock you like a hurricane" verpasst hatte. Den Knaller hätt ich gern noch gesehen.
Auch wenn die SCORPIONS nicht mehr lange unterwegs sein werden (sind ja erst seit 5 Jahren auf der dritten Abschiedstour und haben seit Bandauflösung bereits 4 neue Alben raus gebracht), bin ich froh, sie einmal richtig gesehen zu haben. Das reicht aber auch, es sei denn es gibt mal ne Reunion mit Michael Schenker und/oder Uli Jon Roth!!!

Montag, 18. Januar 2016

ASD
(16.11.2015 SUBSTAGE KARLSRUHE)

Wie im vorherigen Blog ja geschrieben war ich ja an dem Abend bei olle Joan Armatrading. Der Plan war von vornherein nach der Tollhaus-Show noch rüber ins Substage zu schlendern und mir den Rest von ASD reinzuziehen. Ich war ja noch nie ein Fan des deutschen HipHop, aber wenn schon mal zwei so Hochkaräter vor der Türe stehen, dann schaut man doch mal vorbei.
Und was ich da zu sehen bekam war im wahrsten Sinne der Protagonisten DE LUXE!
Es waren so um die 300-400 Leute da, eigentlich nicht übermäßig viel, dafür aber ne gute Szene-Dichte und tausend Mal emotionaler als jede dreimal so große Teenie-Meute von hirnlosen KIZ,Cro oder Casper-Fans, oder was sich sonst heutzutage noch "Rap" nennt. Ich war sofort gebannt, denn die Skillz der beiden (wer es nicht weiß, ASD bestehen aus Afrob und Sammy Deluxe) waren erste Klasse! Endlich mal wieder wirklicher Rap mit ansteckendem Flow, guten und vor allem in den Rhythmus passenden Texten und authentischer und geballter HipHop-Mentalität. Wenn man mal die deutschen Lyrics ausblendete, hätte man teilweise glatt meinen können, man würde da grad einem der großen Ami-Acts aus den 90ern zuhören. Turbogeil, auch wenn ich nur noch ca. 45 Minuten des Konzertes sah.
Und endlich ... ENDLICH sah ich auf nem Rap-Konzert mal wieder Leute umher hüpfen und einander anmoshen. Dieser Ausklang des Abends hatte es weiß Gott in sich und bewegte meine Sichtweise auf (gestandene!) deutsche Rapper um ein gehöriges Stück in Richtung Respekt.

Mittwoch, 23. Dezember 2015

JOAN ARMATRADING
(16.11.2015 TOLLHAUS KARLSRUHE)

Wer sich regelmäßig meinen Blog antut, der kann sich vielleicht an den Beitrag erinnern, in dem ich beschreibe, wie die Dramaturgie mancher Szenen in Filmen oder Serien durch den passenden Song regelrecht explodiert.
Und bei einer dieser dort beschriebenen Szenen aus Miami Vice sprengte ein Song (Dark Truth) meine Sinne, gesungen von einer gewissen Joan Armatrading . Offengestanden hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie von dieser Dame gehört. Nachdem ich also erleuchtet war, wollte es das Schicksal, dass eben jene Künstlerin zufälligerweise einige Monate später ins Tollhaus kommen sollte. Da musste ich natürlich hin.
Leider schreckten mich zwei Dinge im Vorfeld ab. Der stolze Preis von 35 Mäusen und die Tatsache, dass das Tollhaus an diesem abend komplett bestuhlt sein sollte. Na ja, sone Soul/Blues-Diva kann man durchaus auch mal im sitzen erleben, aber man weiß halt schon vorher: an so nem Abend bleibt die Luzie eher ungetanzt!
Dennoch wollte ich hin, ich spekulierte auf ne günstige Schwarmarkt-Karte was auch hervorragend klappte. Schnell hatte ich ein Ticket für 25 Steinchen eingetütet. Also nix wie ning, Vorband bzw. Vorsänger war ein blass-rosa Typ namens Ben Holland, so ne windige Fahhrad-Speiche, die sich hinter der Stange eines Verkehrsschildes verstecken könnte und sich höchstens 2 mal im Jahr die Haare abkauen lässt. Aber konnte das Jungchen singen!!! Wirkliches Hitpotential, klang etwas wie Bob Dylan und manchmal hörte man sogar etwas die folkige Seite vom Boss heraus. Auf alle Fälle ein SingerSongwriter, der sich etwas von der schlitzpissenden Masse absetzt auch wenn er so wie alle ausschaut.
Joan Armatrading kam danach mit ihrer E-Gitarre völlig unspektakulär in unspektakulärem Outfit auf eine unspektakulär aufgemachte Bühne. Man hätte fast annehmen können, sie wollte einen eher unspektakulären Auftritt inszinieren!
Doch entgegen aller Vorzeichen sollte die Show dann visuell doch eher unspektakulär werden. Joan spielte ihre Songs, von denen ich herzlich wenig kannte (obwohl ich miitlerweile natürlich einiges Material gesichtet habe).Einige Lieder waren wirklich atmosphärisch, manche ziemlich rockig, eigentlich war von allem was dabei, sei es Blues, Soul oder Rock dabei. Das wirklich beeindruckende aber war eine Dia-Show in der Mitte des Konzertes, in der Joan Armatrading auf die Stationen und Highlights ihrer Karriere einging.
SCHEISS DIE WAND AN !!! Was hat die denn alles erlebt bzw. mit wem hat die schon die Bühne geteilt!!
Ich weiß nicht mehr alle, aber da waren so Namen wie Eric Clapton, Elton John, Paul McCartney oder Bob Dylan dabei. In Südafrika traf sie Nelson Mandela und spielte bei einem Anti-Apartheid-Konzert vor 200.000 Menschen.
Die Liste war weitaus länger und beeinhaltet noch ne Menge anderer großer Namen und Ereignisse. Eigentlich ist Joan Armatrading ein Weltstar, den hier irgendwie kaum einer kennt. Klar, das Tollhaus war voll, aber eben hauptsächlich mit Insidern (und mir). Aber trotz des imposanten Lebens dieser Frau und den eigentlich guten Songs sprang der Funke bei mir nicht über. Es war kurzweilig aber nicht umhauend.Zuviele Songs fand ich eher mittelmäßig.Auch ihre eher einfachen Gitarren-Soli, die vom Publikum frenetisch gefeiert wurden, beeindruckten mich nur wenig, sehe ich doch Woche für Woche die virtuosesten Klampf-Künstler der Welt. Mag auch sein, dass ich den ganzen Abend auf dieses eine Lied wartete, weswegen ich hier war. Doch dieser Wunsch sollte unerfüllt bleiben. Der Song "Dark Truth", der mir von Konserve schon durch Mark und Bein geht, wird mir wohl live niemals mehr vergönnt sein. Unterm Strich war ich aber doch froh dort gewesen zu sein, denn diese Frau ist eine "grande Dame" der Musikgeschichte, auch wenn sie den meisten Menschen (nebst mir, zumindest bis vor einem halben Jahr) gänzlich unbekannt ist.

Dienstag, 8. Dezember 2015

TEN YEARS AFTER
(30.10.2015 REITHALLE RASTATT)

Um Gottes Willen, als ich laß, dass TEN YEARS AFTER ausgerechnet nach Rastatt kommen sollten, dachte ich offen gestanden zunächst nichts Gutes. Ne zwar kultige, aber doch etwas abgehalfterte Truppe in der musikalisch nur noch durch Orte wie Dudenhofen oder Reitzenhain getoppten Provinz. Das konnte ja was werden. Aber endlich einmal wurde ich lügen gestraft. Es sollte in allen Belangen der HAMMER werden. Mit dabei wie immer Musikkenner Armin (der ab und an seine Jacke mit hochgestrupften Ärmeln trägt, deshalb werd ich ihn ab und an auch einfach mal Sonny (Crocket) nennen!).
Der erste positive Schock: die Reithalle ist ein ganz cooler Laden.
Der zweite noch viel positivere Schock: Die Halle war mit fast 600 Leute VOLL !!!
Das hätte ich nun wirklich in den kühnsten Träumen nicht erwartet. Vorband sah ich wegen der "langen" Anreise leider nicht ;-). TEN YEARS AFTER sind ja vier Mann, zwei davon (Ric Lee/Drums und Chick Churchill/Keys) waren schon zu Woodstock-Zeiten aktiv!! Unglaublich, dass die heute noch auf der Bühne stehen und dazu noch abartig rocken. Am Bass ist mittlerweile auch ein Großer Name: Colin Hodgkinson der schon für die "Weisseschlange" die Saiten zupfte. Der sieht zwar aus wie der Vollstrecker von Donnerlippchen und kann nur noch gebückt spielen, aber den Groove kann er niemals mehr auf die Bühne gebracht haben als heute.
Abgerundet wird das Lineup von einem Jungspunt namens Marcus Bonfanti, der erst seit 2014 mit dabei ist und Gitarre und Stimmbänder bedient. Und ich übertreibe jetzt nicht, aber was dieser Junge leistet, kann man nur mit einem Wort beschreiben: GENIAL!
Ein über alle Maßen talentierter Frontmann, Gitarrist und Sänger, der die Songs mit so großer Leichtigkeit performte, dass er dabei getrost seinen Kopf schütteln konnte und oft minutenlang nicht auf die Gitarre schauen musste, nicht einmal bei den durchaus hochwertigen Soli. Ich weiß, ich neige oft zu Übertreibungen, aber DAS war wirklich fantastisch. Keiner der Anwesenden konnte zappelfrei stehen bleiben, irgendwas zuckte bei jedem.
Hier eine kleine Kostprobe aus meiner (Handy)Feder, in der Mitte des Videos sieht man übrigens Armin so richtig abhotten! Wenn man übrigens in manchen Songs den Orgelsound von Chick Churchill hört, dann kann man schon erahnen, wo olle Jon Lord damals seine Inspiration her nahm, das Ganze bei den Purples einzusetzen.
Das Konzert war einmalig gut und macht mächtig Lust auf mehr, und wenn man die älteren Herren da rocken sah, kann man auch davon ausgehen, daß die sicher nochmal irgendwo auftauchen werden ... hoffentlich!!
Wenn ja, dann sollte das für ALLE Musikfans nicht EIN sondern DER Pflichttermin sein! Jedenfalls ist von der Legende TEN YEARS AFTER noch ne Menge übrig und der fehlende Rest wurde mehr als adäquat ersetzt!
Beste Grüße an Sonny Crocket (der heute nicht mehr so viel Schaumfestiger braucht als zu den glorreichen Vice-Zeiten!)

Montag, 23. November 2015

RAVEN
(15.10.2015 ROCKFABRIK BRUCHSAL)

So Mädels, ihr habt es ja sicher schon gemerkt, dass die Einträge hier etwas seltener geworden sind. Das hat nicht unerheblich damit zu tun, dass Papa sich wieder zur arbeitenden Bevölkerung gesellt hat, und jeder, der mal fast ein Jahr den Faulen machen durfte und Vadder Staat für sich zahlen ließ, der weiß: es ist verdammt schwierig, sich der Maloche wieder voll und ganz zu opfern. In meinem Fall geht neuerdings noch ne Menge ehemaliger Freizeit drauf. Aber jeder kommt mal im Leben der Erwachsenen an, ich jetzt halt auch!
Ich arbeite jedenfalls mit Nachdruck daran, das alles wieder in einen geregelten und wieder fruchtenden Ablauf zu zwängen, was jeden Tag ein Stückchen mehr gelingt ... sofern ich nicht plötzlich vor lauter Erschöpfung einschlafe.
Doch genug von soner Kacke, es geht ja um Musik.
Denn keine geringeren als die NWOBHM-Legende RAVEN war zu Gast. Das Trio hatte in ihrer Band Karriere lediglich einen Besetzungs-Wechsel und der ist nun auch schon fast 30 Lenze her. Die Chefs sind die die Gallagher-Brüder, ein singender Bruder am Bass, der andere krächzt nur ab und an ins Mikro und kümmert sich ansonsten äusserst eindrucksvoll um die sechs Saiten seiner Klampfe. Wer sich übrigens fragt, warum so eine Band auf einer kleinen Bühne in einem Kaff wie Bruchsal spielt, und nicht wie ihre Kollegen Maiden, Saxon oder Priest die großen Hallen füllen, der findet die Antwort keinesfalls in der Qualität der Musik... oh nein..., der Grund dafür ist weitaus trivialer: die drei sind HÄSSLICH wie die Nacht !!!
Auf dem Tourplakat oben sind sie sogar noch gut getroffen!! Aber können die noch rocken!! Die Rockfabrik war gut gefüllt, schätze mal so 200 Leute werden da gewesen sein. Erfeulicherweise auch einige Kuttenträger der jüngeren Art.
Die Gallagher-Brüder (natürlich nicht zu verwechseln mit den verstrittenen Weichflöten aus Manchester!)legten los, als hätten sie um zehn wieder im Senioren-Stift sein müssen. Tonnenschwere Riffs, eingängige Hooklines, quitschende Vocals, der Groove hatte den Saal im Nu in seinem Bann. Es war bis zum vierten oder fünften Song gerade zu fantastisch. Doch dann fing es an, etwas nervig zu werden, denn, warum auch immer, legten alle drei nach und nach schier unendliche Soli aufs Parkett, qualitativ hochwertig, aber ab einem gewissen Zeitpunkt nur noch anstrengend. Kamen sie dann mal wieder mit einem Powerriff zurück zu einem Hit, war der Laden ruckzuck wieder am beben. Aber leider kochte so die Stimmung unnötigerweise immer wieder runter. Hätten sie die Show auf 10-12 Knaller-Songs reduziert, wäre sie perfekt gewesen. Zwar kürzer wie erwartet, dafür unbändige Power am Stück. Unterm Strich war es natürlich dennoch ein geiles Konzert des Trios aus Newcastle, die, und das war die wahre Quintessenz des Abends, dieses Metal-Ding ehrlich und vollens leben, wie wahrscheinlich kaum eine andere Band mit vergleichbarer Historie.
Am besten ist es wahrscheinlich, die Band bei einem größeren Festival zu sehen, denn dort müssen sie das Ganze auf das Power-Minimum reduzieren.
Auf alle Fälle eine geiler Abend voll antiquiertem und gleichzeitig herrlich frischem Heavy Metal, so wie er sein soll!

Mittwoch, 4. November 2015

MIKE TRAMP
(03.10.2015 FESTHALLE DURLACH

Die Karlsruher Rock-Band WICKED SENSATION, die sich schon über die regionalen Grenzen hinaus einen ordentlichen Namen gemacht haben, wollen mit diesem ersten Konzert eine Art kleines Festvial etablieren, welches den Titel "Night on Fire" tragen soll. Diese erste Ausgabe beeinhaltete drei Bands, die erste verpasste ich (wie fast immer). Soll aber auch net der Überhammer gewesen sein. Der nächste Act, eben WICKED SENSATION, spielte dann sozusagen die Rolle des selbsternannten Co-Headliners. Woran ich die Aussage festmache? Diese Vögel spielten fast zwei Stunden!!!! Nichts gegen die Musik, das ist astreiner Hardrock von klasse Musikern, aber nach ner Stunde wäre es gut gewesen, irgendwann konnte ich es kaum erwarten, daß die Burschen endlich Platz für die wirkliche Hauptattraktion des Abends machten. Falls WS bei jedem Konzert als Co-Headliner auftreten wollen, kann ich mir künftig noch etwas mehr Zeit lassen, bis ich dort aufschlage. Den Meisten der ca. 3-400 Leuten ging es ähnlich und fast alle wollten eigentlich nur einen sehen;
Und das war MIKE TRAMP, Ex-Voice der Glamrock-Legende WHITE LION und auch der etwas unbekannteren Band FREAK OF NATURE. Und da ihm zwei Bands nicht genug waren, hat er sich noch ein fettes Solo-Programm zugelegt. Wobei diese Sachen dann teilweise eher in die folkige Rock-Ecke gehen. Ich war gespannt wie ein Flitzebogen. Aber das was dann kam, war komplett unerwartet. MIKE TRAMP kam auf die Bühne und hatte eine Band im Schlepptau, die so aussahen, als seien sie gestern erst geworfen worden. Ne blutjunge Band, 3 Mann, alle um die 20 Jahre, Gitarrist und Bassist schienen Brüder zu sein und hatten dazu noch sone Emo-Köpfe, als hätten gerade noch die Ratten dran genagt. Mitten drin MIKE TRAMP, der fast schon der Opa der Jungs hätte sein können. Der Gute steht zwar noch bestens im Saft, aber die Jahre der Exzesse sind auch an ihm nicht spurlos vorbei gegangen und so sieht er schon etwas verlebt aus, wenn man genauer hinschaut. Aber kann der Junge noch singen !!! Dazu noch ein exzellenter Gitarrenspieler, was er beeindruckend an seiner Akkustik-Klampfe bewies. Mein vorübergehender Schock, wie jung und unpassend seine Band doch schien, verwandelte sich schnell in purste Begeisterung. Selten so talentierte Jungs gesehen, die das gesamte Repertoire von MIKE TRAMP perfekt präsentierten. Schnell war die ganze Halle im Banne des TRAMP. Alte LIONs und neue TRAMPs,wirklich alles wurde geboten. Das allein wäre schon Grund genug gewesen den Abend zu feiern. Aber garniert wurde das Ganze noch von mörder-witzigen und kurzweiligen Anekdoten aus der Welt des Hardrock, manchmal zum Schmunzeln, manchmal nachdenklich, meistens zum totlachen. Das macht eben auch einen guten Frontman aus. Was ich aber an dem ganzen Abend am beeindruckensten fand, ist die Liebe zur Musik, die MIKE TRAMP wirklich lebt. Mit WHITE LION hatte er den großen Erfolg, spielte in vollen Stadien und Hallen, war weltbekannt, heute tingelt er mit einer Nachwuchs-Band durch die kleinen Clubs und macht immernoch einfach gute Musik. Und im Gegensatz zu manch anderem, bei dem sowas armselig wirkt, macht TRAMP das voller Stolz und Leidenschaft. Für mich ein großer Abend mit einem großen Mann (und einen schier endlos spielenden Vorband ;-) Höhepunkt des Abends war natürlich der Welthit "When the Children cry" und als Zugabe gabs noch "Southbound" von den legendären THIN LIZZY.
Was war das für ein geiler Abend!
Beste Grüße gehen an Air Guitar Armin nebst Kumpan Markus!

Mittwoch, 14. Oktober 2015

BLACK TRIP
(24.09.2015 CAFE CENTRAL WEINHEIM)

Eine der Bands, die aktuell noch eher als Geheimtipp gehandelt wird, die aber in den nächsten Jahren durchaus durch die Decke gehen könnte, sind die Schweden BLACK TRIP, eine Art Supergroup aus dem Land der Elche, die sich u.a. aus Ex-Leuten bzw. Leuten von ENFORCER und ENTOMBED zusammensetzen.
Wie bei Geheimtipps oftmals üblich, weil sie ja nunmal "geheim" sind, war das Cafe Central leider nicht voll, aber letztenendes mit ca.100 Leuten ordentlich angefüllt. Vorband waren die Russen von REDSCOOL, die ich schon als Support von UFO gesehen hatte. Ne echt gute Hardrock Band mit Potential, und wenn der Gitarrist noch ein paar Restbeisserchen in seiner Kauleiste hätte, dann könnte man sich mit der Band auch mal zu Werbezwecken irgendwo fröhlich ablichten lassen. Doch das Zahnklavier des Burschen scheint völlig tastenlos, naja, kommt ja bei den Herren aus den östlichen Gefilden schon mal vor.
Den Anwesenden gefiel es, aber eigentlich war es dann doch ne ganz andere Richtung, wie BLACK TRIP dann klarstellen sollten. Die Schweden starteten richtig los und hatten mit ihrem Gemisch aus Stoner und klassischem Metal schnell ihre Flughöhe erreicht, welche sie nicht mehr verlassen sollten. Die Songs haben nahezu alle Hitpotential, lediglich der Sänger, der (noch?) hauptberuflich bei ENFORCER die Saiten zupft, gab zumindest mir Anlass zu geringer Kritik, denn dessen Stimmvolumen scheint doch etwas beschränkt. Seine Stimme passt zu der Musik, das steht ausser Frage, und der kann auch singen, nur ist eben mittlerweile Standard, dass die Sänger der "neuen Metal Welle" ein weitaus größeres Stimm-Spektrum aufweisen.
Aber dieser Kritikpunkt fiel mit jedem guten Song mehr und mehr unter den Tisch. Es war ein klasse Konzert einer Band, von der man sicher noch einiges hören wird. Der Meute gefiel es ebenso und die Läusematten flogen nur so durch die Gegend. Auch als Armin grade mit geschlossenen Augen und und vor lauter Wonne geöffneten Lippen zu einem Luftgitarren-Solo ansetzte, drängte sich ein moshender Metalhead vor ihn und ihm Nu hatte der Gute den Mund voll klebender Zotteln, war das ein Spass. Zum Schluss noch ein kleenet Bildchen, welche ich mit meinem neuen Handy gemacht habe, das macht echt ganz gute Schnappschüsse!
Beste Grüsse an die Crew bestehend aus MusikMogulArmen (abgekürzt M.M.A.) und natürlich Larsomat, der vielen auch als Griesgram oder Muffi Schlumpf bekannt sein dürfte!